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Gastroenterologie 27. Mai 2008

Bluttest weist Darmkrebs frühzeitig nach

Ein Forscherteam der Universität Bonn und der Johns-Hopkins-Universität hat einen neuen Bluttest entwickelt, der Tumoren des Dick- und Enddarms schon im Frühstadium nachweisen kann. Der Test schlägt Alarm, wenn ein bestimmtes Protein im Blut der Patienten gehäuft vorkommt. Da Darmkrebserkrankungen in jüngster Zeit zunehmen, suchen Wissenschaftler nach einer kostengünstigen und effektiven Screening-Methode, berichtet das Wissenschaftsmagazin Journal of Cellular Biochemistry (2008 104 1: 286-294).
Experten gehen davon aus, dass eine rechtzeitige Diagnose die Opferzahlen um die Hälfte reduzieren könne. Der nun von den Forschern entwickelte Bluttest hat in den ersten Versuchen viel versprechende Wirkung gezeigt: Bei 27 Patienten mit Dickdarmkrebs lieferte er in 24 Fällen die korrekte Diagnose. In einer Studie an 127 Probanden ohne Tumorerkrankungen gab es 21 Falschmeldungen. Für einen Bluttest ist das Ergebnis nicht schlecht, meinen die Forscher. Im Vergleich dazu ist die Prostatakrebs-Diagnose anhand des PSA-Werts etwa weit unzuverlässiger. Der Bluttest richtet sich gegen ein Protein, das im Blut von Darmkrebs-Patienten gehäuft vorkommt und Dickdarmkrebs-spezifisches Antigen (colon cancer-specific antigen, CCSA-2) genannt wird.
„CCSA-2 scheint im Kern von Dickdarmzellen die Genaktivität zu regulieren. Auf welche Weise, wissen wir nicht“, meint die Bonner Wissenschaftlerin Gisela Walgenbach-Brünagel, die den Tumormarker entdeckt hat. Die Testergebnisse wären jedenfalls vielversprechend. Der diagnostische Goldstandard ist und bleibe jedoch die Koloskopie. „Daran können und wollen wir nicht rütteln.“ Einem geschulten Experten entgehe dabei kaum ein Tumor. „Doch viel zu wenige Menschen nehmen diese Möglichkeit wahr“, so die Chirurgin. Die Hemmschwelle vor einer Spiegelung, die ja mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden ist, sei bei vielen Menschen einfach zu hoch. Gerade bei den Darmkrebserkrankungen ist die Früherkennung besonders wichtig.
Die Mediziner hoffen nun, durch gleichzeitige Auswertung weiterer Marker sowohl die Empfindlichkeit als auch die Zuverlässigkeit des Tests steigern zu können. Ziel ist eine einfache und kostengünstige Screening-Methode, die sich in Vorsorge-Untersuchungen flächendeckend einsetzen lässt. Für ihre Arbeit im Bereich „Darmkrebsprävention und -früherkennung“ ist die Wissenschaftlerin vor wenigen Wochen mit dem „Felix Burda Award“, der an Unternehmen, Organisationen und herausragende Persönlichkeiten, die sich durch ihr Engagement im Kampf gegen Darmkrebs verdient gemacht haben, vergeben wird, ausgezeichnet worden.

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