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Immunologie 30. September 2009

Immunstrategien gegen Krebs

Mit Hochdruck wird nach Therapiemöglichkeiten von morgen geforscht.

Die Entwicklung therapeutischer Impfungen, also Vakzinierung nach Ausbruch einer Erkrankung, erweist sich als schwierig. Inzwischen zeichnen sich aber erste klinische Erfolge ab.

 

Ein Ansatz, der auf den neuesten Erkenntnissen der Peptid-Impfstoffentwicklung beruht, wurde von Prof. Dr. Cornelis J.M. Melief aus Leiden vorgestellt: Ein Kombinationsimpfstoff, bestehend aus synthetischen langen Peptiden von Onkoproteinen des humanen Papillomvirus (HPV), wurde bei Patientinnen mit etablierten Vorstufen eines genitalen Karzinoms (intraepitheliale Neoplasie der Vulva, Grad III) in einer klinischen Phase-II-Studie geprüft. Nach viermaliger Impfung mit dieser Vakzine ließen sich komplette Rückbildungen aller Läsionen bei einem beträchtlichen Teil der Patientinnen erreichen. Diese ermutigenden klinischen Ergebnisse bestätigen experimentelle Untersuchungen, die zeigten, dass die Eiweißstoffe von dendritischen Zellen aufgenommen und nach Aufarbeitung den T-Lymphozyten so effektiv präsentiert werden, dass diese die Tumorzellen zerstören können. (Melief, C. et al.: Nature Reviews Cancer 2008; 8[5]: 351-60).

In ähnlicher Weise versucht die Berliner Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen und Dr. Anne Letsch ein Peptid des Transkriptionsfaktors WT1 zur Impfung bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) zu entwickeln. Der Transkriptionsfaktor WT1 ist in seiner Expression besonders stark assoziiert mit der Malignität bzw. dem Wachstumsverhalten vieler Tumorzellen. In Vorstudien konnten die Autorinnen zeigen, dass T-Lymphozyten von AML-Patienten in der Lage sind, über WT1 Leukämiezellen anzugreifen. Mit Unterstützung der Jose-Carreras-Leukämie-Stiftung wurde ein Impfstoff entwickelt, der ermutigende Ergebnisse bei durch Chemotherapie nicht mehr ausreichend behandelbaren Formen von Leukämie zeigt (Keilholz et al.: Blood 2009; 113[26]: 6541-8).

Antikörpermolekül mit zwei Gesichtern

Über einen Ansatz, T-Lymphozyten gegen Tumorzellen zu engagieren, berichtete Prof. DDr. Gert Riethmüller, München. Mithilfe eines neuartigen, synthetischen bispezifischen Antikörpermoleküls, das januskopfartig an zwei unterschiedlichen Antigenbindungsstellen ankoppelt, lassen sich kompakte Brücken zwischen T-Lymphozyten und Tumorzellen schlagen. Aufgrund der ausgewählten Zielmoleküle auf der Zellmembran von Tumorzelle und T Lymphozyt, über die das Antikörpermolekül die beiden Zellen in allerengsten Kontakt bringt, werden T-Lymphozyten unabhängig von ihrem spezifischen Antigenrezeptor zur Zerstörung der kontaktierten Tumorzellen animiert. Bei fortgeschrittenem Non-Hodgkin-Lymphom und bei akuter lymphatischer Leukämie führte dieser bispezifische Antikörper bei über 90 Prozent der behandelten Fälle zur kompletten bzw. partiellen Abstoßung der malignen Zellen (Bargou et al. Science 2008; 321[5891]: 974-7). Bemerkenswert ist, dass diese klinischen Ergebnisse sich durch Dauerinfusionen erzielen ließen, bei denen nur 15-60 Mikrogramm pro Patient und Tag verabreicht wurden.

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