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Gastroenterologie 30. September 2013

Probiotika gegen Clostridien-Diarrhoe

Functional Food kann zwar die Infektion nicht verhindern, aber die Symptome lindern.

Probiotika wirken prophylaktisch gegen Clostridien-assoziierte Durchfälle nach einer Antibiotikatherapie. Dafür gibt es jetzt zumindest mittelgradige Evidenz aus einer Cochrane-Analyse. Unklar bleibt, welche Lactobacillus-Arten am besten wirken.

Experten des Cochrane-Instituts haben 23 randomisierte kontrollierte Studien mit über 4.000 Teilnehmern gesichtet. Demnach lässt sich die Wahrscheinlichkeit, nach einer Antibiotikatherapie an einer mit dem Darmbakterium Clostridium difficile assoziierten Diarrhö (CDAD) zu erkranken, durch die Einnahme von Probiotika um 64 Prozent reduzieren.

Die Ergebnisse gelten offenbar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Eine Dosisabhängigkeit wurde nicht gefunden. Zwischen verschiedenen Zubereitungen – die in den Studien getesteten Probiotika enthielten unter anderem Lactobacillus casei, acidophilus oder rhamnosus – war zumindest in einer Subanalyse kein Unterschied zu erkennen.

Weniger Krämpfe und Übelkeit

Was die Aussagekraft der Gesamtstudie schmälert, ist nach Joshua Z. Goldenberg et al. ein nicht unerhebliches Verzerrungsrisiko, bedingt durch fehlende Daten in teilweise erheblichem Umfang (bis zu 45 Prozent) in 16 der 23 zugrundeliegenden Studien, sowie eine geringe Ereignisrate von insgesamt nur 154 CDAD-Fällen.

Man hätte etwa doppelt so viele Teilnehmer aufnehmen müssen, um hinreichende Informationen zu gewinnen, so die Autoren. Dennoch: Mit einer Probiotikaprophylaxe parallel zur Antibiotikatherapie könne man nach der derzeitigen Datenlage pro 1.000 Patienten 35 CDAD-Episoden vermeiden, schreiben die Forscher. Nur zwei Prozent der Patienten unter Probiotika entwickelten eine Clostridien-Diarrhoe, im Gegensatz zu knapp sechs Prozent unter Placebo. Die Probiotikaanwender litten zudem deutlich weniger unter Bauchkrämpfen, Übelkeit, Fieber, weichem Stuhl, Flatulenz oder Geschmacksstörungen (13,7 vs. 18,7 %).

Das Urteil der Gruppe lautet abschließend: Probiotika sind in der Anwendung sicher, für ihre Wirksamkeit gegen CDAD wird eine mittelgradige Evidenz attestiert, nicht mehr und nicht weniger.

Gegen die Infektion machtlos

Clostridium difficile ist ein sporen- und toxinbildendes Stäbchenbakterium, das vor allem bei nosokomialen Diarrhöen eine Rolle spielt. Etwa drei Prozent der Normalbevölkerung tragen das Bakterium im Darm, ohne daran zu erkranken. Bei Klinikpatienten steigt dieser Anteil auf etwa 40 Prozent.

Insbesondere unter Antibiotikatherapie kann es jedoch zu massenhafter Vermehrung und Toxinbildung mit teilweise lebensbedrohlichen Durchfällen kommen.

Wie die Cochrane-Studie zeigt, können Probiotika zwar die Clostridien-Diarrhö verhindern. Gegen die Infektion, also die Kolonisation der Darmschleimhaut mit C. difficile, ist das „Functional Food“ dagegen machtlos. Wer während der Antibiotikatherapie probiotikahaltige Lebensmittel zu sich nahm, infizierte sich nur um 11 Prozent seltener als die Vergleichsgruppen unter Placebo oder ohne Therapie: ein nicht signifikanter Unterschied.

Die Experten fordern nun weitere Studien, vor allem auch Kopf-an-Kopf-Vergleiche, um herauszufinden, welche Lactobacillus-Arten am wirksamsten sind.

Originalpublikation:

Goldenberg JZ et al.: Probiotics for the prevention of Clostridium difficile-associated diarrhea in adults and children; The Cochrane Library 2013; 5f, published online 31 May

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