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Gastroenterologie 20. Februar 2014

Rom-Kriterien für Reizdarm wenig zuverlässig

Die Diagnose eines Reizdarm-Syndroms anhand symptombezogener Kriterien erspart aufwendige Untersuchungen. Der Preis dafür ist eine nicht geringe Fehlerquote.

Gemäß den Rom-III-Kriterien von 2006 kann ein Reizdarm-Syndrom (Irritable Bowel Syndrome, IBS) diagnostiziert werden, wenn drei Monate lang jeweils an mindestens drei Tagen abdominale Beschwerden bestehen, die mindestens zwei der folgenden Bedingungen erfüllen: Besserung bei Defäkation oder Beginn in Zusammenhang mit Veränderung der Stuhlform oder -frequenz.

Nach einer britischen Studie ist diese Diagnostik jedoch mit großer Unsicherheit behaftet. Laut den Autoren sind die Rom-III-Kriterien „nur mäßig geeignet“, um ein IBS von organischen Erkrankungen zu unterscheiden ( Ford AC et al.: Gastroenterology 2013; 145 (6): 1262–70 ).

Die Ärzte hatten konsekutive Patienten mit unklaren Darmbeschwerden auf das Vorliegen eines IBS untersucht. Die Diagnose galt als gesichert, wenn die Patienten mindestens einmal wöchentlich an Unterbauchbeschwerden litten, die in Zusammenhang zu einer veränderten Defäkation standen, und weder die Koloskopie noch die Histologie Hinweise auf eine organische Ursache lieferten.

Jeder fünfte mutmaßliche Reizdarm ist gar keiner

Von den 1.848 Studienteilnehmern erfüllten 555 (30%) die Rom-III-Kriterien. Ein gesichertes IBS hatten allerdings nur 365 Patienten, von denen wiederum nur 251 per Rom III korrekt identifiziert wurden. Das entspricht einer Sensitivität von 68,8%. Umgekehrt wurden von 1.483 Patienten, die nachweislich kein IBS hatten, lediglich 1.179 anhand der Rom-III-Merkmale als nicht erkrankt erkannt. Die Spezifität lag damit bei 79,5%. Die Wahrscheinlichkeit für ein IBS war demnach gerade mal um das 3,3-Fache erhöht, wenn Patienten mit Unterbauchbeschwerden die Rom-III-Kriterien erfüllten. Umgekehrt war in Abwesenheit der entsprechenden Symptome die IBS-Wahrscheinlichkeit nur um 60% vermindert.

Andere Kriterien zur symptombasierten Diagnose erwiesen sich ebenfalls als nicht besonders zuverlässig: Mit Rom II und Rom I wurde zwar mit 90,2% und 95,8% eine etwas höhere Sensitivität erzielt, sie ging aber zulasten der Spezifität, die nur 71,7% und 70,6% betrug. Die Manning-Kriterien brachten es auf eine Sensitivität von 61,9% und eine Spezifität von 81,8%.

Auch Alarmsymptome sind nicht zur Differenzierung geeignet

Trotz hoher IBS-Prävalenz in der Studiengruppe lag der positive Vorhersagewert aller Tests unter 50%. „Das heißt, wir brauchen genauere Methoden, wenn wir die Krankheit mit Sicherheit diagnostizieren und unnötige Untersuchungen vermeiden wollen“, so das Fazit der Autoren. Auch gastrointestinale Alarmsymptome als Ausschlusskriterien einzubeziehen, verbessert die Treffsicherheit der diversen Kriterienkataloge nicht – im Gegenteil: Zwar lag die Spezifität aller Tests dann bei über 90%, die Sensitivität schrumpfte dadurch aber auf 14 bis 24%.

springermedizin.de, Ärzte Woche 8/2014

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