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Gastroenterologie 28. Jänner 2008

Gewichtsverlust durch Kaugummi

Die übermäßige Aufnahme des künstlichen Süßstoffes Sorbitol kann zu ausgeprägtem Gewichtsverlust führen. Darauf weist ein jüngst im British Medical Journal veröffentlichter Artikel hin. Sorbitol ist in vielen zuckerfreien – aber dennoch süßen – Produkten wie etwa Kaugummi und Softdrinks enthalten. Die Substanz wird im Dünndarm kaum resorbiert und hat laxative Eigenschaften. Die Autoren Jürgen Bauditz und Herbert Lochs von der Berliner Charité veröffentlichten den Warnhinweis auf Grund zweier Fallgeschichten. Die betreffenden Patienten litten unter chronischem Durchfall, Bauchschmerzen und starkem Gewichtsverlust. Nachdem zunächst ausführliche und weitgreifende diagnostische Maßnahmen getroffen worden waren, brachte einzig eine detaillierte Analyse der Essgewohnheiten Licht ins Dunkel. Beide Patienten gaben auf Nachfragen an, in verhältnismäßig großen Mengen zuckerfreien Kaugummi und künstlich gesüßtes Naschwerk zu konsumieren. Der erste Patient, eine 21 Jahre alte Frau, gab an, große Mengen Sorbitol-gesüßten Kaugummis zu kauen, mit einer resultierenden Dosis von 18-20 Gramm Sorbitol pro Tag. Eine Packung Kaugummi enthält etwa 1,25 Gramm Sorbitol. Der zweite Patient, ein Mann von 46 Jahren, kaute täglich 20 Packungen Kaugummi und aß etwa 200 Gramm zuckerfreie Süßigkeiten, insgesamt werden dadurch etwa 30 Gramm Sorbitol zugeführt.
Nachdem den Patienten eine Sorbitol-freie Diät nahe gelegt worden war, besserten sich die Symptome rapide. Die Diarrhöe verschwand, der Stuhlgang normalisierte sich und die Patienten nahmen deutlich an Gewicht zu.
Da mögliche Nebenwirkungen von Nahrungszusatzstoffen wie Sorbitol nur „im Kleingedruckten“ stehen, seien viele Konsumenten die laxativen Effekte nur unzureichend bekannt, so Bauditz und Lochs, bei intestinalen Probleme würden die Ursachen meist anderwärtig gesucht. Die Autoren merken an, dass Sorbitol nicht nur chronischen Durchfall und funktionelle Verdauungsbeschwerden verursachen kann, sondern auch Gewichtsverlust von bis zu 20 Prozent des Ausgangsgewichtes. Zur Diagnosefindung bei Gewichtsabnahme unbekannter Ursache solle deshalb der Sorbitolgehalt der verzehrten Nahrung berücksichtigt werden.

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