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Hämatologie 3. April 2010

Myelodysplastische Syndrome

Neue Therapiemöglichkeiten bei MDS

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind eine heterogene Gruppe von myeloischen Stammzellerkrankungen. Nach jahrelangem therapeutischen Nihilismus gewinnt diese Krankheitsgruppe zunehmend an Interesse, da die theoretischen Erkenntnisse zur Pathophysiologie in Therapieerfolge umgesetzt werden können. Es konnten sowohl für low-risk als auch für high-risk Patienten mannigfaltige, auch zielgerichtete Therapieoptionen etabliert werden, wobei im Niedrigrisiko-Bereich die Blutbildverbesserung, im Hochrisiko-Bereich die Beeinflussung der Krankheitsbiologie im Vordergrund steht, was idealerweise für beide Risikogruppen einen signifikanten Überlebensvorteil bringen soll.

Supportive Therapie

Zur Verbesserung der supportiven Therapie, Grundlage jeder MDS-Behandlungsstrategie, stehen bereits zugelassene Eisenchelationsmedikamente zur Verfügung, hier ist vor allem die orale Therapiemöglichkeit mit Deferasirox zu erwähnen. Auch kommen neben den breit eingesetzten, jedoch nicht zugelassenen Erythropoetinen, auch zunehmend Thrombopoiese-stimulierende Substanzen im experimen- tellen Setting zum Einsatz. Am weitesten entwickelt ist hier sicherlich Romiplostim, das über solide Phase-II-Daten verfügt.

Therapie von low risk Patienten

Im low risk Bereich, vor allem bei der definierten zytogenetischen Subgruppe mit einer 5q-Aberration, steht Lenalidomid nach den rezent präsentierten robusten Phase-III-Ergebnissen auch in Europa kurz vor der Zulassung. Insbesondere zeigte sich keine erhöhte therapiebedingte AML-Transformationsrate. Interessant sind auch die Daten zu Alemtuzumab bei jenen Patienten, die bisher einer nebenwirkungsreichen immunsuppressiven Behandlung mit ATG zugeführt wurden. Insgesamt scheint das T-Zell-Subset beim MDS ein attraktives Target darzustellen, das zurzeit intensiv untersucht wird.

High risk Kohorte

Im high risk Bereich untermauern weltweite Registerdaten die Ergebnisse der Zulassungsstudie für 5-Azacytidin (Aza001). Es profitieren alle möglichen Subgruppen, unter anderem auch über 80-Jährige und solche mit Hochrisiko-Zytogenetik. In der nahen Zukunft wird die logische Kombination mit HDAC-Inhibitoren breit geprüft werden, hier scheint Vorinostat in der Entwicklung am weitesten fortgeschritten. Auch die Kombination von 5-Azacytidin mit Lenalidomid scheint sehr attraktiv, hier ist unter anderem die Behandlungssequenz noch Forschungsgegenstand. Für die Chemotherapie wird experimentell vor allem Clofarabin propagiert, für das mittlerweile eine orale Formulierung existiert. Die optimale Dosierung, auch in Hinblick auf eine beträch- tliche Toxizität, wurde in den Phase- II-Studien bisher jedoch nicht eindeutig definiert.

Blick in die Zukunft

Die therapeutischen Optionen bei PatientInnen mit MDS nehmen dank intensiver präklinischer und klinischer Forschung rasant zu, und es bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft für die meisten Subgruppen dieses heterogenen Krankheitsbildes zugelassene zielgerichtete Therapien zur Verfügung stehen werden.

Zur Person
Dr. Thomas Nösslinger
3. Medizinische Abteilung für Hämatologie und Onkologie
Hanusch-Krankenhaus
Heinrich-Collin-Straße 30
1140 Wien
Fax: ++43/1/91021-85439
E-Mail:

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