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Hämatologie 29. Juni 2012

Einfluss von PPSB-Konzentraten auf die Gerinnselbildung im Point-of-Care Gerinnungsmonitoring

Hintergrund 
Prothrombinkomplex-Konzentrate (PPSB) werden zur Behandlung von kongenitalem oder erworbenem Mangel an Gerinnungsfaktoren benutzt. Bei größeren Blutungen durch neue orale Antikoagulantien wird der Einsatz von PPSB diskutiert. Die meisten PPSB-Präparate enthalten Heparin zur Prävention von thromboembolischen Ereignissen. Takeyama et al. beobachteten in Faktor VIII- und XI-defizientem Plasma in vitro einen Heparineffekt von PPSB-Präparaten unter üblichen Substitutions-Dosierungen. Ziel der vorliegenden Studie war es den Heparineffekt von 4-Faktoren PPSB-Präparaten in klinisch relevanten Dosierungen im Vollblut zu untersuchen. In vitro verglichen wir, wie schon Takeyama, ein PPSB-Präparat mit einem hohen Heparin-Gehalt mit einem neuen Heparin-freien.

Methode 
Nach positivem Votum der Ethikkommission und schriftlicher Einwilligung wurde Zitrat-Vollblut von zehn gesunden Probanden abgenommen. Wir untersuchten das Heparin-haltige Prothromplex Total® und das Heparin-freie Cofact® bei Konzentrationen von 0.31, 0.63 und 1.25 IU/ml. Vergleichsproben wurde Protamin (1:1 Heparin:Protamin) zugesetzt. Wir benutzten den NATEM-Test des Rotations-Thrombelastometers ROTEM®.

Ergebnisse 
Mit dem Heparin-haltigen PPSB zeigte sich eine signifikante konzentrationsabhängige Verlängerung der CT und CFT, selbst bei der niedrigsten Konzentration. Auch die MCF war signifikant reduziert. Durch Protamin konnte der Heparin-Effekt aufgehoben werden. Das Heparin-freie PPSB zeigte weder eine Beeinflussung der Initationsphase der Gerinnung noch eine gesteigerte Thrombinformation bei unverändertem Alpha-Winkel.

Schlussfolgerung 
Unsere Ergebnisse erweitern die Beobachtung von Takeyama et al. Bei klinisch relevanten Dosierungen von PPSB zeigte sich ein signifikanter Heparin-Effekt in der Thrombelastometrie. Daher sollte der Heparin-Gehalt von PPSB-Präparaten in der klinischen Routine beachtet werden.

Ass.-Prof. Gisela Scharbert, Ulrich Thaler, Christoph Weilnböck, Léonore Wetzel, Sibylle Kozek-Langenecker, Wiener klinische Wochenschrift 9/10/2012

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