zur Navigation zum Inhalt
 
Gastroenterologie 24. Juni 2013

Manschette toppt Medikamente

Bei Refluxkrankheit ist die Fundoplicatio auf Dauer wirksamer als PPI.

Die Symptome einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) sprechen besser auf eine laparoskopische Fundoplicatio als auf eine dauerhafte PPI-Einnahme an. Der Vorteil besteht nicht nur kurzfristig, sondern auch noch fünf Jahre später, wie eine britische Studie belegt.

In der Studie mit dem Akronym REFLUX waren 357 GERD-Patienten, die seit mehr als einem Jahr PPI erhalten hatten, randomisiert der chirurgischen (n = 178) oder der konservativen (n = 179) Behandlung zugeteilt worden. Parallel dazu waren 453 Patienten nach ihrer persönlichen Präferenz behandelt worden, 261 hatten für die Operation votiert.

Wie bereits publiziert, hatten die Patienten mit Fundoplicatio im ersten Jahr eine stärkere Besserung ihrer Beschwerden erfahren und gaben diesbezüglich auch eine bessere Lebensqualität an als die PPI-Patienten (Grant: BMJ 2008). Die jetzt erhobenen Fünf-Jahres-Daten von 69 Prozent der randomisierten Patienten bestätigen die Überlegenheit des chirurgischen Vorgehens.

Weniger Refluxsymptome

Zu diesem Zeitpunkt waren in den randomisierten Studienarmen nur 63 Prozent der Patienten (112/178) der Operationsgruppe, aber auch 13 Prozent (24/179) der Medikamentengruppe einer laparoskopischen Fundoplicatio unterzogen worden. Antirefluxmedikamente schluckten nach fünf Jahren 44 Prozent der Patienten (56/127) in der Operationsgruppe und 82 Prozent in der Medikamentengruppe (98/119).

Die Beurteilung der GERD-bezogenen Lebensqualität mit dem REFLUX-Score favorisierte ebenfalls die chirurgische Refluxtherapie: Auf der Skala von 0 bis 100 – höhere Werte entsprechen einer höheren Lebensqualität – lag die Operationsgruppe 8,5 Punkte über der PPI-Gruppe. Wurden nur die Patienten berücksichtigt, die tatsächlich operiert worden waren, betrug die Differenz sogar 11,5 Punkte zugunsten der Chirurgie. Die Patienten der Fundoplicatio-Gruppe litten seltener an Sodbrennen, Regurgitation und Aufstoßen. Auch bei den Teilnehmern des nicht randomisierten Studienteils erwies sich die Operation als die dauerhaft wirksamere Strategie.

Niedrige Komplikationsrate

Von den insgesamt 364 Patienten mit chirurgischer Refluxtherapie mussten 4,4 Prozent erneut operiert werden und 3,3 Prozent hatten eine späte Komplikation. Potenzielle Nebenwirkungen der Fundoplicatio wie Flatulenz, Schluckstörungen oder die Unfähigkeit, sich zu übergeben, traten – im Gegensatz zu anderen Studien – nicht häufiger auf als in der PPI-Gruppe. Die Studienautoren um Prof. Dr. Adrian Grant von der Universität Aberdeen führen das darauf zurück, dass bei über der Hälfte der Patienten nur eine partielle Fundoplicatio vorgenommen wurde.

„Die Fünf-Jahres-Daten zeigen, dass die laparoskopische Fundoplicatio für GERD-Patienten, die eine Langzeittherapie brauchen, dauerhaft für eine bessere Beschwerdereduktion und damit für eine höhere Lebensqualität sorgt“, schreiben Grant und Kollegen. Dabei nehme der potenzielle Nutzen des Eingriffs mit dem Schweregrad der Ausgangssymptomatik zu.

Originalpublikation:

Grant AM et al.: BMJ 2013; 346:f1908

springermedizin.de, Ärzte Woche 26/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben