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Gastroenterologie 10. Jänner 2008

Kohle ist nicht gleich Kohle

Kohle kann im menschlichen Darm vieles bewirken. Erst das Wissen um den Einsatz von Aktivkohle, wie BIOCARBON®, oder nicht aktivierter Birkenkohle, als Bestandteil von EUCARBON® lässt den betroffenen Patienten für die richtige Indikation ein wertvolles Heilmittel zukommen.

Obwohl der Einsatz von Kohle in der Medizin bereits eine lange Tradition hat, herrscht nach wie vor Unklarheit über Arten und Anwendungsgebiete dieser Arznei. Schon die alten Ägypter kannten 1550 Jahre vor Christus die medizinische Anwendung von Holzkohle. Ende des 18. Jahrhunderts beobachtete der deutsche Chemiker Carl Wilhelm Scheele das Adsorptionsvermögen von Kohle für Gase.
Kohle gehört zu den Adsorbentien. Diese besitzen infolge ihrer feinen Verteilung und großen Oberfläche in hohem Grad die Fähigkeit, andere Stoffe so zu binden, dass diese im Körper nicht mehr oder weniger stark wirksam werden. Medizinische Aktivkohle wird durch das Verkohlen von Rohstoffen bei hohen Temperaturen gewonnen: Dabei lassen sich pflanzliche Ausgangsmaterialien, wie Holz, Torf, Nussschalen oder Kaffeebohnen ebenso, verarbeiten. Diese werden mit Dehydratisierungsmittel auf 500 bis 900 Grad erhitzt, anschließend durch Auswaschen gereinigt, durch trockene Destillation verkohlt und schließlich das verkohlte Material bei hohen Temperaturen bis 1000 Grad mit Wasserdampf oder Kohlendioxid oxidativ aktiviert. Früher wurden sogar tierische Stoffe aus Blut oder Knochen und mineralische Substanzen aus Braun- und Steinkohle oder petrochemischen Kohlenwasserstoffen für die Herstellung verwendet, inzwischen werden ausschliesslich pflanzliche Materialien verwendet, dennoch hält sich die irreführende Bezeichnung „Tierkohle“ hartnäckig. Richtig ist pflanzliche Kohle.

Aktivkohle bindet kraftvoll Schadstoffe im Darm

Die entstandene Aktivkohle zeichnet sich durch eine hochporöse Struktur aus, wobei die Poren wie bei einem Schwamm untereinander verbunden sind. Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000m²/g Kohle. 2 Gramm Aktivkohle entspricht ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes. Aufgrund der gewaltigen Oberfläche besitzt die Aktivkohle eine hohe Bindungsfähigkeit für kleine Partikel. So lassen sich die derart hergestellten Mittel zur Adsorption von Giftstoffen im Magen-Darm-Trakt verwenden. Auch Viren, Bakterien und deren Stoffwechselprodukte können gebunden werden. Die Bindung der toxischen Substanzen an die Kohle verringert deren Resorptionsrate und damit die in den Körperkreislauf aufgenommene Menge. Die Aktivkohle selbst wird nicht im Körper aufgenommen und mit dem Stuhlgang eliminiert. Sie zeigt inertes Verhalten und ist für den Körper unschädlich.
Aus pflanzlichem Material wird BIOCARBON®, eine reine Aktivkohle, hergestellt. Das Präparat hat eine große Bedeutung in der Notfallversorgung von Vergiftungen. Doch auch bei akuten Darmentzündungen bis hin zu schweren Durchfällen, verbunden mit großem Flüssigkeitsverlust, adsorbiert BIOCARBON® rasch die Giftstoffe und stellt so die normale Darmfunktion wieder her. Gleichzeitig bindet BIOCARBON® auch Luft- oder andere Gasansammlungen im Verdauungstrakt. Die vorhandene Reizwirkung im Magen-Darm-Trakt wird vermindert und der Durchfall innerhalb kurzer Zeit beendet.

Nicht aktivierte Birkenkohle als Verdauungsregulans

Doch auch nicht aktivierte Kohle findet heute in der Medizin Verwendung: Birkenkohle stellt etwa einen wesentlichen Bestandteil des seit nahezu hundert Jahren am Markt befindlichen EUCARBON® dar. Je nach Dosierung entfaltet EUCARBON® eine leicht laxative oder stopfende Wirkung uns stellt damit ein Verdauungsregulans dar. Diese Zweifachwirkung ist, neuen Untersuchungen zufolge, zu einem großen Teil auf die Anwesenheit von Rhabarberextrakt und den darin enthaltenen Sennosiden zurückzuführen. Die ebenfalls enthaltenen Gerbstoffe zeichnen für den adstringierenden, antilaxativen Effekt verantwortlich.
So reguliert EUCARBON®, in Verbindung mit der mild adsorbierenden Wirkung der pflanzlichen Kohle, leichte Fehlfunktionen der Verdauung in jede Richtung. Die Wirkungsweise ist dabei nicht nur auf leichten Durchfall, hervorgerufen durch schlechte Nahrungsmittel, begrenzt. Auch beim verbreiteten Reizdarmsyndrom kann das Präparat erfolgreich eingesetzt werden. In einer rezenten Anwendungsbeobachtung konnte hier die gute Wirksamkeit bestätigt und von über 80 Prozent aller Ärzte und Patienten hinsichtlich der Verträglichkeit von EUCARBON® ein „Sehr gut“ bzw. „Gut“ ausgestellt werden.
Wieder zeigt sich, dass alte Mittel, die ihre Wirksamkeit über Jahrzehnte, möglicherweise Jahrhunderte bewiesen haben, nicht veraltet, sondern bewährt sind.

RT

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