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Prim. Univ. Doz. Dr. Michael A. Fridrik Innere Medizin 3, Zentrum für Hämatologie und medizinische Onkologie, AKH-Linz
 
Hämatologie 20. Februar 2012

Aussicht auf Schonung des Herzens

Nicht-pegyliertes Liposomal verkapseltes Doxorubicin bei diffusem großzelligem B-Zelllymphom

Interview mit Prim. Univ. Doz. Dr. Michael A. Fridrik, Innere Medizin 3, Zentrum für Hämatologie und medizinische Onkologie, AKH-Linz

Die Lebenserwartung bei hochmalignen Lymphomen wie dem diffusen großzelligen B-Zelllymphom steigt, in vielen Fälle ist eine Heilung möglich, damit gewinnt auch das Nebenwirkungsprofil der Medikamente an Bedeutung – wie sieht dies in der Praxis aus?

Fridrik: Zu unterscheiden sind die unmittelbaren Nebenwirkungen, die während oder in den Wochen nach der Chemotherapie auftreten, und die Langzeitschäden, welche erst Jahre nach Ende der Therapie manifest werden. Letztere sind in erster Linie für die geheilten Patienten von Bedeutung.

Welche Nebenwirkungen der Standardtherapie haben welche Relevanz?

Fridrik: Langzeitschäden im Knochenmark, welche zu myelodysplastischen Syndromen oder Leukämien führen können. Zweitkarzinome, Lungenschäden, Herzinsuffizienz, Herzvitien, koronare Herzerkrankung und Hypothyreose sind die häufigsten und abhängig von der durchgeführten Therapie gegen das Lymphom.

Wie hoch ist die Kardiotoxizität von Doxorubicin?

Fridrik: Die Anthracyclintoxizität ist dosisabhängig. Nach 8 x Doxorubicin 50 mg/qm wurde für ältere herzgesunde Patienten bei 47 Prozent eine klinisch manifeste Toxizität beschrieben. Bei drei bis neun Prozent dieser Patienten tritt eine schwere Herzschwäche auf.

Gibt es Risikogruppen?

Fridrik: Patienten mit bereits vorbestehenden Herzerkrankungen haben ein höheres Risiko und haben demnach auch eine relative Kontraindikation gegen Doxorubicin.

Wie häufig sind Patienten mit DLBCL bereits herzgeschädigt?

Fridrik: Klinisch gering symptomatische Herzprobleme sind in der Altersgruppe der diffus großzelligen Lymphome nicht ungewöhnlich. Herzinsuffizienzen mit stärkeren Symptomen sind bei etwa zehn bis 15 Prozent bei Diagnose vorhanden.

Wie ist man bisher damit umgegangen?

Fridrik: Patienten mit geringen Symptomen werden auf Grund der vitalen Indikation mit Doxorubicin behandelt. Die Herzfunktion wird aber während der Therapie genau überwacht. Bei symptomatischen Herzerkrankungen wurde entweder mit einem anthracyclinfreien Chemotherapieschema behandelt oder auf liposomales Doxorubicin ausgewichen.

Welche Vorteile hat nicht-pegyliertes Liposomal verkapseltes Doxorubicin?

Fridrik: Bei bereits herzinsuffizienten Patienten kann die Verschlechterung der Herzinsuffizienz vermieden werden. Allerdings liegen keine Langzeitdaten nach zehn oder 20 Jahren vor. Für herzgesunde Patienten ist ein Langzeiteffekt zu erhoffen, aber noch nicht nachgewiesen. Interessanterweise konnten wir auch eine geringere Infektrate in der mit liposomalen Doxorubicin behandelten Gruppe feststellen.

Die Wirkung von Doxorubicin ist dosisabhängig – welche Folgen haben die Nebenwirkungen bzw. sind auch die Nebenwirkungen dosisabhängig?

Fridrik: Man geht davon aus, dass eine Myokardschädigung bei jeder Doxorubicindosis auftritt, das Risiko einer manifesten Herzinsuffizienz steigt mit der Dosis. Es wird empfohlen eine kumulative Dosis von 450 mg/qm nicht zu überschreiten. Das sind in der Regel neun Einzeldosen.

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