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Gastroenterologie 3. November 2014

Stuhl in Kapseln

Mikrobiota-Transfer wird einfacher.

Die Erfolgsquoten der fäkalen Mikrobiota-Transplantation bei rezidivierenden Clostridium-difficile-Infektionen sind beeindruckend. Die praktische Durchführung wirft jedoch Probleme auf. US-Ärzte haben eine neue Darreichungsform erprobt.

Bislang werden zur fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) von einem gesunden Spender auf einen Patienten mit Clostridium-difficile-Infektion (CDI) meistens frische Stuhlsuspensionen verwendet. In Fallserien und einer randomisierten Studie konnten damit etwa 90 Prozent der Patienten mit rezidivierender CDI geheilt werden. Dieser Ansatz schließt jedoch die Anwendung der FMT in Akutsituationen weitgehend aus: Die Donoren müssen vorher gründlich untersucht werden, die Stuhlpräparate sind aber nur etwa sechs Stunden verwendbar.

Um das Problem der beschränkten Haltbarkeit anzugehen, haben Ärzte aus Boston kürzlich mit Erfolg die Applikation von tiefgefrorenen und wieder verflüssigten FMT-Inokula per Magensonde erprobt. Dieselben Ärzte um Ilan Youngster vom Massachusetts General Hospital haben nun eine weitere Verbesserung der Darreichung ersonnen: Die Patienten schlucken an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Kapseln, die Stuhlproben enthalten und bei –80 °C gelagert werden können.

Hohe Heilungsrate

In einer Machbarkeitsstudie wurden 20 Patienten mit rezidivierender CDI (mindestens drei leichte bis mittelschwere oder zwei schwere Episoden) mit den Stuhlkapseln behandelt. Bei 14 Patienten (70 %) führte bereits die erste Behandlung zur Heilung, das heißt zu einer mindestens achtwöchigen Symptomfreiheit. Vier der sechs Nonresponder wurden mit der zweiten Behandlung anhaltend beschwerdefrei. Die Erfolgsquote mit den Kapseln (90 %) entspricht damit den in der Literatur publizierten Raten mit frischen Stuhlpräparationen. Mit im Mittel vier Tagen dauerte es allerdings zwei Tage länger, bis die Symptome verschwanden.

Die Wirksamkeit der Behandlung zeigte sich auch im Patientenurteil: Auf einer Skala zur Einschätzung der gastrointestinalen Gesundheit von 1 bis 10 verbesserte sich der Wert in der Zeit vor der FMT bis acht Wochen danach von 4,5 auf 8 Punkte. Gravierende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die FMT führte außerdem bei keinem Patienten zu Erbrechen. Über vorübergehende Bauchkrämpfe und Blähungen klagten sechs Patienten (30 %), ein Zusammenhang mit der FMT wurde als wahrscheinlich angesehen.

Unklare Langzeiteffekte

„Die Ergebnisse haben nicht nur das Potenzial, die Prozedur sicherer zu machen, sie können auch dazu beitragen, die FMT einem größeren Kreis von Patienten zugänglich zu machen“, so die Überzeugung der Ärzte. Das Einfrieren der Stuhlproben erlaube das vorherige sorgfältige Screening der Spender. Durch die Verwendung von Kapseln würden außerdem invasive Prozeduren wie Koloskopien oder das Legen von Sonden vermieden und dadurch Komplikationsrisiken und Kosten gesenkt.

Youngster und Kollegen betonen allerdings auch, dass ihre Daten als vorläufige Ergebnisse anzusehen seien und in größeren Studien bestätigt werden müssten. Vor allem Infektionsrisiken und Langzeiteffekte des Mikrobiota-Transfers bedürften weiterer Untersuchungen.

 

Originalpublikation: Youngster I et al.: JAMA 2014; online 11. Oktober

springermedizin.de, Ärzte Woche 45/2014

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