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© Nemanja Sekulic / istockphoto.com
 
Gastroenterologie 14. November 2014

Goldenes Zeitalter oder Eiszeit?

Die UEG stellt Zukunftsszenarien der Gesundheitsversorgung bei Verdauungs- und Lebererkrankungen vor.

Drei plausible Modelle für die zukünftige Bereitstellung von Gesundheitsdiensten in Europa stellte die United European Gastroenterology (UEG) bei der UEG Week in Wien vor. Die Initiative soll Fachleute aus dem Gesundheitsbereich und politische Entscheidungsträger dazu anregen, für eine nachhaltigere Zukunft für Patienten mit Verdauungs- und Leberkrankheiten zu planen.

Mit den Zukunftsszenarien, deren Entwicklung mehr als ein Jahr in Anspruch genommen hat, sollen Vertreter des Fachgebiets Gastroenterologie zur Zusammenarbeit inspiriert werden, um eine bessere Zukunft für Patienten zu gestalten. „Die aktuellen Modelle der Gesundheitsversorgung in Europa sind unhaltbar, angesichts der rapide alternden Bevölkerung, des unbeständigen politischen und wirtschaftlichen Umfelds, der schrumpfenden Arbeitnehmerzahl und der Zunahme von Lifestyle-Erkrankungen“, so UEG-Präsident Prof. Michael Farthing. „Wenn wir nicht jetzt für Veränderungen zu planen beginnen, stehen wir alle vor einer ziemlich unsicheren Zukunft.“

Unhaltbare Belastung durch GI-Erkrankungen

Gastrointestinale (GI) Erkrankungen tragen stark zur Belastung von Gesundheitssystemen in Europa bei: Sie verursachen erhebliche Morbidität, Sterblichkeit und Kosten.

Verdauungserkrankungen – gastrointestinale und Leberstörungen – sind in ganz Europa häufig. Im Jahr 2008 verursachten sie über 500.000 Todesfälle in den 28 EU-Mitgliedsstaaten (sowie mehr als 900.000 Todesfälle in ganz Europa, einschließlich Russlands und weiterer Nicht-EU-Staaten). Über ein Drittel aller Krankenhausaufnahmen akut erkrankter Patienten sind auf GI-Erkrankungen zurückzuführen, und die meisten Europäer suchen mindestens einmal im Leben einen Gastroenterologen auf.

„Wir wissen, dass Inzidenz und Prävalenz der meisten schweren GI-Störungen in ganz Europa zunehmen, in vielen Ländern ist der Zugang zu medizinischer Versorgung bereits unzureichend“, so Farthing. „Da eine Veränderung der Gesundheitsversorgung in der Zukunft unausweichlich erscheint, beschlossen wir, einen kühnen Ansatz zu verfolgen und mögliche Szenarien vorzustellen. So wollen wir alle dazu anregen, mitzuarbeiten und zur Gestaltung einer besseren Zukunft für die Versorgung bei Verdauungs- und Lebererkrankungen mitzuwirken“.

Europa 2040: Szenarien und Implikationen

In den letzten Jahren hat die UEG-Arbeitsgruppe Zukunftsszenarien mit Fachleuten aus dem Bereich Szenarien-Planung zusammengearbeitet, um eine Reihe plausibler, relevanter und anspruchsvoller Szenarien zu entwickeln, die die Bereitstellung der GI-Versorgung im Jahr 2040 beeinflussen könnten. Die Szenarien – mit den Namen Eiszeitalter, Siliziumzeitalter und Goldenes Zeitalter – wurden auf der UEG Week 2014 vorgestellt: Mehr als 600 Spezialisten für Verdauungs- und Lebererkrankungen sowie eine breite Palette an Interessengruppen werden sich der Diskussion anschließen. Die Szenarien für 2040 sind:

Eiszeitalter:Verarmung in Europa führt zu einer zweigleisigen medizinischen Versorgung und letztendlich zum Zusammenbruch der öffentlichen Gesundheitssysteme in Europa.

Siliziumzeitalter: Fortschritte in Technologie, Wissenschaft und gesellschaftlicher Interaktion fuhren zu einer umfassen Automatisierung von Diagnose- und Therapieverfahren sowie zu einer Neuorientierung im Gesundheitsverhalten und damit zu positivem Wandel in der Gesundheitsversorgung.

Goldenes Zeitalter: Ein starkes, effektiv koordiniertes, geeintes Europa gewährleistet eine hochwertige Gesundheitsversorgung für alle europäischen Bürger.

„Jedes dieser drei von uns entwickelten Szenarien könnte das Gesundheitssystem in Europa im Jahr 2040 widerspiegeln; die Modelle werden uns helfen, unser Denken klar zu fokussieren und mutige Diskussionen über die Zukunft der gastroenterologischen Praxis zu führen“, erklärte Farthing. „Wir sehen die Initiative als Beginn dieser Diskussionen und hoffen, dass alle Beteiligten sich in die Debatte einbringen und zusammenarbeiten werden, um eine hochwertige Versorgung bereitzustellen, unabhängig davon, was die Zukunft bringt.“

Die Diskussion beginnen

Die UEG ruft auf: „Helfen Sie mit, eine bessere Zukunft für Menschen mit Verdauungs- und Lebererkrankungen zu planen. Besuchen Sie www.ueg.eu/research/gi2040/ und stimmen Sie für das Szenario, das Sie für das wahrscheinlichste halten. Senden Sie Ihre Gedanken und Kommentare zur Zukunft von Verdauungs- und Lebererkrankungen in Europa an @my_UEG #GI2040.“

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