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Hepatologie 27. April 2010

Überleben mit Alkoholleber

Zwei Studien, die am EASL-Kongress vorgestellt worden sind, betreffen die schwere und die akute alkoholische Hepatitis.

Prof. Dr. Philippe Mathurin vom Hôpital Huriez in Lille, Frankreich, berichtete von den Bemühungen, die Überlebensraten von Patienten mit alkoholischer Hepatitis zu verbessern.

 

Die erste Studie1 belegte das positive Potenzial einer früheren Lebertransplantation für Patienten, die an schwerer alkoholischer Hepatitis leiden. In der Regel gilt für Patienten ein halbes Jahr Alkoholabstinenz als Bedingung, um für eine Lebertransplantation in Frage zu kommen.

Frühere Transplantation

Von den Patienten, die auf eine Steroidtherapie nicht ansprechen, leben nach einem halben Jahr allerdings nur noch rund 30 Prozent. Die meisten Betroffenen sterben innerhalb von zwei Monaten (Louvet, A. et al.: Hepatology 2007; 45: 1348-54). Eine frühe Lebertransplantation ist der logische, aber kontroversiell diskutierte Ausweg, denn in der Regel wird von den Patienten eine vorausgehende sechsmonatige Alkoholabstinenz gefordert.

In der Studie galten für frühe Lebertransplantationen folgende Kriterien: Absolute Zustimmung des medizinischen Personals, keine Komorbiditäten und Unterstützung der Familie. Insgesamt erhielten 20 Patienten ein Transplantat. Die Überlebensrate war nach einem Jahr bei diesen Patienten signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Vier von fünf Transplantierten starben an Aspergillose. In der Kontrollgruppe starben 90 Prozent innerhalb von zwei Monaten. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen. Eine Kontraindikation für eine Lebertransplantation ist die akute alkoholische Hepatitis. Diese Patienten haben eine sehr niedrige Überlebensrate, mit einer Mortalität bei rund 35 Prozent nach sechs Monaten trotz Kortikoidtherapie (Lucey, M. et al.: New England Journal of Medicine 2009; 360: 2758-69 ).

Kombination von Vorteil

Die zweite Studie2, die am Kongress präsentiert worden ist, wird helfen, eine potenzielle neue Behandlungsoption für diejenigen Patienten, die nicht auf die Kortikoidtherapie ansprechen, zu bilden. Die Daten zeigen, dass eine kombinierte Therapie mit Kortikoiden und Nacetylcystein (C+NAC) die Überlebensraten verbesserte. Hinweise bestanden bereits, dass Nacetyl-cystein die Progression der Lebererkrankung verlangsamen könnte. Die neue Studie bestätigt die Vorteile der kombinierten C-NAC-Therapie bei Patienten mit einer akuten Erkrankung. Die Physiopathologie der akuten alkoholischen Hepatitis kombiniert oxidativen Stress mit erhöhten TNF-alpha-Werten. Der Ansatz der Studie war, das eine C-NAC-Kombination dies ausgleichen könnte. 174 Patienten in 11 Zentren in Frankreich wurden auf C-NAC-Therapie oder Kortikoidtherapie randomisiert. Erhoben wurde das Überleben in Monat 1, 2, 3 und 6 sowie Komplikationen im Zuge der Behandlung und Veränderungen des Bilirubins an Tag 7 und 14. Die Sterberate war in Monat 1 für die C+NAC-Gruppe signifikant höher. Die Überlebensrate war nach zwei und sechs Monaten in dieser Gruppe höher. Die Probanden hatten in diesen Monaten geringere Infektionen und hepatorenale Syndrome.

 

1 Castel et al. Early transplantation improved survival of non-responders to corticosteroids in severe alcoholic hepatitis: a challenge of the 6 month rule of abstinence. EASL International Liver CongressTM 2010

 

2 Nguyen-Khac et al. Treatment of severe Acute Alcoholic Hepatitis (AAH) with Corticoids plus N-Acetyl Cysteine (C+NAC) versus Corticoid alone (C): a multicenter, randomized control trial. EASL International Liver CongressTM 2010 .

 

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EASL- International Liver Congress 2010

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