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Hämatologie 3. April 2008

Forscher spüren Variante des Blutfarbstoffs auf

Hämoglobin ändert bei Beladung seine Farbe – normalerweise. Auf diesem Umstand beruht die Funktionsweise gebräuchlicher Pulsoximeter. Bonner Wissenschaftler haben jetzt eine neue Hämoglobin-Variante entdeckt und lokalpatriotiotisch nach ihrer Heimatstadt benannt, die selbst in voll beladenem Zustand optisch so aussieht, als ob sie nur wenig Sauerstoff transportieren würde. Messungen des Blutsauerstoffs liefern daher ein ähnliches Bild, als würden die Betroffenen unter einem angeborenen Herzfehler leiden. Nach Untersuchung zweier Patienten verstehen die Forscher nun aber, dass die neue Hämoglobinvariante die Sauerstoffmessung verfälscht. Die Wissenschaftler berichten über ihre Entdeckung in Clinical Chemistry (2008 54: 594-596).

Hämoglobin transportiert Sauerstoff zu den Körperzellen und nimmt dort im Gegenzug Kohlendioxid auf. Dabei ändert es seine Farbe. Mit einem Pulsoximeter kann man daher messen, ob im Blut genügend Sauerstoff vorhanden ist. Ursache eines Sauerstoffmangels kann beispielsweise ein angeborener Herzfehler sein.

So lautete auch der Verdacht bei einem 4-jährigen Jungen, der in die Kinderklinik des Universitätsklinikums Bonn eingeliefert wurde. Nach ausführlicher Untersuchung fanden die Ärzte um Dr. Andreas Hornung jedoch keinen Herzfehler. Auch bei dem 41-jährigen Vater des Jungen war zuvor bereits eine niedrige Sauerstoffsättigung im Blut festgestellt worden – ebenfalls, ohne dass man einen Herzfehler festgestellt hatte.
Dr. Berndt Zur vom Institut für Klinische Chemie und Pharmakologie untersuchte daraufhin das Hämoglobin des Jungen und des Vaters und entdeckte schließlich, dass es sich um eine neue Variante des Blutfarbstoffs handelte.

„Das Pulsoximeter wird als Clip auf einen Finger gesetzt und durchleuchtet ihn mit Infrarotstrahlung“, erklärt er. „Unbeladenes Hämoglobin schluckt Infrarotlicht. Je geringer der Sauerstoffgehalt des Blutes, desto weniger Licht durchdringt den Finger und kommt beim Sensor des Oximeters an.“

Das sogenannte Hämoglobin Bonn absorbiert aber auch im beladenen Zustand etwas mehr Infrarotlicht als normales sauerstoffgesättigtes Hämoglobin. „Deshalb haben wir zuerst nicht verstanden, warum die Patienten keine besonderen gesundheitlichen Probleme hatten“, sagt Zur.

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