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Gastroenterologie 1. Juni 2015

Hilfe bei Obstipation

Langfristig nützt ein gesunder Ernährungsstil

Bevor einem Kunden wahllos Empfehlungen zur vermeintlich „richtigen“ Ernährung unterbreitet werden, sollte geklärt werden, ob tatsächlich Ernährungsfehler vorliegen. Andernfalls sind diätetische Maßnahmen von vornherein zum Misserfolg verurteilt.

Der Betroffene sollte über mindestens sieben Tage ein Ernährungstagebuch führen, in dem er neben den verzehrten Lebensmitteln auch Angaben zu Beschwerden und Stuhlverhalten notiert. Um mögliche obstipationsfördernde Effekte von Arzneimitteln auszuschließen, ist es wichtig, auch die Medikation zu erfassen. Ziel der diätetischen Maßnahmen ist die Unterstützung der Darmentleerung mit natürlichen Mitteln und die Vermeidung des Gebrauchs von Laxanzien.

Ballaststoffe

Laut der S2k-Leitlinie „Chronische Obstipation“ (2011) wird Verstopfung mit einer ballaststoffarmen Kost und verringerter Flüssigkeitsaufnahme in der Literatur beschrieben. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang lässt sich jedoch nicht belegen. Dennoch können Ballaststoffe, laut Leitlinie, Obstipationssymptome bessern und „sollten versucht werden“. Die allgemein empfohlene Zufuhr liegt bei 30 bis 40 Gramm pro Tag. Wichtig ist eine ausreichende Trinkmenge von 1,5 bis zwei Litern pro Tag. Eine darüber hinausgehende Flüssigkeitszufuhr hat hingegen keinen therapeutischen Effekt.

Nimmt ein Kunde bereits ausreichend Ballaststoffe auf, lohnt es sich, die Ballaststoffquellen zu betrachten. Für Reizdarmpatienten wurde beispielsweise nachgewiesen, dass lösliche Ballaststoffe (z. B. Pektin aus Gemüse, Obst und der Schale von Lein- und Flohsamen) besser verträglich sind als unlösliche wie Cellulose oder Lignine aus zum Beispiel Vollkornprodukten und Weizenkleie. Milchsäurebakterienhaltige Lebensmittel wie Naturjoghurt, Buttermilch und Sauerkraut können die Obstipationstherapie unterstützen. Ergänzend kann ein probiotisches Präparat empfohlen werden.

Geduld gefragt

Schrittweises Erhöhen des Ballaststoffanteils vermeidet oder mildert die häufig zu Beginn der Umstellung auftretenden Blähungen sowie Druck- und Völlegefühl. Der Kunde sollte auch wissen, dass es Wochen bis Monate dauern kann, bis sich die Darmtätigkeit wieder normalisiert hat. Wurden bisher Laxanzien eingenommen, sollten diese schrittweise in ihrer Dosis verringert werden.

 

Springer-gup.de
, Apotheker Plus 5/2015

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