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Hepatologie 27. Juli 2011

Trotz bester Therapie weltweit mehr Todesfälle

Schwerpunkt zum Welt-Hepatitis-Tag: Die Behandlung von chronischer Hepatitis B und C hat sich in den vergangenen zehn Jahren wesentlich verbessert. Obwohl die Therapien der Viruserkrankungen heute die höchst mögliche Effizienz erreicht haben, sterben tragischerweise mehr Menschen denn je an den Auswirkungen des unbehandelten Spätstadiums. Größte Hürde ist der Test und hier ist der Arzt gefordert. Denn nur wenn die Erkrankung bekannt ist, kann die chronische Hepatitis B kontrollierbar und im Falle der Virushepatitis C sogar geheilt werden.

Erhöhte Werte unbedingt abklären

"In vielen Fällen wird die Infektion als Nebenbefund im Rahmen einer Blutabnahme entdeckt. Erhöhte Leberwerte sollten vom Hausarzt nicht vorschnell auf einen erhöhten Alkoholkonsum geschoben, sondern selbst bei undramatischer Erhöhung um das Zwei- bis Dreifache des oberen Normwertes mittels Hepatitis-Serologie abgeklärt werden." Der Appell von Prof. Dr. Petra Munda der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, AKH Wien ist klar.

Spezifische Virusdiagnostik

Die Untersuchung auf Hepatitis A-, B- und C-Antikörper ist einfach und kostengünstig durchführbar. Ist der Nachweistest positiv, sollte vom behandelnden Arzt eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) angefordert werden, sie stellt den direkten Virusnachweis dar und ist somit beweisend für die Infektion. Liefert diese Untersuchung ein positives Ergebnis, sollte der Patient an eine spezialisierte Krankenhausabteilung überwiesen werden, wo eine noch spezifischere Virusdiagnostik möglich ist.

Die Erstdiagnose einer Virushepatitis C wird sowohl bei jungen Menschen (häufig mit bzw. nach einer Drogenkarriere) gestellt, als auch bei älteren Menschen (z.B. wenn sie in der Vergangenheit, d.h. vor 1990, eine Blutkonserve erhalten haben), die häufiger bereits unter einem weiter fortgeschrittenen Stadium (Leberzirrhose) leiden. "Die Prognose von Hepatitis C kann durch eine Kombination der Standardbehandlung aus pegyliertem Interferon und Ribavirin mit innovativen Therapieoptionen wie dem neuen Proteaseinhibitor Boceprevir weiter verbessert werden", betont Prof. Dr. Munda.

Betroffene meist ahnungslos

Im Rahmen des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli 2011 soll die Öffentlichkeit – inklusive Politiker und nationale Interessensgruppen – hinsichtlich des Problems verstärkt sensibilisiert und eine Verbesserung der Prävention, der Untersuchung und des Zugangs zur Behandlung weltweit eingefordert werden. Die Betroffenen sind jedoch meist ahnungslos, wissen nichts von ihrer Infektion, da diese häufig klinisch inapparent verläuft.

Nur fünf bis 10 Prozent entwickeln eine Gelbsucht. Unbehandelt entwickeln 20 bis 25 Prozent der Patienten eine Leberzirrhose und –krebs. In diesen Fällen kann als therapeutische Maßnahme nur mehr eine Lebertransplantation helfen.

Gütesiegel für Fußpflege, Permanent Make-up und Tätowierer

Das Gütesiegel der Hepatitis Hilfe Österreich Waren vor den 1990iger Jahren vor allem verabreichte Blutkonserven Ursache einer Hepatitis C Infektion, sind Neuinfektionen heute vor allem auf Drogenmissbrauch (etwa 70 Prozent) aber auch auf unsachgemäßes Pigmentieren (Permanent Make-Up und Tätowieren) sowie Piercen und eine Übertragung bei der Fußpflege zurückzuführen.

Daher hat die Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ), eine der größten gemeinnützigen Patientenorganisationen in Österreich, ein Gütesiegel initiiert und vergibt dieses an Gewerbefachbetriebe, die entsprechend den Vorgaben ihren Betrieb nach bestimmten Qualitätskriterien führen.

Hepatitis B Tests für Risikogruppen

Die Deutsche Leberhilfe (DLH) plädiert für Hepatitis-B-Tests für Migranten. Denn eine halbe Million Menschen in Deutschland haben eine Hepatitis B. Zwei Drittel davon sind Migranten. Sie stammen aus der Türkei, Asien, der ehemaligen Sowjetunion, Afrika und den Mittelmeerländern. Dort ist die HBV-Prävalenz hoch.

"Diese Menschen müssen nur ein einziges Mal auf HBV getestet werden", sagt Professor Claus Niederau im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ zum Welt-Hepatitis-Tag. Der Hepatitis-B-Test habe einen doppelten Nutzen, betont der Hepatologe aus Oberhausen: Zwar ist die chronische Hepatitis B nicht heilbar, sie lässt sich aber gut behandeln. Mit einer Therapie können die gefürchteten Spätfolgen Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom verhindert werden.

Transmissionsrisiko minimieren

Zudem ist die Hepatitis B übertragbar. Hier ist das Risiko von der Virusmenge abhängig. Wenig Viren durch Therapie bedeuten ein geringes Transmissionsrisiko. Zusätzlich kann eine Impfung das familiäre Umfeld weiter schützen. Niederau weist daraufhin, dass es eine größere Gruppe von Patienten gibt, die trotz Hepatitis B keine erhöhten Leberwerte haben. Auch das gelte besonders für Migranten.

Situation in Österreich

"In Österreich ist die Situation vergleichbar", bestätigt Angelika Widhalm, Vorsitzende des Vereins Hepatitis Hilfe Österreich. Trotzdem will sie die Diskussion hierzulande aufgrund der möglichen Diskriminierung so nicht führen.

Sie sieht Menschen mit Migrationshintergrund als nur eine der Risikogruppen, mit einem besonderen Aspekt: "Das Problem ist, wir erreichen sie nicht." Deshalb will die Selbsthilfegruppe genau hier vermehrt mit Aufklärung und Information unwissende Asylwerber zu Impfung und Therapie bringen. Sind diese allerdings nicht versichert, hilft die beste Kampagne nicht.

Links

Neue Therapieoptionen bei Hepatitis C
Hepatitis B Konsensus zum kostenfreien Download (für registrierte User)

FH/AN/hub, ÄrzteZeitung

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