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Immunologie 21. September 2010

Saisonale Influenza – die Situation in Österreich

Nur knapp über zehn Prozent der Erwachsenen und etwa 37 Prozent in der Altersgruppe ab 60 Jahre sind gegen die saisonale Influenza geimpft.

Die wirksamste Maßnahme, einer Influenzaerkrankung vorzubeugen, ist die Impfung, betonten Experten im Rahmen einer von der Apothekerkammer organisierten Veranstaltung. Die Impfung sollte im frühen Herbst stattfinden, zwei Wochen nach der Impfung beginnt der Impfschutz. Die Akzeptanz dieser Impfung ist in Österreich jedoch nach wie vor gering.

In Österreich erkranken pro Jahr etwa 380.000 Personen an Influenza, etwa 4.500 Personen müssen stationär behandelt werden. An den Folgen versterben etwa 2.500 Personen, insbesondere Patienten mit bestehenden Grunderkrankungen (z.B. Herzerkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen oder Diabetes) und ältere Patienten.

Impfmüdigkeit in Österreich

Obwohl damit die Influenza zu den häufigsten und folgenschwersten Infektionskrankheiten gehört, besteht in der Bevölkerung kein adäquates Risikobewusstsein. So liegen die aktuellen Durchimpfungsraten der saisonalen Impfung bei Erwachsenen knapp über 10 Prozent, in der Altersgruppe ab 60 Jahren bei etwa 37 Prozent. Damit nimmt Österreich im europäischen Vergleich einen der letzten Plätze ein und verfehlt eindeutig die von der WHO empfohlene Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei den älteren Personen. Die Durchimpfungsraten bei medizinischem Personal im Gesundheitswesen sind zwar in ganz Europa bescheiden, Österreich liegt allerdings auch hier mit nur 22 Prozent (2007/08) am unteren Ende.

Gute Empfehlungen, mangelhafte Umsetzung

Österreich gehört zu den Ländern mit den besten Empfehlungen weltweit. Beispielsweise wird die Impfung für ältere Personen bereits ab 50 Jahren empfohlen, da durch die altersbedingte Funktionsreduktion des Immunsystems (Immunoseneszenz) ältere Personen nicht nur anfälliger für Infektionen sind, sondern auch eine verminderte Immunantwort auf die Impfung aufweisen. Laut Österreichischem Impfplan sollten Kinder (ab 7. Lebensmonat), Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens (chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen, Erkrankungen der Nieren, Stoffwechselkrankheiten und Immundefekte) geimpft werden. Auch für Schwangere (im 2. und 3. Trimenon) wird die Impfung vor (und eventuell auch noch während) der Influenzasaison (Oktober bis März) zum eigenen Schutz und zum Schutz des Neugeborenen empfohlen. Die Impfung von Kindern ist wichtig, weil diese eine besonders hohe Infektionsrate haben und Schlüsselpersonen für die Ausbreitung der Erkrankung darstellen. Ebenso sollten Betreuungspersonen (z. B. in Spitälern, Altersheimen und im Haushalt) von Risikogruppen geimpft werden. Auch als Reiseinfektion hat die Influenza beträchtliche Bedeutung, ein Schutz ist daher anzustreben. „Prinzipiell sollte sich jedoch jeder impfen lassen, der sich und andere schützen will“, forderte Prof. DDr. Egon Marth, Vorstand des Instituts für Hygiene der Karl-Franzens-Universität Graz.

Kosten-Effektivitäts-Analyse in Österreich

Die Influenza verursacht jedoch nicht nur menschliches Leid, sondern hat auch negative wirtschaftliche Folgen und sehr hohe Begleitkosten für das Gesundheitssystem. Schätzungen zufolge ist die Influenza für ein Zehntel aller krankheitsbedingten Arbeitsausfälle verantwortlich und die Produktivität ist um 55 Prozent verringert. Mehr als 80 Prozent der Grippepatienten bestätigen, dass ihre Arbeitsleistung auch nach Beendigung ihres Krankenstandes noch einige Zeit beeinträchtigt ist. Eine Kosten-Effektivitäts-Analyse (Master`s Arbeit von Mag. Andreas Stoppacher) zur Abschätzung der Kosten-Effektivität der Influenzaimpfung in Österreich für gesunde Erwachsene im Alter von 16 bis 65 Jahren und für ältere Menschen ab 65 Jahren aus der Perspektive des Gesundheitssystems zeigt, dass die Netto-Kostenersparnis für das Gesundheitssystem bei etwa 60 Euro pro geimpfter Person liegt. Pro verhinderter Erkrankung liegt diese Ersparnis bei 405 Euro und pro verhinderter Hospitalisierung bei 25.365 Euro. „Je älter und kränker, desto größer der Effekt“, betonte Doz. Dr. Christoph Wenisch, Abteilungsvorstand der 4. Medizinischen Abteilung im SMZ-Süd-Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien.

Der Influenzaimpfstoff in der Saison 2010/2011

Die saisonale Influenza ist eine jährlich auftretende Infektion durch jedes Jahr neu zu definierende Influenzaviren. Diese werden von der WHO auf Basis vorliegender Daten aus der südlichen Hemisphäre genau evaluiert und für die nördliche Hemisphäre im Februar festgelegt. Auf Grundlage dieser Empfehlung wird von der Industrie jährlich ein neuer Impfstoff produziert.

Internationale Organisationen wie das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen davon aus, dass das Influenza A(H1N1v)2009-Virus („Schweinegrippevirus“) auch in der kommenden Saison 2010/2011 in Österreich zirkulieren und gemeinsam mit den Virustypen A(H3N2) und B die Influenzaerkrankungen hervorrufen wird. Der diesjährige saisonale Influenzaimpfstoff besteht daher aus den drei Influenza-Stämme A/California/7/2009 (H1N1), A/Perth/16/2009 (H3N2) (Stämme wie A/Wisconsin/15/2009) und B/Brisbane/60/2008. „Alle derzeit verfügbaren Influenzaimpfstoffe sind nicht adjuvantiert, enthalten 15 Mikrogramm Hämagglutinin pro Stamm und werden auf bebrüteten Hühnereiern produziert“, unterstrich Dr. Otfried Kistner, Virologe und Direktor für Virologie der Firma Baxter. Im Gegensatz dazu enthielt der pandemische Impfstoff des letzten Jahres sehr viel weniger Antigen als die saisonalen Impfstoffe, um in kurzer Zeit sehr viele Impfstoffdosen produzieren zu können. Als Ausgleich für die geringe Antigenmenge enthielt dieser Immunverstärker, um die Immunantwort zu verbessern.

 

Quelle: „Influenza 2010/2011: Wie gefährlich wird die Grippewelle?“, eine Veranstaltung der Österreichischen Apothekerkammer, 9. September 1010, Wien.

Von Dr. Friederike Hörandl , Ärzte Woche 38 /2010

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