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Hepatologie 20. Februar 2012

Hepatitis C heilen und Leberkrebs verhindern

Neue Therapie gegen Virus-Infektion Hepatitis C

Neue Medikamente gegen Hepatitis C vom Genotyp 1 könnten bis zu drei Viertel aller nicht vorbehandelten Patienten heilen. Die Heilungsrate steigt dadurch bei dieser Form um 30 Prozent, für viele Betroffene verkürzt sich die Therapie. Welchen Patienten diese Mittel helfen und mit welchen Nebenwirkungen sie rechnen müssen, diskutieren Ärzte auf dem gemeinsamen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), deren Sektion gastroenterologische Endoskopie und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) – „Viszeralmedizin 2011“ – Mitte September in Leipzig.

In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut etwa 500.000 Menschen mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert. Bei mehr als drei Viertel der Infizierten bewältigt die körpereigene Abwehr das Virus nicht und Hepatitis C nimmt eine chronische Form an. Diese geht bei 20 Prozent der Betroffenen mit einer Leberzirrhose einher. Bei etwa einem Drittel der Patienten entwickelt sich nach 20 bis 30 Jahren Leberzellkrebs.

Je jünger die Patienten sind und je früher eine Therapie einsetzt, desto erfolgreicher wirkt sie. Vielfach bricht die Krankheit jedoch unbemerkt aus. „Lässt sich das Virus über mehr als ein halbes Jahr nachweisen, gehen wir von einem chronischen Verlauf aus“, stellte DGVS-Kongresspräsident Prof. Dr. med. Peter Malfertheiner aus Magdeburg fest. Neue Medikamente lassen jetzt hoffen: „2011 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem sich nach einem Jahrzehnt eine neue Standardtherapie gegen Hepatitis C des Genotyp 1 etabliert“, ergänzte Prof. Dr. med. Michael Manns, Hannover. Bislang kombinierten Ärzte zwei Wirkstoffe. Hinzu kommen jetzt als drittes die Proteaseinhibitoren. „Die Tripletherapie aus Interferon alpha, Ribavirin und einem der Proteaseinhibitoren Boceprevir oder Telaprevir heilt bis zu drei Viertel der nicht vorbehandelten Patienten“, so Manns. Bei vielen Patienten verkürzt die Dreierkombination zudem die Dauer der Therapie von 48 auf 24 beziehungsweise 28 Wochen.

Trotz dieser offenbaren Vorteile erfordert die neue Therapie auch ein besonderes Nebenwirkungsmanagement, so die beiden Stoffwechselmediziner. Denn die Proteaseinhibitoren verstärken die Anämie – das Blut transportiert weniger Sauerstoff, die Betroffenen sind weniger belastbar. Mitunter ist auch der Geschmackssinn gestört und die Haut verändert sich. „Im Wesentlichen ist das Nebenwirkungsprofil jedoch bestimmt von pegyliertem Interferon und Ribavirin“, sagte Manns.

Die neue Hepatitis C Triple-Therapie gilt nur für HCV-Genotyp 1, nicht für andere HCV. Noch fehlt es auch an wirksamen Methoden für bisher schwierig zu behandelnde Patienten: Menschen mit Hepatitis C und HIV, Transplantations- und Dialysepatienten. Forscher arbeiten deshalb unter anderem an neuen Proteaseinhibitoren. Diese versprechen nebenwirkungsärmer zu sein und Patienten müssen sie täglich ein- statt dreimal einnehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO macht auf die dramatische Situation bezüglich Hepatitis C-Infektionen aufmerksam: Weltweit etwa 170 Millionen HCV-Infizierten stehen rund 33 Millionen HIV-Infizierte gegenüber. Nur jeder vierte Erkrankte wird rechtzeitig erkannt. „So kann sich eine im Akutstadium gut heilbare Krankheit zur tödlichen Bedrohung für jeden Infizierten entwickeln“, betonte Manns. Neben einer frühen Diagnose sei eine qualifizierte Behandlung durch Spezialisten wichtig. Denn noch immer bliebe zu häufig selbst eine erkannte Hepatitis unbehandelt.

Quelle: Presseinformation „Viszeralmedizin 2011“

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