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Gastroenterologie 15. Dezember 2014

Ältere Menschen besonders gefährdet

Schwer verlaufende Durchfallerkrankungen nehmen zu

Eine steigende Zahl schwerer Darminfektionen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen und tödlich enden können, wird bei unseren deutschen Nachbarn beobachtet. Besonders stark zugenommen haben demnach Infektionen mit dem Erreger Clostridium difficile, der sich nach der Einnahme von Antibiotika im Darm ausbreiten kann.

„Clostridium difficile-Bakterien sind in der Umwelt weit verbreitet und kommen auch bei vielen Gesunden im Darm vor“, erklärt Prof. Dr. Markus Lerch, Klinik für Innere Medizin A an der Universitätsmedizin Greifswald und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stören Antibiotika das Gleichgewicht der gesunden Darmflora, kann sich der Erreger ungehindert vermehren. Gefährlich sind die Bakterien durch ihre Gifte: Die Toxine lähmen die Darmwand und führen im schlimmsten Fall zu einer ballonartigen Ausweitung des Dickdarms, einem „toxischen Megacolon“. 15 bis 20 Prozent der Antibiotika-assoziierten Durchfallerkrankung werden durch Clostridium difficile verursacht.

C. difficile die Hauptursache für letale Magen-Darminfektionen

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Großteil der Sterbefälle, die Kliniken im Zusammenhang mit Magen-Darm-Infektionen registrieren, auf Infektionen mit diesem Bakterium zurückgehen. „2011 verstarben insgesamt 4.152 Patienten im Krankenhaus im Zusammenhang mit gastrointestinalen Infektionen“, so Lerch. „Auf der Basis von Mortalitätsraten aus den USA gehen wir davon aus, dass in Deutschland jährlich mindestens 2.000 Menschen mit Clostridium difficile-Infektionen sterben“.

Auch mehr Infektionen mit Noroviren, Rotaviren & Co.

Doch nicht allein Erkrankungen mit Clostridium difficile nehmen zu. Wie die Analyse – unter anderem auch von Daten des Robert Koch-Instituts – ergab, steigt auch die Zahl der Infektionen mit Noroviren, Rota- viren, Campylobacter- und E. coli-Bakterien. „Durch Infektionen im Magen-Darmtrakt sind vor allem ältere Menschen gefährdet“, berichtet Prof. Dr. Andreas Stallmach, Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. So waren etwa bei den Clostridium difficile-Infektionen mehr als 80 Prozent der Patienten über 65 Jahre. Aber auch bei den virusbedingten Darminfekten, bei denen Kinder noch die größte Patientengruppe ausmachen, nimmt der Anteil älterer Patienten zu. „Wir gehen davon aus, dass sich mit der demographischen Entwicklung die Problematik von Darminfektionen weiter verschärfen wird“, meint Stallmach.

Infektionen: Magen-Darm am häufigsten betroffen

Mit über einer halben Million in Kliniken behandelten Erkrankungsfällen im Jahr gehören Magen-Darm-Infektionen schon heute zu den häufigsten Infektionen in Deutschland. Der sorgsame Umgang mit Medikamenten und Lebensmitteln und das Bewusstsein für die Rolle der Darmflora sowie deren Unterstützung könnten eine wirksame Gegenstrategie sein.

Quelle: Presseaussendung DGVS

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