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© Sebastian Schreiter / Springer Verlag
 
Hepatologie 7. Oktober 2013

Hepatitis C: Wann kommen neue Therapieoptionen?

Auf dem Weg zur interferonfreien Therapie.

In den vergangenen Monaten wurden mehrere neue Kombinationstherapien zur Behandlung der Hepatitis C vorgestellt, darunter auch die erste interferonfreie Therapie. Was leisten die neuen direkt antiviral wirkenden Substanzen?

Die HCV-Protease-Inhibitoren Boceprevir und Telaprevir sind die ersten direkt antiviralen Substanzen, die vor etwa zwei Jahren zur Behandlung der Hepatitis C auf den Markt kamen. Ihre Einführung bedeutete einen großen Fortschritt.

Nun stehen Protease-Inhibitoren der zweiten Generation vor der Zulassung, die wirksamer und verträglicher sein sollen, berichtete Prof. Dr. Thomas Berg von der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie an der Universitätsklinikum Leipzig im Rahmen der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) „Viszeralmedizin 2013“ in seinem Vortrag zum Ausblick auf neue Therapieoptionen bei Hepatitis C.

Protease-Inhibitoren der zweiten Generation

Dazu gehören zum Beispiel Simeprevir und Faldaprevir. Aufgrund der einmal täglichen Einnahme und der besseren Verträglichkeit werden sie die Therapie wesentlich vereinfachen, hofft Berg. Nebenwirkungen wie Anämie und schwere Hautreaktionen, die bei den Protease-Inhibitoren der ersten Generationen problematisch sind, wurden bei diesen Substanzen nicht beobachtet.

Beide Substanzen besitzen eine antivirale Aktivität gegenüber den HCV-Typen 1, 2, 4, 5 und 6, die Zulassung wird zunächst aber auf den HCV-Typ 1 beschränkt sein. In den Phase-III-Studien lagen die Heilungsraten bei etwa 80 Prozent.

Die Art der Anwendung wird ähnlich sein wie bei den bisherigen Triple-Therapien: eine responsegesteuerte Therapie, die in Kombination mit pegyliertem Interferon alpha und Ribavirin über zwölf Wochen verabreicht wird. Nach dem Absetzen des Protease-Inhibitors folgt eine Erhaltungstherapie bis Woche 24 oder 48. Die Zahl der Patienten, bei denen eine verkürzte Therapiedauer möglich ist, wird im Vergleich zu den älteren Protease-Inhibitoren deutlich steigen, weil fast 90 Prozent der Patienten eine rasche virologische Response erreichen, die Voraussetzung für die Therapieverkürzung ist.

Triple-Therapie mit Polymerase-Inhibitor

Ebenfalls als Triple-Therapie in Kombination mit pegyliertem Interferon alpha und Ribavirin kann der NSB5-Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir zum Einsatz kommen. Diese Substanz ist bei allen HCV-Genotypen gut wirksam. Vorteile sind auch hier die gute Verträglichkeit und die einmal tägliche Gabe. Hinzu kommt, dass bisher keine Resistenzentwicklung zu beobachten war. „Die Ergebnisse der Phase-III-Studien sind beeindruckend“, so Berg. Alle Patienten haben darauf angesprochen, die Heilungsraten liegen bei etwa 90 Prozent. Im Unterschied zu den Protease-Inhibitoren ist nach der zwölfwöchigen Therapie hier keine Erhaltungstherapie vorgesehen.

Schnelles Ansprechen auf interferonfreie Therapie

Die FISSION-Studie liefert die Daten für eine interferonfreie Therapie bei den HCV-Genotypen 2 und 3. Zum Vergleich standen die Kombinationen Sofosbuvir plus Ribavirin und pegyliertes Interferon plus Ribavirin. Dabei zeigte sich ein enorm schnelles Ansprechen: Bereits in Woche 4 lagen 99 Prozent der Patienten unter der Nachweisgrenze. Allerdings gab es im weiteren Verlauf eine erstaunlich hohe Zahl an Rezidiven, sodass die Heilungsraten in Woche 12 mit denen der interferonhaltigen Therapie vergleichbar waren. Auffallend war aber, dass die Wirksamkeit stark vom Genotyp abhängig war. Patienten mit HCV-Genotyp 2 profitierten von der Sofosbuvir-Kombination stärker als von der interferonhaltigen Therapie. Bei Patienten mit HCV-Genotyp 3 zeigte der Polymerase-Inhibitor dagegen eine wesentlich geringere Wirkung.

 

Quelle: 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) „Viszeralmedizin 2013“, 11. bis 14. September 2013, Nürnberg

springermedizin.de, Ärzte Woche 41/2013

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