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© marylooo / shutterstock.com
Gluten („Klebereiweiß“) verursacht oft zahlreiche unspezifische Beschwerden.
 
Gastroenterologie 28. Jänner 2013

Keine Zöliakie, aber was dann?

Eine neue Form der Glutenunverträglichkeit beschäftigt zunehmend auch die Wissenschaft.

Bauchschmerzen, Übelkeit, Völlegefühl – Gluten löst bei vielen Menschen Beschwerden aus und das oft sehr unspezifisch. Während Zöliakie und Weizenallergie gut erforscht sind, wird derzeit eine neue Form der glutenassoziierten Beschwerden diskutiert: die Gluten Sensitivity oder auch Glutensensitivität (GS).

Bis vor kurzem wurden die Begriffe Glutensensitivität und Zöliakie in der Literatur synonym verwendet. Doch aus jüngsten Untersuchungen lassen sich erste Unterschiede zwischen Zöliakie und Glutensensitivität ableiten. Bei dieser neuen klinischen Entität der gluten-related disorders (glutenbedingte Beschwerden) handelt es sich um eine eigenständige Form der Glutenunverträglichkeit. Bei vielen Betroffenen blieb in der Vergangenheit eine Glutensensitivität (GS) oft unentdeckt, da man die Reaktion auf Gluten bislang für Zöliakie gehalten hatte. Schätzungen zufolge ist von GS eine deutlich höhere Anzahl von Menschen betroffen als von Zöliakie. Bei Zöliakie wird die Prävalenz bei bis zu einem Prozent der Bevölkerung europäischer Herkunft, im Kindes- wie im Erwachsenenalter, geschätzt.

Eine Reihe unspezifischer Symptome

GS löst weder allergische noch autoimmune Mechanismen im Körper aus und führt aber zu einer Reihe von unangenehmen Symptomen. Kennzeichnend für GS, die vor allem Erwachsene trifft, sind gastroenterologische Symptome wie Völlegefühl, Flatulenz, Diarrhö, Obstipation und Bauchschmerzen. Aber auch andere Symptome, die auf körperlicher, neurologischer und psychischer Ebene liegen, sollen Ursache für eine GS sein wie depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Migräne, Gleichgewichts- und Menstruationsstörungen, Hautekzeme, eingerissene Mundwinkel, Muskelschwäche (-abbau), Knochen- und Gelenksschmerzen sowie unerklärliche Gewichtsschwankungen.

Keine Beschädigung der Dünndarmzotten

Die komplexen Symptome einer Glutensensitivität treten oft Stunden nach dem Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln auf. In manchen Fällen kann es auch Tage dauern. Anders als bei Zöliakie werden aber die Dünndarmzotten nicht beschädigt und daher auch keine Folgeschäden erwartet. Bei entsprechender Diät, also bei Verzicht von glutenhaltigen Nahrungsmitteln, kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einem Rückgang und zur Linderung der Symptome. Bei Zöliakie hingegen kann es teilweise mehrere Monate dauern, bis eine Besserung der Beschwerden nach Einführung der Glutenabstinenz eintritt.

Forschung noch am Anfang

Die Forschung über Glutensensitivität steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen und daher sind bislang noch keine spezifischen Diagnostika zur Identifizierung bekannt. Nur durch eine Ausschlussdiagnose ist es möglich, GS zu erkennen und mit einer glutenfreien Ernährung zu behandeln.

Im Rahmen der ersten Konsensuskonferenz zu Glutensensitivität 2011 in London wurde ein mehrstufiges Diagnostikmodell erarbeitet, mit dem eine Glutensensitivität erkannt werden soll. Im Dezember 2012 fand abermals ein Expertentreffen zu diesem Thema statt. Ein internationales Forscherteam diskutierte unter anderem wie Glutensensitivität definiert werden sollte, wie man die Diagnose verbessern kann und inwiefern sich eine Ernährungsumstellung als Therapie eignet. Zudem wurde das Diagnosemodell durch aktuelle klinische Erkenntnisse ergänzt. Die Experten sind sich jedoch in Bezug auf die Diagnosestellung einig: Bevor man von Glutensensitivität sprechen kann, muss zuerst eine Zöliakie vom Facharzt ausgeschlossen werden (Ausschluss einer Weizenallergie, Ausschluss einer Zöliakie und der damit verbundenen Zerstörung der Dünndarmzotten und Linderung der Symptome bei glutenfreier Kost).

Diätetische Maßnahmen

Wird eine GS vermutet, so muss die Ernährung umgestellt werden. Grundsätzlich sollten folgende Getreidesorten vermieden werden: Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Weizen, Grünkern, Emmer und Kamut. Verarbeitet kommen sie auch in Backwaren (z. B. Brot, Kuchen etc.), Keksen, Müsli, Knabbergebäck, Bier, Paniermehl und Teigwaren vor. Insbesondere bei Fertigprodukten muss genau darauf geachtet werden, dass keine glutenhaltigen Zutaten verwendet wurden. Da Gluten technologisch gerne als Emulgator, zum Gelieren, Stabilisieren und als Trä-ger von Aromastoffen eingesetzt wird, ist dies nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.

Quellen: forum.ernährung heute/ Mag. Marlies Gruber

Presseinformationen des

Dr. Schär Instituts

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