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© voltan1/iStock
 
Gastroenterologie 28. April 2014

Magen-Darmerkrankungen

Gastritis- und Enteritistherapie natürlich anders

Gastritiden können nicht nur mit PPI & Co. eingedämmt werden. Selbst bei Ulkusgastritiden helfen oft auch alt bewährte Heilkräuter wie die Kamille weiter und bei infektbedingten Gastroenteritiden adsorbierende Mittel, deren aktuelle Einsatzgebiete beim 126. Kongress des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin Ende März in Freudenstadt in Baden-Württemberg diskutiert wurden.

Für die Behandlung von Gastritiden, bei denen eine antibiotische Eradikation von Helicobacter pylori nicht angezeigt oder nicht durchführbar ist, steht eine Reihe von komplementär-alternativmedizinischen Verfahren zur Verfügung. Sie erlauben es, den Einsatz der üblichen Protonenpumpenhemmer, Antazida und H2-Antihistaminika entweder stark zu reduzieren oder gänzlich zu ersetzen.

Martin Adler, niedergelassener Allgemeinarzt und Lehrbeauftragter für Naturheilverfahren an der Universität Münster, empfiehlt bei allen Gastritisformen Leinsamenschleim. Auch Karottensuppe - eine Stunde lang geköchelt, um die darin enthaltenen komplexen Kohlenhydrate optimal aufzuschließen - sei bei Gastritis hilfreich.

Gute Behandlung braucht Zeit

Bei Gastritiden vom Motilitätstyp komme, so Adler, unter anderem die bittere Schleifenblume (Iberis amara) zum Einsatz. Bei akuter Gastritis und bei Gastritis vom Ulkustyp helfen Kamillenblüten. Sie wirken antiphlogistisch und besonders das darin enthaltene ätherische Öl alpha-Bisabolol auch antipeptisch.

Eine besonders wirksame, wenn auch zeitaufwändige Anwendung der Kamille ist die Kamillenrollkur. Dazu werden 15 g Kamillenblüten - etwa fünf Esslöffel - mit einem Liter heißem Wasser übergossen. Diesen Aufguss lässt man fünf bis zehn Minuten ziehen und siebt ihn ab. Die Wirkung kann verstärkt werden, indem man 10 bis 15 ml ethanolisch-wässriger Kamillentinktur hinzugibt. Noch warm, trinkt man zwei Tassen dieses verstärkten Kamillentees, verbringt dann jeweils zehn Minuten erst in Rücken-, dann in Bauch-, Rechtsseiten-, wieder Bauch- und schließlich in Linksseitenlage. Darauf folgt im Idealfall noch einmal eine halbe Stunde Bettruhe mit warmem Leibwickel.

Die Rollkur wird über insgesamt acht bis 14 Tage durchgeführt. Adler ist sich darüber bewusst, dass sich die meisten Patienten nicht die Zeit für eine solche Kur nehmen. Manche könnten aber dafür gewonnen werden, wenn man sie davon überzeugt, wie wirksam diese Methode doch sei.

Bei Ulkuserkrankung haben sich Adler zufolge auch Malvenblätter und -blüten sowie Schafgarbenkraut bewährt. Auch die Süßholzwurzel sei wegen ihrer antiphlogistischen Wirkung in Erwägung zu ziehen. Besonders bei Hypertonikern und Nierenkranken ist allerdings deren potenziell blutdrucksteigernde, natriumsparende und kaliuretische Wirkung zu bedenken.

Cranberrys gegen Helicobacter

Die Wirkung von Cranberry-Früchten auf die Besiedlung mit Helicobacter pylori ist durch mehrere randomisierte, placebokontrollierten Doppelblindstudien belegt. In einer Studie an asymptomatischen Helicobacter-positiven Kindern lag die Eradikationsrate nach der dreiwöchigen Einnahme von Cranberrysaft bei 16,9 Prozent gegenüber 1,5 Prozent in der Placebogruppe. Bei Erwachsenen kam eine chinesische Studie zu ähnlichen Ergebnissen.

Adsorptionstherapie gegen Magen-Darmerreger

Bei Gastroenteritiden im Rahmen eines Infekts spielen in der Erfahrungsmedizin unterschiedliche adsorbierende Substanzen eine Rolle, die Keime und deren Toxine binden und der natürlichen Ausscheidung zuführen sollen.

Dazu zählen etwa Behandlungen mit Heilerde, weißem Ton (Bolus alba), Aktivkohle oder Pektin - etwa aus geriebenen Äpfeln. Zu beachten ist dabei, dass beispielsweise die Aktivkohle die Bioverfügbarkeit vieler Medikamente beeinträchtigen kann.

Dr. Karl-Rüdiger Wiebelitz, leitender Kinderarzt am Kreiskrankenhaus Prignitz, Brandenburg, ergänzt: „Auch der Moortrunk hat sich in der Behandlung der Gastroenteritis bewährt.“ Trinken an sich sei, so Adler, essenziell in der Vorbeugung und Behandlung gastrointestinaler Erkrankungen.

Bei akutem Brechdurchfall sollte man wegen des drohenden Flüssigkeits- und Elektrolytdefizits nicht zu lange mit einer Infusionsbehandlung im stationären Rahmen zögern.

 

Springermedizin.de, Apotheker Plus 4/2014

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