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Gastroenterologie 14. Oktober 2013

Ungünstiger Effekt

Alkohol kann Reizdarmsymptomatik verschlimmern.

Da sich die Symptomatik von Personen mit Diarrhö-betontem Reizdarmsyndrom unter Alkoholkonsum deutlich verschlechtern kann, sollte bei der Therapie auf diesen Zusammenhang hingewiesen werden.

Die meisten Patienten mit Reizdarm-Syndrom (Irritable Bowel Syndrome, IBS) bemerken selbst, dass diätetische Modifikationen, zum Beispiel die Zufuhr häufiger kleinerer Mahlzeiten, die Symptomatik günstig beeinflussen können. Bezüglich des Alkohols sind die Ergebnisse der vorhandenen Studien sehr unterschiedlich.

Patienten und Methoden

In einer prospektiven Kohortenstudie dokumentierten 166 IBS-Patienten im Alter zwischen 18 und 46 Jahren sowie 48 Kontrollpersonen einen Monat lang täglich ihre gastrointestinalen Symptome, die Alkohol-, Koffein- und Nikotinzufuhr sowie die persönliche Stressbelastung.

Eine Alkoholeinheit war definiert als ein Glas Wein, eine Flasche Bier oder ein Gläschen Schnaps. Die gastrointestinale Symptomatik bezog sich auf Bauchschmerzen, Aufstoßen, geblähtes Abdomen, Windabgänge, dünnflüssige Entleerungen, Obstipation, Übelkeit und Sodbrennen. Der Genuss von vier Einheiten Alkohol an einem Tag wurde als Exzess gewertet.

Ergebnisse

Der Alkoholkonsum unterschied sich bezüglich Menge und Verteilung über den Tag nicht zwischen den Patienten und den Kontrollen. Allerdings bestand bei den IBS-Patienten, nicht jedoch bei den Kontrollpersonen, eine Assoziation zwischen dem Auftreten von gastrointestinalen Symptomen und Alkoholgenuss. Bei den IBS-Patienten kam es vor allem an Tagen nach einem exzessiven Alkoholkonsum hochsignifikant häufiger zu dünnem Stuhl, Übelkeit, Oberbauchschmerzen und Völlegefühl.

Mäßiger oder geringer Alkoholgenuss war nur sehr locker mit gastrointestinalen Symptomen assoziiert. Der Zusammenhang zwischen Alkoholzufuhr und gastrointestinalen Symptomen war bei den Frauen mit Diarrhö-betontem Reizdarmsyndrom wesentlich stärker ausgeprägt als bei Patientinnen mit vorwiegender Obstipation oder gemischtem Reizdarmsyndrom. Exzessiver Alkoholkonsum wirkte sich vor allem beim intraindividuellen Vergleich über die Zeit hinweg aus, geringer dagegen beim Vergleich zwischen verschiedenen Personen.

Kommentar

„Geht es um die therapeutischen Maßnahmen bei Reizdarmsyndrom, so ist von einer Kontrolle des Alkoholkonsums nur selten die Rede“, stellt Prof. Dr. Hermann Füeßl, Klinikum München Ost, in einem Kommentar fest.

Dabei sei auch aus früheren Studien bekannt, dass von 12 bis 17 Prozent der Personen mit Reizdarmsyndrom eine gewisse Intoleranz von Alkohol berichtet wird. „In einer großen Populationsstudie gaben 48 Prozent der IBS-Patienten in einem Fragebogen an, Alkohol zu meiden – wahrscheinlich, weil sich darunter die Beschwerden verschlimmern“, so Füeßl.

Die Effekte von Alkohol auf die Motilität des Magen-Darm-Trakts und die intestinale Permeabilität seien heterogen und im Einzelfall schwer vorhersagbar. Dennoch sollte man IBS-Patienten auf diesen Zusammenhang ansprechen und sie zur Selbstbeobachtung des Zusammenhangs zwischen Alkoholzufuhr und Symptomatik veranlassen.

Füeßl: „Das größte Manko der vorliegenden Studie besteht wohl darin, dass keine Informationen über die Art der zugeführten alkoholischen Getränke vorlagen. Somit muss offen bleiben, ob es sich überhaupt um einen Effekt von Äthanol selbst oder möglicherweise um eine Unverträglichkeit handelt, zum Beispiel der im Bier enthaltenen Kohlenhydrate.“

Originalpublikation: Reding KW et al.: Relationship between patterns of alcohol consumption and gastrointestinal symptoms among patients with irritable bowel syndrome; Am. J. Gastroenterol 2013; 108: 270–276

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2013

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