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Eine Veränderung der Darmflora kann die Stoffwechselleistung des Darms erheblich einschränken.
 
Gastroenterologie 2. März 2015

Diarrhoe – Vielfalt der Ursachen

Gestörtes Gleichgewicht der Darmflora und seine Folgen

Als eine der häufigsten Erkrankungen, die allerdings in der überwiegenden Mehrzahl eher mild verläuft, wird bei Durchfällen nur selten medizinische Hilfe in Anspruch genommen. In der Apotheke sind sie allerdings häufiger Beratungsfall, nicht zuletzt, weil Durchfälle auch als Nebenwirkungen von Medikamenten, speziell bei Antibiotikagabe auftreten können.

Die häufigste Ursache für Durchfälle sind virale Erreger, die vier Gruppen zuzuordnen sind, wovon Noroviren und Rotaviren die relevantesten sind. Im Gegensatz zu den im ambulanten Umfeld auftretenden Diarrhoen sind im Krankenhaus erworbene Durchfälle in einer erheblichen Zahl schwerer Natur und mit einer höheren Sterblichkeit sowie mit einem erhöhten Risiko für andere Infektionen assoziiert. Allerdings können manche bakteriell verursachten Durchfallerkrankungen auch erst bis zu vier Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt auftreten. Eine sorgfältige Abklärung der möglichen Ursachen ist wesentlich.

Ambulant oder im Krankenhaus erworben – die Zeit zählt

Die WHO definiert Durchfall als das Auftreten von mindestens dreimalig wässrigem oder „breiigem“ Stuhlgang pro Tag. Das Robert Koch Institut (RKI) bezeichnet Durchfall, der bis zu 48 Stunden nach dem stationären Aufenthalt auftritt, als nosokomiale Diarrhoe. Dieser Zeitraum wird von manchen Experteninstitutionen bis zu 72 Stunden ausgedehnt, berichten Weis et al. und zitieren die „3 day rule“.

Demnach sind aber auch durch Clostridium-difficile-Infektionen verursachte Durchfälle, die bis vier Wochen nach Entlassung auftreten können und ein besonderes Problem im Krankenhaus und speziell bei älteren Patienten darstellen, ebenfalls als zu den im Krankenhaus erworbenen Formen zu rechnen. Das Risiko, eine solche Erkrankung zu erwerben, steigt mit der Dauer des Krankenhausaufenthalts, dem Lebensalter, der Gabe von Antibiotika und der Ernährung über eine Magensonde.

Medikamente als Auslöser der Diarrhoe

Je nach Pathophysiologie unterscheidet man eine osmotische, sekretorische und eine exsudative Diarrhoe, wobei bei der nosokomialen Diarrhoe, so Weis et al., durchaus eine pathogenetische Mischform vorliegen kann. Hier gilt: „Medikamente sind der häufigste Grund für eine Störung der intestinalen Homöostase, gefolgt von infektiösen Ursachen.“

Um die Ursachen zu unterscheiden und die geeigneten therapeutischen Maßnahmen empfehlen zu können, sind Fragen zu Änderungen der Stuhlgewohnheiten abzuklären und eine ausführliche Medikamentenanamnese, insbesondere zur Antibiotikaeinnahme während der vorausgegangenen zwei Monate, zu erheben.

25 Prozent der Patienten nach Antibiotikaeinnahme betroffen

Mehr als 700 Medikamente werden grundsätzlich mit Durchfall als potenzieller Nebenwirkung assoziiert. Osmotische Diarrhoen werden durch Laxanzien verursacht, sekretorische Diarrhoen können z. B. durch die theophyllinvermittelte Hemmung der Phosphodiesterase auftreten, erklären Weis et al. Andere Medikamente wie Acetylcholinesterasehemmer erhöhen die Darmmotilität oder verändern, wie Antibiotika, nichtsteroidale Antirheumatika oder Zytostatika, die Integrität der Mukosa. Als häufigste Ursache werden Antibiotika beobachtet, nach deren Einnahme bei fünf bis 25 Prozent der Patienten Durchfall auftritt.

Der Darm stellt ein sensibles Ökosystem dar

300 bis 500 verschiedene Mikroorganismen besiedeln den Dickdarm und bilden dort ein dichtes, komplexes und dynamisches Ökosystem. Pro Gramm Darminhalt wurden bis zu 1012 Bakterien nachgewiesen, berichten die Experten.

Die gesunde Darmflora schützt und unterstützt den Stoffwechsel und die Ernährung des Organismus und bildet auch eine natürliche Barriere gegen enteropathogene Keime. Ihre Fähigkeit, Kohlenhydrate in kurzkettige Fettsäuren zu spalten, die eine wichtige Energiequelle für Enterozyten darstellen, führt auch dazu, dass durch Aufnahme der Fettsäuren Elektrolyte und freie Flüssigkeit aus dem Darmlumen resorbiert werden.

Schließlich reguliert die Darmflora, so Weis et al., die Proliferation und Differenzierung der Epithelzellen und interagiert mit dem Immunsystem: „Verändert sich die Darmflora, kann die Stoffwechselleistung des Darms erheblich eingeschränkt werden.“ Und damit wird auch seine Schutzfunktion wesentlich herabgesetzt .

Basismaßnahmen zur Behandlung von Diarrhoen sind daher grundsätzlich erhöhte Flüssigkeitszufuhr und die Unterstützung der Regeneration des physiologischen Gleichgewichts der Darmflora und je nach zugrundel iegender Ursache bei nosokomialen Infektionen auch der gezielte Einsatz von Antibiotika, sowie Hygienemaßnahmen und Isolation.

Quelle: S. Weis, M. Grimm: Nosokomiale Diarrhoe, in¸ coloproctology 2011, 33:393-403

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