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© Österreichische Krebshilfe

Die Broschüre „Darmkrebsvorsorge“ ist bei der Österreichischen Krebshilfe erhältlich: www.krebshilfe.at.

 
Gastroenterologie 3. Juni 2014

Pflichttermin zum runden Geburtstag

Frauen und Männer ab 50 sollten unbedingt eine Koloskopie vornehmen lassen: Neun von zehn Darmkrebserkrankungen könnten damit verhindert werden.

Damit die Darmkrebsvorsorge von höchstmöglichem Erfolg gekrönt ist, sollte sie von einem zertifizierten Arzt durchgeführt werden. Der Hauptverband, die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) helfen dabei.

Falsche Ernährung, Übergewicht, chronisch entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut und Rauchen sind die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs. Diese „Sünden“ rächen sich spätestens im Alter: Ab 50 beginnt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, zu steigen. Dickdarmkrebs ist bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebsneuerkrankung in Österreich. Rund 5.000 Menschen erkranken in Österreich jährlich an Darmkrebs, 3.000 sterben daran.

Gutartige Polypen gehen voraus

Dickdarmkrebs unterscheidet sich von allen anderen Krebserkrankungen in einem ganz wesentlichen Punkt: In mehr als 90 Prozent aller Fälle sind vor der Entstehung des Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen in Form von zunächst gutartigen Darmpolypen nachweisbar. Die konsequente Aufspürung und Entfernung dieser Polypen im Rahmen der Darmspiegelung könnte 90 Prozent der Erkrankungen verhindern. Die Koloskopie ist daher seit 2005 ein Bestandteil der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung der sozialen Krankenversicherung und wird allen Frauen und Männern ab dem 50. Lebensjahr im Intervall von zehn Jahren empfohlen.

Eine zentrale Rolle bei der Darmkrebsvorsorge spielt die Qualität. Die Sicherheit und der Erfolg der Untersuchung hängen unmittelbar mit der Untersuchungsqualität zusammen: Ausschlaggebend dafür sind vor allem hohe Hygienestandards (maschinelle, chemisch-thermische Desinfektion der Geräte inkl. regelmäßige mikrobiologische Überprüfung) sowie die Qualifikation und Routine der untersuchenden Ärztinnen und Ärzte sowie des Assistenzpersonals.

Zertifizierte Zentren werden laufend unterstützt

Zur Sicherstellung der Qualität der Vorsorge-Koloskopie betreiben der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und die ÖGGH mit Unterstützung der Österreichischen Krebshilfe bereits seit 2007 das Projekt „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“. Zertifiziert werden nur jene Ärztinnen und Ärzte, die die Qualitätskriterien der ÖGGH erfüllen.

Zertifizierte Ärzte und in weiterer Folge auch deren Patienten profitieren von der wissenschaftlichen Betreuung durch die ÖGGH: Im Rahmen des Projektes werden laufend Erfolgsparameter berechnet und den teilnehmenden Ärzten rückgemeldet, sodass diese ihre Untersuchungsergebnisse verbessern können.

Für die wissenschaftliche Projektleiterin Prof. Dr. Monika Ferlitsch ist die Sicherstellung einer ausreichend hohen Adenom-Entdeckungsrate ein wichtiges Ziel: „Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für Vorsorgeteilnehmer, nach einer Koloskopie dennoch an einem Karzinom zu erkranken, drastisch abnimmt, wenn die Untersucher eine Adenom-Entdeckungsrate von zumindest 20 Prozent nachweisen können. Konkret bedeutet das, dass im Durchschnitt bei jedem fünften gesunden Österreicher ein Adenom im Dickdarm gefunden wird. Eine hohe Adenom-Entdeckungsrate ist daher ein wichtiges Qualitätsmerkmal unserer zertifizierten Ärzte.“

Im Rahmen des Projektes wird von allen teilnehmenden Ärzten die Adenom-Entdeckungsrate neben anderen Parametern berechnet und diesen regelmäßig rückgemeldet, sodass bei einer zu niedrigen Rate Maßnahmen ergriffen werden können, um die Rate auf mindestens 20 Prozent zu steigern.

„Wenn Adenome bei der Vorsorgekoloskopie gefunden werden, sollen diese auch nach Möglichkeit im Rahmen derselben Untersuchung adäquat abgetragen werden“, so Ferlitsch. „Die Art der Abtragung in Bezug auf die Größe der Adenome ist ein weiterer wichtiger Qualitätsparameter, der zur effektiven Darmkrebsvorsorge zählt. Auch hier können im Rahmen der Zertifizierung Standards sichergestellt werden, die letztlich die Sicherheit und den Erfolg der Untersuchung und des Vorsorgeprogramms steigern.“

Die steigenden Teilnehmerzahlen am Projekt „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ sprechen für sich: Derzeit stehen den Versicherten österreichweit bereits 207 zertifizierte Untersuchungsstellen bei niedergelassenen Ärzten und Spitälern zur Verfügung.

Sanfte Koloskopie soll mehr Teilnehmer anlocken

Bei vielen Menschen ist die Darmspiegelung als unangenehm und schmerzhaft verrufen. Seit der Einführung der „sanften“ Koloskopie ist die Untersuchung dank dem Einsatz einer Prämedikation (Kurzanästhesie) schmerzfrei. Alle Ärzte, die im Rahmen des Projekts „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ zertifiziert wurden, bieten die „sanfte“ Koloskopie an.

Mehr Informationen über Dickdarmkrebs, Vorsorgekoloskopie, optimale Vorbereitung und eine Liste der zertifizierten Ärzte finden Sie auf der Webseite des Projekts unter www.vorsorgekoloskopie.at.

Alle Untersuchungsstellen mit Qualitätszertifikat sind auch in der Broschüre „Darmkrebsvorsorge“ der Krebshilfe aufgelistet sowie auf www.oeggh.at/zertifikat beziehungsweise www.krebshilfe.net abrufbar.

 

Kriterien für das Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge

• ausreichende Erfahrung der Untersucher

• Fähigkeit, Polypen in einem Untersuchungsgang abzutragen

• das Angebot der „sanften“ Koloskopie

• die Verwendung von Waschmaschinen zur Gerätedesinfektion

• Hygienekontrollen

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