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Hämatologie 19. Februar 2013

Reißender Schmerz

So verliert die Biopsie ihren Schrecken.

Berechtigt oder nicht – die Knochenmarkbiopsie wird von vielen Patienten gefürchtet. Polnische Forscher haben jetzt ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem sich nicht nur die Angst, sondern auch die Schmerzen reduzieren lassen.

Eine Knochenmarkbiopsie ist ein Routineeingriff mit geringer Komplikationsrate, trotzdem wird sie von Patienten gefürchtet. Meist nur mit leichten bis mäßigen Schmerzen verbunden, können diese jedoch als sehr stark empfunden werden, z. B. wenn sich Schwierigkeiten beim Zugang ergeben.

Allerdings kann gerade die ruckartige Aspiration des Knochenmarks einen „reißenden Schmerz“ verursachen. Um der Prozedur den Schrecken zu nehmen, schlagen polnische Wissenschaftler jetzt ein Maßnahmenbündel vor, die sich in Studien bewährt haben (Annals of Hematology 2013; 92(2): 145).

An erster Stelle steht laut Nikolaj Hjortholm und Kollegen die sorgfältige Aufklärung: Ehrliche Aussagen schaffen Vertrauen. Eine genaue und leicht verständliche Beschreibung der Abläufe nehme dem Patienten die Angst vor dem Eingriff.

Eine negative Erwartungshaltung hatte in zwei Studien erheblichen Einfluss auf das Risiko, beim Folgeeingriff „unerträgliche“ Schmerzen zu empfinden.

Vor allem wenn es sich für den Patienten um die erste Knochenmarkbiopsie handelt, sollte daher ein erfahrener Kollege ans Werk. Dieser erledigt den Eingriff in kürzerer Zeit und kann technische Probleme besser meistern. Dies hatte in der Literatur auch Einfluss auf die Schmerzen: Zog sich die Prozedur nicht länger als zehn Minuten hin, gaben die Probanden auf einer visuellen Analogskala deutlich weniger Schmerzen an.

Patienten, die schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben, könne man eine Sedierung anbieten, so die Forscher. Wirkstoffe wie Lorazepam, Midazolam oder Diazepam reduzieren nicht nur Schmerzwahrnehmung und Angst, sondern bewirken auch eine retrograde Amnesie. Allerdings erfordert die Sedierung einen längeren Aufenthalt in der Klinik sowie entsprechendes Personal. Zudem müsse man das Risiko von Nebenwirkungen bedenken.

Wer zu besonders starkem Schmerzempfinden neigt, profitiert am ehesten von einem zentral wirksamen Opioid, dies verringert vor allem den Schmerz während der Aspirationsphase. Hjortholm et al. empfehlen dabei Tramadol, da es keine kardiovaskulären und respiratorischen Nebenwirkungen hat.

Neues Webtool für Ärzte

Für Kollegen gibt es jetzt ein Internet-Tool zum schmerzarmen Biopsieren: Die Website www.painlessbiopsy.wordpress.com bietet neben Lehrmaterial auch die Möglichkeit, an einer „Challenge“ teilzunehmen und das eigene Können bewerten zu lassen, Ideen einzubringen und sich mit erfahrenen Kollegen auszutauschen.

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