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Gastroenterologie 25. November 2013

Gallensteine belasten das Herz

Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.

Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) haben herausgefunden, dass Menschen mit Gallensteinen ein um 24 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen. Auch die Annahme, dass die Entfernung der Gallenblase einen Vorteil bringen würde, hat sich nicht bestätigt.

Gallenstein- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten in Ländern mit westlichem Lebensstil häufig auf. Bislang hatten nur sehr wenige Studien untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen den Erkrankungen besteht. Daher analysierten die Forscher um die Medizinerin und Epidemiologin PD Dr. Cornelia Weikert die Daten von zwei großen deutschen Studienpopulationen, die Teil der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition* (EPIC) sind. Bei der Langzeit-Beobachtungsstudie nahmen insgesamt 46.468 weibliche und männliche Studienteilnehmer teil.

Die Wissenschaftler erfassten unter anderem Daten zu Gallensteinerkrankungen, zu Gallenblasenentfernungen sowie zu erstmals aufgetretenen Schlaganfällen und Herzinfarkten über einen Zeitraum von durchschnittlich acht Jahren und werteten sie hinsichtlich bestehender Zusammenhänge aus. In dem Beobachtungszeitraum erkrankten 507 Personen erstmals an einem Herzinfarkt, 412 Menschen erlitten einen Schlaganfall.

Gallenblasenentfernung bringt keine Vorteile

„Unsere Studie ist die erste prospektive Beobachtungsstudie, die den Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Gallensteinen und dem Risiko für sowohl Herzinfarkt als auch Schlaganfall untersucht hat“, sagt Janine Wirth, Erstautorin der wissenschaftlichen Arbeit. „Die Studiendaten weisen nicht nur auf einen Zusammenhang hin, sondern zeigen auch, dass Menschen, die sich einer Gallenblasenentfernung unterzogen haben, keinerlei Vorteile hinsichtlich des Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisikos aus diesem Eingriff ziehen. Dies hatten frühere Studien annehmen lassen“, ergänzt die Autorin weiter. „Ein erhöhtes Risiko gerade bei Personen mit Gallenblasenentfernung könnte auf eine schwerere und länger andauernde Erkrankung hinweisen, die dann wiederum mit einem größeren Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko verbunden ist“, erklärt Weikert, die die Arbeitsgruppe Herz-Kreislauf-Epidemiologie am DIfE leitet.

Bereits 2010 hatte eine Studie** von Cornelia und Steffen Weikert zeigen können, dass Menschen mit Gallensteinen ein um 42 Prozent erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes besitzen. Daher empfiehlt Weikert Ärzten, die Gallensteine bei ihren Patienten diagnostizieren, bei der Weiterbetreuung sowohl das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch das erhöhte Typ-2-Diabetes-Risiko zu berücksichtigen und geeignete Ernährungs- und Lebensstiländerungen zu empfehlen.

 

* Die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) untersucht die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes. An ihr sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt.

** Cornelia Weikert and Steffen Weikert et al., American Journal of Epidemiology 2010; DOI: 10.1093/aje/kwp411

Originalpublikation: Wirth, J. et al. European Journal of Preventive Cardiology 2013 DOI: 10.1177/2047487313512218

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