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Foto: wikipedia/Ali Mansuri
 
Immunologie 16. November 2010

Impfaktion für muslimische Pilger wurde gestartet

Die Wallfahrt nach Mekka hat begonnen, bis 28. November werden bis zu drei Millionen Gläubige unterwegs sein.

Derzeit pilgern Millionen muslimische Gläubige nach Saudi Arabien. Viele von ihnen sind aus Österreich und anderen EU-Ländern. Aus diesem aktuellen Anlass ruft das Österreichische Grüne Kreuz (ÖGK) für Gesundheit gefährdete Personen dringend zur Impfung gegen die heimtückischen Meningokokken-Bakterien auf.

 

Die traditionelle Pilgerfahrt Hajj (Hadj/Hadsch) ist eine der „fünf Säulen des Islam“ und findet im letzten Monat des islamischen Jahres statt. „Aufgrund der dicht gedrängten Menschenmassen und der gemeinschaftlichen Unterbringung in der Zeltstadt ist das Risiko, sich mit Infektionskrankheiten, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, anzustecken, stark erhöht“, erklärt DDr. Wolfgang Maurer vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien. Durch die starke Dominanz der gefährlichen Meningokokken-Gruppe W in Saudi Arabien wird die Impfung für alle Reisen in das Hochrisikogebiet empfohlen.

Für Hajj-Pilger ist die Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y seit 2000 sogar Pflicht. „Neu seit letztem Jahr ist, dass Hajj-Pilger zusätzlich auch vor saisonaler bzw. Schweine-Influenza geschützt sein müssen“, ergänzt Maurer. „Der heurige Impfstoff enthält übrigens auch einen Impfstamm gegen den Schweinegrippe-Erreger H1N1.“ Bei der Einreise verlangt die Gesundheitsbehörde in Saudi Arabien zwingend einen Impfnachweis.

Pilger haben heuer erstmals die Wahl zwischen zwei Impfstoffen, denn es steht seit kurzem ein moderner Vierfach-Impfstoff zur Verfügung, der auch Halal-zertifiziert ist. Das bedeutet, die Herstellung des Impfstoffes erfolgt unter Bedingungen, die mit den islamischen Religionsgesetzen vereinbar sind. „Moderne, sogenannte konjugierte Impfstoffe schützen länger und besser als die bisher verfügbaren Polysaccharid-Impfstoffe. Außerdem verhindern sie die Bakterienansiedlung im Nasen-Rachen-Raum und somit eine Weiterverbreitung der Meningokokken-Bakterien“, ergänzt Maurer. „Laut Österreichischem Impfplan (www.bmg.gv.at) sind Konjugat-Impfstoffe zu bevorzugen und in Saudi Arabien selbst wird seit heuer ebenfalls mit einem konjugierten ACWY-Impfstoff geimpft.“

In Österreich ist der Großteil der muslimischen Gemeinschaft türkischer Herkunft. „Auch in der Türkei ist die Serogruppe W vorherrschend. Sie ist für 43 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich. Diese Tatsache ist besonders bei Besuchen von Verwandten und Freunden aus der Türkei und bei Heimreisen zu bedenken“, so Maurer. Daher wird auch für Reisende, insbesondere Kinder und Jugendliche, nicht nur in Österreich, sondern auch in der Türkei ein breiter Impfschutz empfohlen.

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