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Gastroenterologie 23. August 2014

Ballaststoffe schützen

Komplikationen bei Entzündungen der Darmschleimhaut lassen sich meist vermeiden.

Wenn auch meist harmlos, können Schleimhautausstülpungen in der Darmwand für den Betroffenen eine erhebliche Belastung darstellen. Eine neue Leitlinie Deutscher Fachgesellschaften „Divertikelkrankheit/Divertikulitis“ rät zur Vermeidung schwerer Komplikationen zu einer ballaststoffreichen Ernährung und zur Zurückhaltung bei der Gabe von Antibiotika.

Betroffen sind etwa 30 bis 45 Prozent der Bevölkerung in Deutschland und Österreich. Mit der der neuen Leitlinie (www.dgvs.de/leitlinien/divertikelkrankheit/) wollen die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) das Bewusstsein für die Erkrankung und das richtige therapeutische Vorgehen fördern. Neben der Empfehlung zu ballaststoffreicher Ernährung, weisen die Experten darauf hin, dass Ärzte bei Unterbauchschmerzen auch eine Divertikel-Entzündung als Ursache in Betracht ziehen sollten. Bei der Behandlung der Divertikelkrankheit fordern die Autoren mehr Zurückhaltung im Umgang mit Antibiotika und chirurgischen Eingriffen.

Häufig wird eine Ansammlung von Divertikeln im Dickdarm zufällig bei Darmspiegelungen entdeckt. „Bei mehr als 60 Prozent der über 70-Jährigen finden wir diese eigentlich harmlosen Formveränderungen der Schleimhaut“, so DGVS-Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Wolfgang Kruis, Chefarzt Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Kalk in Köln. Der Gastroenterologe rät Betroffenen, viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu sich zu nehmen. „Ballaststoffmangel ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung einer Divertikelkrankheit“, so Kruis.

Beschwerden und Beunruhigung

Die „Divertikelkrankheit“ ist mit Beschwerden und Komplikationen, wie beispielsweise vorübergehenden Blutungen verbunden. „Wenn die Patienten Blut im Stuhl finden, sind sie häufig beunruhigt und sollten sich auch unbedingt beim Arzt vorstellen“, sagt Kruis. „Häufig kommt die Blutung aber von allein zum Stillstand.“ Eine weitere häufige Ursache für Beschwerden ist zudem eine Entzündung, die entsteht, wenn sich in den Darmausstülpungen bakterienhaltiger Stuhl ansammelt. Greift die „Divertikulitis“ in benachbarte Gewebeschichten über, besteht die Gefahr eines Darmdurchbruchs. „Im schlimmsten Fall kann dies zu einer gefährlichen Bauchfellentzündung führen“, warnt Kruis.

Neben den Schmerzen leiden Betroffene unter anderem an Blähungen, Durchfall oder Verstopfung und oft auch an Fieber. „Im Blutbild lässt sich die Entzündung anhand einer erhöhten Leukozyten-Zahl nachweisen, zusätzlich ist aber ein Ultraschall und gegebenenfalls eine Computertomographie erforderlich“, erklärt Kruis. Bei schweren Entzündungen mit Abszessen, also abgekapselten Eiteransammlungen, empfehlen die Autoren eine Antibiotikatherapie und gegebenenfalls eine Operation.

Ziel der Leitlinien ist auch, eine Übertherapie zu verhindern, nur in Ausnahmefällen ist bei einer unkompliziert verlaufenden Divertikulitis eine Antibiotikagabe notwendig. Nur bei Patienten mit einem besonderen Risikoprofil, etwa aufgrund einer Immunsuppression, sei dies angezeigt.

Quelle: Presseaussendung DGVS und DGAV

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