zur Navigation zum Inhalt
© emeraldphoto / fotolia.com
© Smileus / fotolia.com
 
Gastroenterologie 2. September 2013

Verstopfter Darm

Neue Leitlinie „Chronische Obstipation“.

Etwa zehn bis 15 Prozent der mitteleuropäischen Erwachsenen leiden unter chronischer Verstopfung. Vor allem Frauen kämpfen mit Blähbauch, Völlegefühl und einer gestörten Stuhlentleerung. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat nun gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) eine Leitlinie zur chronischen Obstipation veröffentlicht.

Für eine wirksame Therapie empfehlen die Experten die Anwendung eines Stufenschemas: ausgehend von ballaststoffreicher Ernährung reicht der Behandlungsplan über die Einnahme verschiedener Medikamente bis hin zur Operation.

Mindestens drei Monate und zwei weitere Leitsymptome

Eine chronische Obstipation liegt gemäß der neuen Leitlinie dann vor, wenn Patienten seit mindestens drei Monaten unter „unbefriedigender Stuhlentleerung“ leiden und zwei weitere Leitsymptome hinzukommen. Diese können zum Beispiel „starkes Pressen“, „klumpiger harter Stuhl“ oder „subjektiv unvollständige Entleerung“ sein.

Wichtig bei der Wahl der Therapie ist die Unterscheidung zwischen einer mechanisch oder funktionell bedingten Stuhlentleerungsstörung und einer Transportstörung des Darmes; wobei auch beides gemeinsam vorliegen kann. Als Basistherapie empfiehlt der Stufenplan zunächst, den Lebensstil zu prüfen: Der Patient sollte auf ballaststoffreiche Ernährung achten, ausreichend trinken und sich regelmäßig bewegen. „Die Ernährung mit Flohsamenschalen und Weizenkleie zu ergänzen, ist sicherlich einen Versuch wert“, erklärt Andresen. Die Empfehlungen zu Trink- und Bewegungsgewohnheiten haben allerdings ihre Grenzen: „Mehr als eineinhalb bis zwei Liter am Tag zu trinken oder über die Maßen Sport zu treiben, hat nachweislich keinen therapeutischen Effekt“, so die Wissenschaftlerin.

Führt die Lebensstil- und Ernährungsumstellung nicht zum gewünschten Erfolg, stehen heute eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Bei Darm-Transportstörungen empfehlen die Autoren der Leitlinie als Mittel der ersten Wahl verschiedene Medikamente aus dem Bereich der klassischen Abführmittel (Makrogol, Bisacodyl, Natriumpicosulfat), die unter anderem dafür sorgen, dass der Stuhl flüssiger und fülliger wird und der Darm dadurch angeregt wird. Diese Präparate können auch langfristig eingesetzt werden.

Alternativ kommen Zuckerstoffe oder „Anthrachinone“ in Betracht, während Salz basierte Mittel und Öle aufgrund möglicher Nebenwirkungen weniger empfehlenswert sind. „Nötigenfalls muss der Patient das Präparat wechseln oder eine Kombinationstherapie ausprobieren“, erläutert Andresen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, ist der Einsatz von Prokinetika sinnvoll. Das sind Medikamente, die direkt im Darmnervensystem die Bewegung des Darmes anregen. Bei Stuhlentleerungsstörungen kommen neben einer gezielten Therapie der Entleerungsstörung unterstützend Abführzäpfchen oder Einläufe zum Einsatz.

„Die Empfehlung zur Operation ist natürlich die absolute Ausnahme“, erklärt Leitlinienkoordinatorin Dr. med. Viola Andresen, Oberärztin der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus, Hamburg. Eine Entfernung des Dickdarms oder der Einsatz eines Darmschrittmachers kämen - wenn überhaupt - nur für wenige Patienten in Frage, die unter der schwersten Form der Obstipation, einer sogenannten Darmlähmung, leiden und denen keine andere Therapie hilft.

„Unser Anliegen ist es, dass die chronische Obstipation als Erkrankung ernst genommen wird, denn sie geht häufig mit sehr hohem Leidensdruck einher“, erklärt Andresen. „Die verbreitete Auffassung, dass es sich um eine banale - womöglich selbst verschuldete - Befindlichkeitsstörung handelt, ist heute wissenschaftlich widerlegt.“

Die Leitlinie im Internet: http://www.dgvs.de/2659.php

Quelle: Presseinformation der DGVS

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben