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Abb. 1: Anstieg NT-proBNP im R-CHOP Arm versus R-COMP Arm.
 
Hämatologie 20. Februar 2012

Relevanz von Langzeittoxizitäten steigt

Gute Heilungserfolge beim diffusen großzelligen B-Zell Lymphom ändern den Blickwinkel

Das Kombinationstherapieregime R-CHOP hat die Ergebnisse beim diffusen großzelligen B-Zell Lymphom wesentlich verbessert. Aspekte der Langzeittoxizität gewinnen daher im Licht gesteigerter Heilungsraten an Bedeutung. Einen neuen Therapieansatz stellt der Ersatz von Doxorubicin durch nicht-pegyliertes liposomales Doxorubicin dar. Die österreichische Arbeitsgruppe um Doz. Dr. Michael Fridrik untersuchte Unterschiede in den Regimen hinsichtlich ihrer Kardiotoxizität. Patienten, die nicht-pegyliertes liposomales Doxorubicin erhielten, wiesen, bei gleich hoher Wirkung der Therapie, eine höhere linksventrikuläre Auswurfrate auf als jene mit konventionellem Doxorubicin. Die Ergebnisse wurden Ende vergangenen Jahres beim Jahrestreffen der American Society of Hematology in San Diego präsentiert.

Mit der Kombinationstherapie aus Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon (R-CHOP) gelang es in den vergangenen Jahren hohe Heilungsraten bei Patienten mit diffusem großzelligen B-Zell Lymphom (DLBCL) zu erzielen. Damit steigt die Relevanz von langwirksamen Toxizitäten der Therapie. Vor allem für Doxorubicin wurde – dosisabhängig – ein erhöhtes kardiotoxisches Profil festgestellt. Fridrik et al. versuchten nun die Kardiotoxizität von R-CHOP durch den Ersatz von konventionellem Doxorubicin durch nicht-pegyliertes liposomales Doxorubicin im R-COMP-Regime zu reduzieren.

Verglichen wurden 40 Patienten im R-COMP-Regime mit 39 Patienten im R-CHOP-Regime in einer prospektiven randomisierten Phase III-Studie. Als primärer Endpunkt wurde der Unterschied in der linksventrikulären Auswurffraktion (LVEF) sowie den NT-proBNP-Spiegeln zwischen den beiden Therapiegruppen festgelegt. Gemessen wurde nach jedem Zyklus und acht Wochen nach dem Ende der Therapie. Sekundärer Endpunkt waren die Remissionsrate, ereignisfreies Überleben (EFS), progressionsfreies Überleben (PFS, Gesamtüberleben (OS nach 3 und 5 Jahren), Ursachen spezifischer Tod, Toxizität und sekundäre Malignitäten. Patienten mit einem Myokardinfarkt innerhalb der vorangegangenen sechs Monate, Herzinsuffizienz im NYHA 3 oder 4 Stadium, mit ZNS-Beteiligung, HIV, einem WHO Performance Index 3 oder 4 sowie sekundären Malignitäten wurden nicht in die Untersuchung aufgenommen.

Die Studienergebnisse zeigten, dass die durchschnittliche LVEF in der R-CHOP Gruppe signifikant niedriger war, als im R-COMP Arm. Von allen LVEF Messungen lagen zehn in der R-COMP Gruppe gegenüber 31 in der R-CHOP Gruppe unter 55 Prozent, was einem Anteil von 4,6 versus 15,8 Prozent entspricht. Die Spiegel von NT-proBNP als aussagekräftiger Marker für Herzversagen, begannen im R-CHOP Arm nach dem fünften Behandlungszyklus zu steigen und unterschieden sich am Ende der Behandlung signifikant mit einem Mittelwert von 73 pg/ml im R-COMP Arm gegenüber 188,2 pg/ml im R-CHOP Arm (Abb. 1). In der R-COMP Gruppe wurden weniger Nebenwirkungen beobachtet mit 26 unerwünschten Nebenwirkungen im R-COMP Arm und 40 im R-CHOP Arm. Die meisten davon waren auf Infektionen zurückzuführen. Auch wenn die Studie nicht ausreichend Aussagekraft hatte, um Unterschiede in der Wirksamkeit aufzuzeigen, beobachteten die Studienautoren keinen Hinweis auf eine geringere Wirksamkeit mit R-COMP. Die Remissionsrate betrug 97,5 Prozent in der R-COMP Gruppe und 82 Prozent in der R-CHOP Gruppe. Drei Fälle einer Krankheitsprogression ereigneten sich im R-CHOP Arm.n

Quellen: Fridrik MA et al: Non-Pegylated Liposomal Encapsulated Doxorubicin Reduces Cardiotoxicity in 1st Line Treatment of Diffuse Large B-Cell Lymphoma (DLBCL). Final Results of a Randomized Trial, präsentiert bei der Jahrestagung der ASH 2011, San Diego, Session: 623. Lymphoma – Chemotherapy, excluding Pre-Clinical Models: Poster II, 11. Dezember 2011

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