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Gastroenterologie 1. April 2014

Stuhltransplantation – nicht wirklich neu, aber neu entdeckt

Erste Erfolge bei Clostridium-difficile-Infektion und Colitis ulcerosa.

„Fecal microbiota transplantation“ oder auch Stuhltransplantation nennt man die Übertragung von Stuhl eines Gesunden in den Darm eines Kranken. Ziel ist es, eine gestörte oder kranke Darmmikrobiota wieder herzustellen und somit Patienten, die unter bestimmten Darmerkrankungen leiden, zu helfen. In den letzten Jahren geriert die Stuhltransplantation immer mehr in den Fokus von Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Darmmikrobiota und mukosalen Immunologie.

Die Stuhltransplantation ist keine neue Therapieoption. Bereits im 4. Jahrhundert wurde sie das erste Mal von Ge Hong-Dong-jin beschrieben und 1958 das erste Mal durchgeführt. Jedoch geriet diese, bei vielen mit Ekel assoziierte Therapie in Vergessenheit und erlangte erst in den letzten Jahren wieder mehr Interesse. Die Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die dieses Thema beinhalten, wächst stetig. Borody et al. gelingt es, einen Überblick über die große Anzahl neuer Veröffentlichungen zu geben und der Artikel ermöglicht eine klare Übersicht über Indikation, Methoden, Evidenz und die Zukunft der Stuhltransplantation ( Curr Gastroenterol Rep 2013 ).

Es gibt verschiedene Techniken der Stuhltransplantation, sowie auch unterschiedliche Voraussetzungen, die ein Spender mitbringen muss, um Stuhl zu spenden. Der Spender muss gesund sein, darf keine ansteckenden oder chronischen Erkrankungen haben und darf in den letzten Monaten keine Antibiotika genommen haben. Der Stuhl eines Spenders kann in Form einer nasogastralen/nasoduodenalen Sonde, über einen Einlauf oder mittels Endoskopie übertragen werden. Dafür wird der Stuhl zuvor verdünnt und homogenisiert.

Remission bei Clostridium-difficile-Infektion

Eine Stuhltransplantation kann vor allem bei rezidivierender Clostridium-difficile-Infektion eine Therapieoption darstellen. Die erste randomisierte kontrollierte Studie wurde im Vorjahr veröffentlicht ( van Nood E et al.: N Engl J Med 2013 ). Bei rezidivierender Clostridium-difficile-Infektion führte die einmalige Stuhltransplantation zu einer Remission von 81 Prozent. Nach zweimaliger Transplantation konnte eine Remission von 94 Prozent erreicht werden. Im Vergleich zu Remissionen von 23 bis 31 Prozent nach zweiwöchiger Vancomycingabe (500mg) sind die Ergebnisse der Stuhltransplantation somit deutlich überlegen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Es existieren immer mehr Anhaltspunkte, dass eine weitere Einsatzmöglichkeit der Stuhltransplantation die Behandlung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sein kann. Dies gilt vor allem für Patienten die unter Colitis ulcerosa leiden. Wichtig ist hierbei, dass eine einmalige Stuhltransplantation keine Veränderung der Darmmukosa ergab. Jedoch war das Ergebnis einer wiederholten Stuhltransplantation laut T. Borody et al. in zwölf von 21 Fällen (57%) eine komplette Wiederherstellung der Darmmukosa. Solche Ergebnisse sind bisher bei Patienten mit Morbus Crohn nicht zu verzeichnen.

Ein zukünftiger möglicher Einsatz der Stuhltransplantation ist auch für andere Erkrankungen, die möglicherweise mit einer Veränderung der Darmmikrobiota einhergehen, denkbar. Hierzu gehören Erkrankungen wie Adipositas, metabolisches Syndrom oder Diabetes mellitus. Bestandteil zukünftiger Forschung muss auch sein, in welcher Form der Stuhl verabreicht werden kann und wie erfolgreich die verschiedenen Methoden sind. Insbesondere um die Akzeptanz der Patienten zu erhöhen, ist es ein Ziel, den Stuhl in Form von Kapseln zu verabreichen, die oral eingenommen werden können.

Offen sind bisher noch viele Fragen: bezüglich genauer Indikationen, wann eine Stuhltransplantation indiziert sein könnte, mit welcher Methode der Stuhl verabreicht werden soll und wie die passenden Spender ausgewählt werden können. Noch ist unklar, ob die Stuhltransplantation in der Therapie verschiedener Erkrankungen eine Zukunft hat. Hierfür bedarf es weiterer Forschung, in erster Linie randomisierter kontrollierter Humanstudien.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom (DGMIM)

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