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Immunologie 30. September 2009

Die Funktion des IgE

Ein Salzburger will‘s wissen.

Welche Rolle das Immunglobulin E in der Immunabwehr spielt und warum es immer häufiger aus dem Ruder läuft, untersucht Prof. Dr. Gernot Achatz, Fachbereich Molekulare Biologie der Universität Salzburg.

 

IgE ist ein in der Evolution konserviertes Mitglied der Immunglobulinfamilie. IgE kommt vor allem in Epithelien und Schleimhäuten vor, wo es an spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche hochpotenter Effektorzellen des Immunsystems gebunden ist, den eosinophilen Granulozyten und Mastzellen. Gebunden an diese Zellen, hat IgE eine Halbwertszeit von Wochen bis Monaten, während die Halbwertszeit freier IgE-Moleküle im Blutplasma lediglich sechs Stunden beträgt, was nahelegt, dass IgE eine Rolle in der lokalen Immunabwehr spielt, so Achatz.

Die Kernfunktion von IgE ist bis heute unklar. Es muss jedoch eine wichtige Rolle spielen, weil es im Rahmen der Evolution stabil blieb und bei allen Säugern zu finden ist. Seine Geschichte datiert mindestens 160 Millionen Jahre zurück, wenn nicht sogar 300 Millionen Jahre. Damals entstanden bei der Genduplikation des Vorläufer-Immunglobulins IgY zwei Immunglobuline mit unterschiedlichen Eigenschaften: IgE und IgG. IgG repräsentierte fortan die opsonisierenden Aktivitäten des IgY. Opsonisierung ist ein Mechanismus des Immunsystems zur Kennzeichnung von Eindringlingen durch Antikörper und Komplementfaktoren, damit sie von Fresszellen erkannt und vernichtet werden können. IgE war für die anaphylaktische Reaktion zuständig, mit der die Immunabwehr, unter Umständen unter Aufbietung des gesamten Organismus, auf einen fremden Reiz reagieren kann. Aus evolutionärer Sicht scheint die anaphylaktische Abwehrreaktion notwendig gewesen zu sein, wenn auch zu einem hohen Preis für das Individuum. Die Aufsplittung von anaphylaktischen und opsonischen Aktivitäten erlaubte eine engere und spezifischere Kontrolle beider Mechanismen.

Heute ist IgE vor allem für seine starken Effektorfunktionen in Gestalt allergischer Reaktionen bekannt. Achatz vermutet hinter dem Anstieg allergischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten ein Versagen von Kontrollmechanismen, die in der Vergangenheit adäquat waren. Er selbst und auch andere haben in den letzten Jahren verschiedene Mechanismen beschrieben, die eine enge Kontrolle der IgE-Antwort durch B-Lymphozyten nahelegen. Die weitere Aufklärung der Kontrolle und biologischen Funktion von IgE ist Voraussetzung für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien.

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