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Prof. Günter Krejs, Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie der Med Uni Graz, widmet sein Forscherleben der Darmgesundheit.
 
Gastroenterologie 29. April 2015

Die extreme Darmflora der Yanomami

3 Fragen, 3 Antworten

Forscher fanden bei isolierten Yanomami in Venezuela eine einzigartige Vielfalt an Mikroben sowie Gene für Antibiotikaresistenz, berichtet „Nature“.

Herr Prof. Krejs, warum ist das Mikrobiom ursprünglich lebender Ethnien so interessant?

Krejs: Je diverser die Mikrobiota, je mehr verschiedene Bakterienstämme sie enthält, desto besser scheint sie dem Körper dienen zu können. Bei der nun Schlagzeilen machenden Studie im Amazonas-Urwald, muss man sich erinnern, dass Antibiotika aufgrund von natürlich vorkommendem Widerstand gegen andere Keime entdeckt und dann von Pharmazeuten nachgebaut und synthetisch verbessert wurden. Die Urbevölkerung hat Keime, die sich Antibiotika-Resistenzen angeeignet haben. Das sind aber Gene für Resistenzen gegen natürliche Antibiotika und nicht gegen Medikamente, mit denen sie noch nie Kontakt hatten. Die weitere Erforschung der Unterschiede in der Welt der Mikroben im Körper von uns Stadtmenschen und von Naturvölkern wird weitere Einblicke erlauben. Dass Gene für Antibiotika-Resistenzen schon bei Naturvölkern auf Aktivierung lauern, ist sehr interessant und zeigt, dass es immer ein Wettlauf bleiben wird, zwischen neuen Antibiotika und der folgenden Antibiotika-Resistenz.

Ist diese Gen-Analyse ein Schnappschuss unserer mikrobiellen Vergangenheit?

Krejs:Die Untersuchungen erlauben, mit etwas Vorsicht, einen gewissen Schluss, wie unser Mikrobiom vor einigen tausend Jahren ausgesehen haben mag. Urbanisierung vermindert die Vielfalt der Bakterienwelt im Körper, durch Feinstaub, die Einnahme von Antibiotika, durch fettreiche und carbohydratreiche Diät und durch Erkrankungen, wie z. B. die Colitis ulcerosa.

Gibt es ethische Bedenken gegen solche Analysen?

Krejs: Ich sehe keine. Wir nehmen denen ja nichts weg und schließlich stehen am Ende Behandlungen, die potenziell vielen, wenn nicht allen Menschen helfen.

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