zur Navigation zum Inhalt
 
Gastroenterologie 24. Mai 2016

Blutiger Magensaft

Plättchenhemmer, NSAR und Antikoagulanzien erhöhen das Risiko, eine gastrointestinale Blutung zu entwickeln.

Dem Blutungsrisiko von Patienten, die „blutverdünnende“ Medikamente zu sich nehmen, lässt sich bedingt vorbeugen. Beispielsweise können Protonenpumpeninhibitoren teilweise vor Blutungen im oberen gastrointestinalen Trakt schützen.

Plättchenhemmer, Nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) und Antikoagulanzien erhöhen das Risiko, eine gastrointestinale Blutung zu entwickeln. Darauf wies Prof. Dr. Wolfgang Fischbach, Gastroenterologe am Klinikum Aschaffenburg, bei der Veranstaltung Praxis Update am 8. und 9. April in München hin. Dabei sei das Risiko unter Antikoagulanzien doppelt so hoch wie unter ASS und anderen Plättchenhemmern. Auch die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) schneiden im Hinblick auf Blutungen nicht besser ab.

In einer Studie mit Dabigatran ( Gastroenterology 2015; 149: 586-95 ) lag die Rate gastrointestinaler Blutungen in einer Gruppe von 5.041 Patienten, die die Substanz als Erstverordnung erhalten hatten, bei 2,5 Prozent (4,2 pro 100 Patientenjahre). In der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie waren vor allem Patienten jenseits der 75 gefährdet, insbesondere dann, wenn anamnestisch bereits eine Ulkusblutung aufgetreten war. Auch die gleichzeitige Einnahme von Aspirin stellte einen Risikofaktor dar.

Dem Blutungsrisiko lässt sich bedingt vorbeugen: So wirkte die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder H2-Rezeptorantagonisten in der genannten Studie zwar teilweise protektiv; die Schutzwirkung, berichtete Fischbach, beschränkte sich jedoch auf die oberen GI-Blutungen sowie auf Patienten mit einem Magengeschwür oder einer früheren Blutung in der Anamnese. Dennoch bleibt vor allem bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren oft keine andere Wahl als zu antikoagulieren. „Der kardiovaskuläre Nutzen“, betonte Fischbach, „ist grundsätzlich höher einzuschätzen als die gastrointestinalen Risiken.“ Der Gastroenterologe empfiehlt daher, bei einem Blutungsereignis unter entsprechender Therapie in jedem Fall eine Co-Medikation mit einem PPI zu veranlassen.

Mehrere Risikofaktoren

Das Antikoagulans sollte dabei gar nicht oder allenfalls kurz abgesetzt und beispielsweise gleich nach Entlassung aus der stationären Behandlung wieder eingenommen werden. Bei gleichzeitigem Einsatz von zwei gerinnungsaktiven Substanzen, zum Beispiel Phenprocoumon und ASS, rät Fischbach von vornherein zur PPI-Prophylaxe. Diese sei auch dann sinnvoll, wenn der Patient unter Monotherapie mehr als einen Risikofaktor aufweise. Als Risikofaktoren für eine gastroduodenale Ulkusblutung nannte Fischbach:

• Alter ≥ 65 Jahre

• Ulkusanamnese

• Infektion mit Helicobacter pylori

• Schwere Allgemeinerkrankung

• Co-Medikation mit Glukokortikoiden, gerinnungsaktiven Medikamenten oder SSRI

Zum Management von Blutungen unter Dabigatran steht seit Ende 2015 mit Idarucizumab ein Antidot zur Verfügung. Damit, so Fischbach, könne die Wirkung des neuen oralen Antikoagulans (NOAK) rasch aufgehoben werden. Steht dem beispielsweise wegen Vorhofflimmern antikoagulierten Patienten eine Gastroskopie oder eine Koloskopie bevor, sollten zumindest Clopidogrel und Phenprocoumon pausiert werden. Dagegen erhöhen ASS und NSAR das Risiko einer Blutung offenbar nicht.

Von einer Überbrückungstherapie mit niedermolekularen Heparinen bei einer einfachen endoskopischen Untersuchung rät Fischbach in Fällen mit geringem Thromboserisiko ab. Diese Strategie könne sogar kontraproduktiv sein: In einer prospektiven randomisierten Studie ging das „Bridging“ bei Patienten mit Vorhofflimmern im Vergleich zu einem ersatzlosen Pausieren der Antikoagulation mit einer signifikant höheren Blutungsrate einher, ohne die Thromboembolierate nennenswert zu senken ( N Engl J Med 2015; 373: 823-33 ).

Sofern ein CHADS2-Score von < 3 vorliege und es sich um einen Niedrig-Risikoeingriff wie Magenspiegelung oder Koloskopie (inklusive Biopsie) handle, könne man, so Fischbach, einfach die Einnahme von Phenprocoumon kurzfristig (fünf Tage vor Eingriff) unterbrechen. Dies gelte jedoch nicht im Falle einer Polypektomie oder Punktion, warnte der Experte; hier und auch bei einem CHADS2-Score von ≥ 3 sei das Vorgehen individuell, gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem Kardiologen abzuwägen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben