zur Navigation zum Inhalt
© Springer Verlag GmbH
 
Gastroenterologie 15. April 2013

Neues Therapieziel: Heilung der Schleimhaut

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen besser erforschen und behandeln

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) lässt sich die entzündete Schleimhaut durch Medikamente behandeln. Am besten wirkt die Therapie, wenn der Arzt sie genau dem jeweiligen Zustand der Schleimhaut anpasst, so die aktuelle Studienlage. Dafür muss er den Darm bei einer Darmspiegelung endoskopisch untersuchen. Um weitere Fortschritte in der Behandlung von Menschen mit CED zu erreichen, müssten die komplexen Entzündungsvorgänge noch besser verstanden werden fordert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leben mit Rückschlägen. Denn die beiden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verlaufen schubförmig. Beschwerdefreie Phasen wechseln mit heftigen Ausbrüchen von Darmentzündungen ab. Die Patienten leiden unter häufigen Bauchschmerzen, Darmblutungen und Durchfällen.

Dies schränkt die Lebensqualität erheblich ein. „Vor allem aber können die Krankheitsschübe zu gefährlichen Komplikationen führen und dauerhafte Schäden hinterlassen“, erläutert Prof. Dr. Markus F. Neurath, Direktor der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Erlangen. Deshalb sei das Hauptziel der Therapie, die akute Darmentzündung zu behandeln und nachfolgend neue Schübe durch Medikamente zu verhindern.

Abwehrreaktion des Körpers

Eine Ursache der Entzündung sehen Experten in einer übermäßigen Abwehrreaktion des Körpers gegen die eigenen Darmbakterien. Die Entzündung bei Morbus Crohn kann dabei alle Schichten von Dünn- und Dickdarm erfassen. Dagegen setzen Ärzte heute Immunsuppressiva ein. Sie hemmen die entzündlichen Vorgänge, sind aber mit Nebenwirkungen verbunden. Bei Colitis ulcerosa beschränkt sich die Entzündung auf die Schleimhaut des Dickdarms. Hier wirkt neben Immunsuppressiva auch Mesalazin, ein gut verträgliches anti-entzündliches Mittel.

Gegen beide Erkrankungen verwenden Ärzte seit einigen Jahren auch sogenannte Biologika. Diese Medikamente schalten sehr gezielt spezifische Signale der Entzündungsreaktion aus. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Biologika zur Behandlung der CED und einige neue wurden erfolgreich in Studien getestet. „Damit können viele Patienten über längere Zeit beschwerdefrei leben“, sagt Neurath.

Wichtig sei jedoch, den geeigneten Zeitpunkt für ein Absetzen der Medikamente zu finden. Dies ermögliche nur eine Darmspiegelung, meint Neurath. Neue Endoskope zeigen hierbei die Oberfläche des Darms sogar in HD-Qualität und der Arzt kann das krankheitsbedingt veränderte Gewebe optimal beurteilen. „Eine heilende Schleimhaut zeigt an, dass die Erkrankung zurzeit nicht weiter fortschreitet und der Schub abklingt“, meint Neurath.

Auch wenn Endoskopien für den Patienten belastend sind: „Es bleibt den Patienten dadurch die Behandlung mit Medikamenten erspart, die das Immunsystem schwächen und sie für Infektionen anfällig machen könnten. Zudem können wir den weiteren Krankheitsverlauf anhand der Heilung der Schleimhaut im Darm besser abschätzen.“

Quelle: Presseinformation Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben