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Hepatologie 14. Dezember 2015

Probiotik für die Leber

Deutliche Besserung bei Lebenzirrhose

Die Leberzirrhose steht oft am Ende einer chronischen Lebererkrankung. Die Gabe eines Probiotikums kann die Leberfunktion von Leberzirrhose-Patienten entscheidend verbessern. Dies konnten Wissenschaftler der Medizinischen Universität Graz nun erstmals zeigen.

Die häufigste Ursache der Leberzirrhose in Europa ist neben dem chronischen Alkoholmissbrauch die chronische Virushepatitis. Da die Krankheit lange symptomfrei ist, wird sie häufig erst in einem späteren Stadium entdeckt. „Durch die Entzündung der Leberzellen kommt es zu einem narbigen Umbau der Leber und zu einer Funktionseinschränkung“, erklärt Dr. Vanessa Stadlbauer-Köllner, Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie der Med Uni Graz. Zu den zentralen Symptomen der Leberzirrhose zählen Leistungsminderung, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, die zunächst meist nicht der Leberschädigung zugeschrieben werden.

Immunabwehr, Darmbarriere und Darm-Mikrobiom profitieren

Wissenschaftler der Med Uni Graz um Stadlbauer-Köllner konnten nun eine deutliche gesundheitsfördernde Wirkung eines Probiotikum auf die Leberfunktion von Leberzirrhose-Patienten nachweisen. „In einer placebokontrollierten Studie verbesserte sich die Leberfunktion derjenigen, die das Multispezies-Probiotikum einnahmen, wesentlich“, fasst Stadlbauer-Köllner zusammen. In einem Zeitraum von sechs Monaten wurde 101 Patienten mit Leberzirrhose entweder zwei Mal täglich das Probiotikum oder ein Placebo verabreicht. Danach wurden die Patienten für weitere sechs Monate beobachtet.

„Neben der Leberfunktion wurden in der Studie auch die Immunabwehr, die Darmbarriere und die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms untersucht“, so Stadlbauer-Köllner. Insgesamt wurde eine ausgezeichnete Verträglichkeit des Probiotikums festgestellt. In der Probiotikagruppe beendeten alle bis auf einen Patienten die Studie, während in der Placebogruppe elf Patienten die Studienteilnahme abbrachen. „Dieser Umstand könnte ebenfalls auf eine Besserung des subjektiven Befindens durch das Probiotikum hinweisen“, so Vanessa Stadlbauer-Köllner.

Evalutierung der Lebensqualität als Forschungsziel

In einem nächsten Schritt wird nun der Mechanismus gesucht, auf dem die Besserung der Leberfunktion beruht. „Möglicherweise beeinflusst das Probiotikum die Zusammensetzung der Darmbakterien positiv oder verbessert die zu hohe Durchlässigkeit des Darms“, erklärt Stadlbauer-Köllner. Das könnte in weiterer Folge auch positive Auswirkungen auf das gesamte Immunsystem haben. Auch die Wirkung des Probiotikums auf die Lebensqualität von Patienten mit Leberzirrhose soll untersucht werden.

Die Studie wurde vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt und das Studienprodukt wurde gemeinsam mit dem Institut Allergosan aus Graz entwickelt.

Quelle: Presseaussendungen Medizinische Universität Graz und Institut Allergosan

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