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Der Pricktest ist ein hochsensitives und kostengünstiges Diagnoseverfahren, welches durch eine alleinige Blutabnahme (RAST) nicht zu ersetzen ist.
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Doz. Dr. Felix Wantke Wilhelminenspital Wien und Floridsdorfer Allergieambulatorium

 
Immunologie 8. September 2009

Frühzeitige Diagnose der Allergie ist sehr wichtig

Nur wenn allergische Symptome rechtzeitig erkannt werden, können effiziente Therapien zum Einsatz kommen, die gefährlichen Komplikationen vorbeugen.

Die allergische Rhinokonjunktivitis ist mit 20 bis 25 Prozent das häufigste Krankheitsbild des allergischen Formenkreises, welcher die atopische Dermatitis, die Nahrungsmittel-, Medikamenten- und Insektengiftallergien und das allergische Asthma bronchiale umfasst. Mehr als 20 Prozent der Schulkinder leiden bereits an Allergien. Asthma bronchiale betrifft heute acht bis zehn Prozent der Bevölkerung – Tendenz steigend. Im Rahmen der ÖGIM 2009 widmet sich ein Vortragsblock der interdisziplinären Arbeit der Allergologie – Doz. Dr. Felix Wantke, Wilhelminenspital Wien, gab der Ärzte Woche eine Vorschau auf die Inhalte.

 

Die Neigung zu Allergien ist erblich. Wenn also beide Elternteile Allergiker sind, so besteht für Kinder eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an einer Allergie zu erkranken. Auch unser westlicher Lebensstil ist mit dem Auftreten von Allergien assoziiert, wie eine Passivrauch-Exposition mit einem erhöhten Asthmarisiko bei Kindern. Da eine Allergieprävention nicht möglich ist, ist die frühzeitige Diagnose der Allergie wichtig, um eine rechtzeitige und effiziente Therapie zu beginnen. Im Rahmen der Allergiediagnostik sind folgende Bereiche zu klären:

  • Rhinokonjunktivitis
  • Asthma bronchiale
  • atopische Dermatitis
  • Urticaria
  • Status post Anaphylaxie
  • Verdacht auf Insektengiftallergie
  • Verdacht auf Lebensmittelallergie
  • Verdacht auf Medikamentenallergie

Eine sorgfältige Anamnese gibt meist klare Hinweise auf das zugrunde liegende Allergen. Folgendes Beispiel: Wenn sich eine Rhinokonjunktivitis im April mit oralem Allergiesyndrom nach Genuss von Äpfeln, Nüssen oder Pfirsichen äußert, dann lautet die Diagnose: Birkenpollenallergie mit pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie. Bei schwierigen Fragestellungen wie Medikamentenunverträglichkeiten ist die Anamnese von größter Wichtigkeit.

Pricktest

Auf die Anamnese folgt in der Regel der Pricktest, ein hochsensitives und kostengünstiges Diagnoseverfahren, welches durch eine alleinige Blutabnahme (RAST – Radio-Allergo-Sorbent-Test) nicht zu ersetzen ist. Eine Vielzahl an Allergenen kann innerhalb von 20 Minuten getestet werden. Ein Intracutantest wird nach negativem Hautpricktest bei Medikamenten- und Insektengiftallergien angewandt. Zu beachten bleibt, dass die Einnahme von Antihistaminika oder Antidepressiva das Ergebnis verändern oder unterdrücken kann. Der Nachweis von spezifischem IgE-Antikörpern mittels RAST oder ähnlichen Verfahren dient der weiteren Festigung der Diagnose. Ein positives Ergebnis stellt eine Voraussetzung für die spezifische Immuntherapie dar. Bei positivem Pricktest muss der In-vitro-Test nicht automatisch positiv sein!

Molekulare Allergietestung

Viele Allergietests verwenden nach wie vor Gesamtextrakte mit einem Mix zahlreicher Allergene. Die moderne In-vitro-Diagnostik basiert zunehmend auf definierten, meist rekombinant hergestellten Molekülen, mit deren Hilfe die Relevanz einzelner Allergenquellen, wahrscheinliche Kreuzreaktionen sowie der potenzielle Schweregrad klinischer Überempfindlichkeitsreaktionen besser vorhergesagt werden können („Komponenten-basierte Allergiediagnostik“). Ein weiterer Vorteil könnte die verbesserte Indikationsstellung für die Immuntherapie sowie die Möglichkeit eines spezifischen serologischen Monitorings der dabei erzielten immunologischen Effekte sein.

Testung der Lungenfunktion

Die Lungenfunktionstestung ist ein fixer Bestandteil der Allergietestung. Bei Kindern kann die Diagnose Asthma bronchiale schwierig zu stellen sein, zumal virale Infekte Asthma-ähnliche Symptome hervorrufen und Lungenfunktionen naturgemäß noch nicht durchgeführt werden können. Daher sollte man den Ausdruck „Asthma“ bei Kindern unter fünf Jahren nicht mehr verwenden, sondern von „Giemen“ oder neudeutsch von „wheeze“ sprechen. Man unterscheidet den vorübergehenden „viral wheeze“ nach respiratorischen Infekten, den „multifactorial wheeze“ aufgrund von Umwelteinflüssen und Zigarettenrauch und zuletzt den „atopic wheeze“ bei bereits bestehender Allergie. Eine Sensibilisierung gegen ein perineales Allergen (= Hausstaubmilbe oder Katze) vor dem 3. Lebensjahr birgt ein 15faches Risiko, eine bronchiale Hyperreaktivität zu entwickeln, wenn eine hohe Exposition zu einem perinealen Allergen besteht, steigt das Risiko auf das 39fache.

Provokation

Der Provokationstest dient vor allem der Abklärung von Nahrungsmittel- und Medikamentenallergien. Das verdächtigte Allergen wird in steigender Konzentration oral zugeführt und die Symptomatik unter stationären Bedingungen überwacht. Provokationstests können offen, einfach und doppelt verblindet durchgeführt werden. Da jede Allergenprovokation das potenzielle Risiko einer anaphylaktischen Reaktion birgt, sind eine klare Fragestellung zur Provokation und die klinische Relevanz des Ergebnisses streng zu indizieren. Die inhalative und bronchiale Provokation ist arbeitsmedizinischen und wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten, wird nur an Zentren durchgeführt und birgt die Gefahr von mitunter schweren Asthmaanfällen!

Schwierige Allergene

Die Diagnosestellung bei Medikamentenunverträglichkeit ist aufgrund der Komplexität der Metaboliten sehr schwierig. Bei begründetem Verdacht sollte primär eine Frage gestellt werden: Gibt es ein Ausweichmedikament, welches vertragen wird? Da nur für wenige Medikamente serologische Tests verfügbar sind, ist eine klare diagnostische Aussage meist nur über die spezifische Provokation in einer Klinik möglich.

Ebenfalls problematisch kann sich die Abklärung einer Latexallergie gestalten: bei Verdacht ist unbedingt eine Abklärung mit rekombinanten Allergenen nötig, da positive Reaktionen gegen klinisch nicht relevante Kohlenhydratketten möglich sind und zu falsch positiven Ergebnissen führen können. Vor Operationen ist ein Patient mit Verdacht auf Latexallergie genau abzuklären!

Nicht zuletzt kann eine Mastozytose die Diagnostik komplizieren: die vermehrten Mastzellen können allergietypische Symptome bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen auslösen, obwohl keine Allergien nachweisbar sind. Mastozytosepatienten können beispielsweise nach Insektenstichen versterben – eine entsprechende Abklärung ist obligat. Bei klinischem Verdacht empfiehlt sich die Bestimmung der Serumtryptase, welche bei Mastozytose typischerweise erhöht ist.

Diagnostik bei Allergieverdacht

Aufgrund der Häufigkeit von allergischen Erkrankungen ist eine frühzeitige Allergiediagnostik bereits bei Allergieverdacht unumgänglich. Die Diagnostik besteht aus Anamnese, Hautpricktest, Bestimmung der spezifischen IgE-Antikörper im Blut, Lungenfunktion und mitunter spezifischer Allergenprovokation. Nur eine frühzeitige Diagnose kann zu adäquater Therapie führen.

 

Doz. Dr. Felix Wantke ist im Wilhelminenspital Wien, 2. Medizinische Abteilung/Lungenabteilung (E-Mail: ), sowie im Floridsdorfer Allergieambulatorium (www.faz@at), Wien, tätig.

Von Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 38 /2009

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