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Foto: Jupiterimages / Hemera Technologies / photos.com
Österreicher trinken noch mehr puren Alkohol als die deutschen Nachbarn. Sie bevorzugen Wein, in Deutschland wird mehr Schnaps getrunken, der Bierkonsum ist gleich. Für beide Länder gilt aber: Es wird zu viel Alkohol konsumiert.
 
Hepatologie 8. März 2011

Weinseligkeit und Bierdurst haben ihren Preis

Der Konsum von alkoholischen Getränken ist in ganz Europa sehr hoch. Österreich nimmt unter den EU-Ländern einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. Die Folge sind Rekordzahlen bei alkoholbedingten Lebererkrankungen.

Der Durst auf Alkohol scheint keine Grenzen zu kennen. Ein vor Kurzem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichter fast 400 Seiten langer Bericht zeigt eine bedenkliche Entwicklung auf. In der Europa-Region der WHO wird weltweit am meisten getrunken – im Durchschnitt 9,24 reiner Alkohol pro Jahr. Aus diesen Konsumgewohnheiten ergibt sich global gesehen auch die höchste Rate von Morbidität und Mortalität, die sich auf Alkohol zurückführen lässt. Die WHO ruft deshalb zu vermehrten Anstrengungen seitens der Politik auf, den Konsum von alkoholhältigen Getränken einzuschränken.

Im Europäischen Sachstandsbericht Alkohol und Gesundheit 2010 werden die neuesten Daten aus der Europäischen Region der WHO über Alkoholkonsum und dadurch bedingte Schäden sowie die in den Ländern ergriffenen Gegenmaßnahmen präsentiert. Neben einer Zusammenfassung der Situation in der gesamten Region wurden auch Profile der 53 Mitgliedstaaten erstellt.

Erwachsene Österreicher belegen mit ihrem Alkoholkonsum den wenig rühmlichen sechsten Platz – an der Spitze liegt Estland vor der Tschechischen Republik, Irland und Frankreich – und liegt damit noch vor den deutschen Nachbarn. 13,2 Liter purer Alkohol rinnt dem erwachsenen Durchschnittsösterreicher durch die Kehle. Das ist doppelt so viel wie der weltweite mittlere Prokopfverbrauch. Der Europäer spricht generell mehr dem Alkohole zu und trinkt 12,2 Liter reinen Alkohols (siehe Grafik 2). Die als trinkfreudig geltenden Deutschen liegen da mit 12,8 Litern pro Jahr darunter. Der Bierkonsum ist gleich, Österreicher konsumieren den Alkohol zu 32 Prozent mit dem Wein (siehe Grafik 1) und zu 13 Prozent über härtere Getränke (Deutschland 20 Prozent).

Morbidität und Mortalität

Diese Mengen haben Folgen. Mehr als jeder zehnte verstorbene junge Erwachsene hat sich zu Tode getrunken: In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen ist Alkohol für neun Prozent der Todesfälle verantwortlich, heißt es im WHO-Report zur globalen Situation von Alkohol und Gesundheit. Wobei Männer deutlich häufiger von alkoholinduzierten Störungen betroffen sind als Frauen. Bei den 15- bis 64-Jährigen sind pro 100.000 Menschen 6.214,6 Österreicher und 1.648,8 Österreicherinnen davon betroffen.

Insgesamt führt die WHO jährlich 2,5 Millionen Todesfälle weltweit auf Alkoholkonsum zurück. Das entspreche rund vier Prozent aller weltweiten Todesfälle, so die WHO in dem Report. Die meisten dieser Menschen sterben durch alkoholbedingte Unfälle, aber auch infolge von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Leberzirrhose. Dabei gibt es deutliche Unterschiede bei den Geschlechtern. Führt die WHO 6,2 Prozent der Todesfälle bei Männern auf Alkohol zurück, sind es bei Frauen nur 1,1 Prozent. In Russland und den Nachbarländern stirbt sogar jeder fünfte Mann an den Folgen des Alkoholkonsums.

Lebererkrankungen

Einen wesentlichen Anteil an der Morbidität haben alkoholbedingte Lebererkrankungen. Weltweit gab es 373.000 Todesfälle durch Leberzirrhose im Jahr 2004; nach Unfallverletzungen (1. Platz), Krebs (2. Platz) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (3. Platz) nimmt sie damit mit alkoholbedingten Todesursachen den 4. Platz ein. Die Zahlen in Europa sind wahrscheinlich noch höher, denn Lebererkrankungen machen derzeit den Großteil der Belastungen durch alkoholbedingte Erkrankungen in Ländern wie Portugal aus. Daten aus dem European Liver Transplantation Registry bestätigen die Belastungen durch alkoholbedingte terminale Lebererkrankungen oder Leberkrebs: Im Zeitraum von 1996 bis 2005 war Alkohol für 42 Prozent der Lebertransplantationen verantwortlich.

Dagegen steuern

Im Mai 2010 haben die WHO-Mitgliedstaaten eine Strategie gebilligt, gesundheitsgefährdenden Alkoholkonsum zu bekämpfen. Dazu gehört eine Besteuerung, die den Zugang zu Alkohol erschweren soll. Außerdem soll die Zahl möglicher Verkaufsstellen deutlich reduziert werden. Nicht zuletzt steht die Regulation oder ein Verbot der Alkoholwerbung auf der Agenda.

 

Quellen:

Presseinformation der United European Gastrology Federation

Europäischer Sachstandsbericht „Alkohol und Gesundheit 2010“

Download des Berichts in englischer Sprache: „European Status Report on Alcohol and Health 2010“ http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0004/128065/ e94533.pdf

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