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© Maurizio Gambarini / dpa
 
Gastroenterologie 5. Oktober 2015

Künstliche Ernährung

Bei 93 Prozent der Patienten mit ilealem M. Crohn wird eine deutliche Verbesserung erreicht.

Erfolg mit Ernährungstherapie: Bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn sollte statt eines Steroids die enterale Ernährungstherapie eingesetzt werden, raten Autoren der Crohn-Leitlinie.

Besonders bei Kindern mit einem Morbus Crohn-Schub lohnt sich der Versuch einer enteralen Ernährungstherapie. In einer Metaanalyse von fünf randomisierten kontrollierten Studien, in denen bei 147 Kindern mit M. Crohn eine Ernährungstherapie gegen Steroide getestet wurde, habe sich die Ernährungstherapie der Behandlung mit Glukokortikoiden als gleichwertig gezeigt, schreiben die Autoren der aktualisierten Leitlinie zu Morbus Crohn( http://goo.gl/w9G2Kc ).

Dieser Effekt sei unabhängig davon gewesen, ob eine Elementar-, Semielementar- oder polymere Diät angewendet worden sei (http://goo.gl/vVS1EL ).

Die Therapietreue habe bei über 90 Prozent gelegen. Eine weitere Studie habe ergeben, dass bei rein ilealem M. Crohn (Anm.: letzter Abschnitt des Dünndarms) mit Ernährungstherapie eine Remission bei 93 Prozent der Patienten habe erreicht werden können; bei Ileocolitis lag die Erfolgsrate bei 82,1 Prozent ( http://goo.gl/WbI68m ).

Milchprodukte ausgeschlossen

Professor Norbert Wagner von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der RWTH Aachen weist auf eine Beobachtungsstudie hin, in der pädiatrische Patienten mit einer polymeren Diät behandelt wurden, die circa 50 Prozent des energetischen Bedarfs deckte.

Die Patienten hätten zudem eine Exklusionsdiät erhalten, die den restlichen Energiebedarf deckte und unter anderem den Verzehr von Reis und geschälten Kartoffeln, von Hühnchenfleisch und gekochten Eiern sowie von Fisch, Banane und geschältem Apfel erlaubte, berichtet Wagner ( http://goo.gl/XEaeYT ).

Demgegenüber seien Milchprodukte, Weizen, geräuchertes oder prozessiertes Fleisch, konservierte Nahrungsmittel ausgeschlossen worden ( http://goo.gl/SNGG2u ). 70 Prozent dieser Patienten, die somit eine partielle enterale polymere Ernährung und eine „Morbus-Crohn-Exklusionsdiät“ erhielten, seien in Remission gekommen.

„Mithilfe dieser Strategie könnte es, sofern sich diese in kontrollierten Studien validieren lässt, möglich sein, mehr Patienten von einer Ernährungstherapie zu überzeugen, da in der klinischen Praxis ein Teil der pädiatrischen Patienten mit Morbus Crohn Schwierigkeiten hat, die exklusive enterale Ernährungstherapie mit einer flüssigen Formula anzunehmen und diese als die Lebensqualität einschränkend empfunden wird“, schreibt Wagner.

Weitere Studien, unter anderem mit zyklischer exklusiver enteraler Ernährung zur Erhaltung der Remission bei Kindern mit Morbus Crohn oder mit einer spezifischen kohlenhydratbasierten CED-Diät im Kindesalter, erfolgten derzeit.

Unbekannter Wirkmechanismus

Zurzeit laufe eine Studie, in der die Supplementierung von Vitamin D, das durch die Anregung von Immunzellen zur Bildung einer natürlichen antibakteriellen Substanz, Cathelicidin, immunmodulierend wirken soll, bei Kindern mit Morbus Crohn auf ihre Effektivität geprüft werde, so Wagner.

Der Wirkmechanismus der Ernährungstherapie ist nicht genau bekannt, wie Dr. Stefan Razeghi, Praxis für Kinderheilkunde, Miesbach, berichtet ( https://goo.gl/QiCjn7 ).

Während anfangs vermutet worden sei, durch Verwendung von Hydrolysaten eine Besserung durch Allergenkarenz herbeizuführen, hätten dann auch Nahrungen mit intaktem Protein Wirkung gezeigt. Standardisierte Vorgaben zur Durchführung einer Ernährungstherapie gebe es nicht, so Razeghi. Sie erfolge meist mit geeigneter Nahrung über vier bis acht Wochen.

Zusätzlich erlaubt seien nur Wasser, ungesüßte Tees und Diätkaugummis. Die Menge an Trink- und Sondennahrung werde anhand des altersentsprechenden Energiebedarfs festgelegt. Anschließend erfolge über weitere zwei bis acht Wochen die Rückstellung auf Normalkost.

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