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Foto: Screenshot / www.SpringerMedizin.at/ tag/EFIS-Spot/
„Auch Helden sind verwundbar“ ist die Botschaft des am Kongress von der EFIS prämierten Kurzfilms The Immunology Knight.
 
Immunologie 30. September 2009

Neue Seuchengefahren werden überschätzt, alte vergessen

Weltweit wird nach verbesserten Impfstoffen gegen Tuberkulose geforscht.

Im Zuge der dominanten Berichterstattung in den Medien zu neuen Seuchengefahren wie der Neuen Grippe geraten andere Infektionsrisiken in der öffentlichen Wahrnehmung zu Unrecht in den Hintergrund. Die folgenschwersten Infektionskrankheiten sind jedoch nach wie vor alte Bekannte wie Tuberkulose, HIV/AIDS, Malaria oder Hepatitis C.

 

Weltweit sterben an diesen Krankheiten pro Jahr rund sechs Millionen Menschen, wie Prof. DDr. Stefan Kaufmann, Leiter des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin, sagte: „Gegen diese großen Seuchen benötigen wir dringend Impfstoffe!“

Neue Risiken werden meist schlimmer empfunden als altbekannte. „Die Schweinegrippe ist für Deutschland derzeit eine empfundene Bedrohung, während die Bedrohung durch Tuberkulose, HIV/AIDS, Malaria und Hepatitis C real ist“, betonte der Infektionsexperte, der auch Präsident der European Federation of Immunological Societies (EFIS) und Vizepräsident der International Union of Immunological Societies (IUIS) ist. Der Wissenschaftler will mit dieser Aussage keineswegs die Neue Influenza herunterspielen, die weltweit bislang etwa 100 Todesopfer gefordert hat, denn auch sie kann durch weitere Mutationen gefährlicher werden. Allerdings ist die Immunologie in der Lage, Impfstoffe dagegen zu entwickeln.

Geringe Renditen bei Vakzinen

Im Gegensatz zur Grippe ist dies bei den genannten großen Seuchen bislang nicht hinreichend gelungen. Die Impfstoffentwicklung ist äußerst aufwendig und bringt zumindest für die vernachlässigten Krankheiten geringe Renditen für die Investitionen in Forschung und Entwicklung. Eine dieser vernachlässigten Krankheiten ist die Tuberkulose. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war sie noch Todesursache Nummer 1 in Deutschland und Europa. In den 1960er Jahren galt die Krankheit als besiegt. Heute ist sie, begünstigt durch die Ausbreitung von AIDS, vor allem in Afrika, Asien und Osteuropa wieder aufgeflammt. Und sie hat neue Formen entwickelt, die gegen herkömmliche Medikamente resistent sind. Über neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose, zwei Millionen sterben daran.

Fataler Einsatz von Antibiotika

Auf der Weltgesundheitskonferenz im April dieses Jahres in Peking bezeichnete die Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, die derzeitige Lage als alarmierend und warnte: „Wenn wir gegen das neue Problem nicht mit aller Kraft angehen, werden wir es bald in 95 Prozent der Fälle mit resistenten Erregern zu tun haben.“ Zu den Faktoren, die die Entwicklung multiresistenter Erreger begünstigen, gehören vorzeitig abgesetzte Antibiotika im Krankheitsfall sowie der massenhafte Einsatz dieser Medikamente in der landwirtschaftlichen Tierhaltung.

Neuer Impfstoff: Bitte warten ...

Seit einigen Jahren arbeiten weltweit mehrere Gruppen an einem verbesserten Impfstoff gegen Tuberkulose. Am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie hat das Team von Kaufmann einen Impfstoff entwickelt, der eines Tages Bacille-Calmette-Guérin (BCG) ersetzen soll, der nur vor der heftig verlaufenden Tuberkulose des Kleinkinds schützt. Der neue Impfstoff zeigt in präklinischen Modellen deutlich bessere Wirkung und höhere Sicherheit. Derzeit befindet er sich in Deutschland in einer klinischen Studie der Phase I, die von der „Vakzine Projekt Management“ durchgeführt wird. Mit dem neuen Impfstoff gegen Tuberkulose kann jedoch laut Kaufmann frühestens in zehn Jahren gerechnet werden.

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