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Hepatologie 12. Juni 2012

Lebererkrankung schädigt oft auch das Gehirn

Viele Menschen mit Leberzirrhose nicht fahrtüchtig

Bei Menschen mit chronischen Lebererkrankungen ist häufig die Fahrtüchtigkeit herabgesetzt, warnt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Da die Leber bei einer Zirrhose immer weniger in der Lage ist, die aus dem Darmstammenden Gift, wie Ammoniak und andere Substanzen aus dem Blut zu entfernen, gelangen diese in das Gehirn, wo sie zur hepatischen Enzephalopathie führen. Neueste Erkenntnisse aus der Hepatologie waren beim 118. Internistenkongresses der DGIM Mitte April in Wiesbaden, eines der Schmerpunktthemen

„Viele Patienten mit Leberzirrhose entwickeln eine hepatische Enzephalopathie“, erklärte Prof. Dr. med. Dieter Häussinger von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Der Beginn sei in der Regel schleichend. Anfangs sei die Konzentration gestört, die Aufmerksamkeit lasse nach, die Reaktionsfähigkeit nehme ab. Häufig ist auch die Feinmotorik gestört. Dies zeigt sich am starken Zittern der Hände. Bereits im Frühstadium ist bei vielen Patienten auch die Fahrtüchtigkeit herabgesetzt. „Unsere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit hepatischer Enzephalopathie häufiger Fahrfehler begehen als andere, jedoch kann im Einzelfall die Fahrtauglichkeit trotzdem erhalten sein“, erläuterte Häussinger: „Die hepatische Enzephalopathie ist für zahlreiche Verkehrsunfälle verantwortlich, auch wenn die Erkrankung in den Unfallstatistiken praktisch nicht auftaucht: Exakte Zahlen über Verkehrsunfälle von Leberkranken gibt es in Deutschland nicht.“ Leitlinien geben zwar für Erkrankungen wie Diabetes oder Epilepsie klare Regeln zur Teilnahme am Straßenverkehr. Leberzirrhosepatienten sind nach derzeitiger Gesetzeslage jedoch nur bei „Dekompensation mit Bauchwasserbildung“ fahruntüchtig. „Als Ärzte müssen wir dieses Problem wahrnehmen und den Patienten vermitteln, dass sie sich selbst und andere gefährden, wenn sie ihre Erkrankung ignorieren“, sagte DGIM-Präsident Prof. Dr. med. Joachim Mössner vom Universitätsklinikum Leipzig. Oft sehen Patienten dies jedoch nicht ein. Auch dies könnte Folge der schleichenden Hirnvergiftung sein, die häufig mit einer Wesensveränderung einhergeht.

„Wir raten Patienten dringend, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln. Eine effektive Therapie ist heute durch Laktulose und Antibiotika möglich“, so Mössner. Der synthetische Zweifachzucker begünstigt das Wachstum von Darmbakterien, die Milchsäure statt Ammoniak produzieren. Laktulose beschleunigt zudem die Darmpassage und führt zu einer sogenannten osmotischen Diarrhoe. Dadurch bessere sich der Schweregrad der Enzephalopathie. Bei akutem Eiweißanfall im Darm, etwa durch Blutungen, helfen auch Laktuloseeinläufe. „Diese wirken wahrscheinlich eher über das Hervorrufen der Diarrhoe als über Stimulation der Laktobazillen“, stellte Mössner fest. Ein Antibiotikum tötet schließlich die schädlichen Darmbakterien gezielt ab. Beide Mittel gelangen nicht vom Darm ins Blut. „Die Therapie kann“, so Mössner, „ohne größere Risiken über längere Zeit fortgesetzt werden. Eine frühe Therapie sei vor allem deshalb wichtig, weil die Hirnschäden oft nicht umkehrbar sind – und auch die Fahrtauglichkeit gehe dauerhaft verloren.

Quelle: Presseaussendung DGIM

Literatur

Gerald Kircheis, Anja Knoche, Norbert Hilger, Frank Manhart, Alfons Schnitzler, Horst Schulze, Dieter Häussinger. Hepatic Encephalopathy and Fitness to Drive. Gastroenterology. 2009; 137: 1706–15.e1-9;

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