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Hämatologie 5. Juni 2008

Komplikationen bei jugendlichen Blutspendern

Da der Bedarf an Blutspenden steigt, die Auswahlkriterien dafür aber immer strenger werden, hat man in vielen Staaten der USA die Möglichkeit geschaffen, schon 16 und 17Jährige als Spender zuzulassen, um Engpässe zu verhindern. Eine Studie weist nun aber nach, dass die Komplikationsrate bei Jugendlichen signifikant höher ist. Seit in den USA, vor allem in Schulen, Blutspenden von 16 und 17Jährigen gesammelt werden, ist ihr Anteil an der Gesamtmenge auf 14,5 Prozent angestiegen.
Begehrt sind sie, weil sie den Auswahlkriterien häufiger entsprechen: Die Jugendlichen sind insgesamt gesünder und in ihrem Blut sind seltener Krankheitserreger zu finden. Eine Studie von Dr. Anne F. Eder und ihrem Team vom Amerikanischen Roten Kreuz, die in der Fachzeitschrift JAMA (2008;299(19): 22792286) publiziert worden ist, zeigt nun aber die Arten und Anzahl der Komplikationen, die in verschiedenen Altersgruppen (16 bis 17 Jahre, 18 bis 19 Jahre, ab 20 Jahre) nach dem Blutspenden aufgetreten sind, auf. Es wurden dafür Daten von neun Zentren des Amerikanischen Roten Kreuzes aus dem Jahr 2006 ausgewertet.
Insgesamt kam es bei 10,7 Prozent (15.632) der 16 bis 17Jährigen danach zu gesundheitlichen Problemen. Im Vergleich dazu waren es bei den 18 bis 19Jährigen noch 8,3 Prozent (9.359) und bei den über 20Jährigen nur noch 2.8 Prozent (42.987). Es zeigte sich, dass die unter 18Jährigen signifikant häufiger unmittelbar nach dem Blutspenden bewusstlos wurden oder andere Komplikationen erlitten. Diese reichten von Schweißausbrüchen, Blässe oder Schwindelanfällen bis hin zu Bewusstlosigkeit, die in manchen Fällen sogar zu ernsthaften Verletzungen führte, die medizinisch versorgt werden mussten: Es kam zu Gehirnerschütterungen, Platzwunden, Zahnverletzungen und zu einem Kieferbruch.
Problematisch sind nicht nur die akuten Zwischenfälle an sich: Nachdem Komplikationen aufgetreten sind, und seien es auch leichtere, sinkt die Bereitschaft der Betroffenen, zu einem späteren Zeitpunkt erneut Blut zu spenden. Während von den 16Jährigen, die nach dem Blutspenden keine Komplikationen erlitten hatten, im folgenden Jahr 73 Prozent wiederkamen, waren es bei denjenigen, die schlechte Erfahrungen gemacht hatten, nur noch 52 Prozent. In Österreich ist Blutspenden ab 18 Jahren erlaubt.

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