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Trizyklika wirken nicht nur antidepressiv, sondern auch spasmolytisch bei Reizdarm.
 
Gastroenterologie 14. Jänner 2013

Antidepressiva lindern auch Darmerkrankungen

Symptomreduktion bei Reizdarm, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom oder CED sind psychische Störungen eine häufige Begleiterscheinung.

Insgesamt besteht bei 70 bis 90 Prozent der Reizdarmpatienten eine psychische Begleiterkrankung, berichtete Prof. Dr. Martin Schäfer, Klinikum Essen-Mitte, beim DGPPN-Kongress in Berlin. Bei CED ist die Häufigkeit zwar nicht ganz so hoch, die Ein-Jahres-Prävalenz für Depressionen liegt mit 15 bis 16 Prozent jedoch deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Allerdings werden nur etwa 40 Prozent der Patienten mit CED und Depressionen auch antidepressiv behandelt. Dies sei durchaus bedenklich, da Depressionen mit einem schlechteren Krankheitsverlauf bei Reizdarm und CED einhergehen, meint Schäfer.

Trizyklika oft besser als Spasmolytika

Antidepressive Therapie kann aber nicht nur die psychischen Symptome lindern, sondern auch Darmbeschwerden reduzieren. Besonders gut belegt sei dies für eine Therapie mit Trizyklika bei Reizdarm. Hier wirkten die Medikamente auch spasmolytisch – oft sogar besser als Spasmolytika – und analgetisch: Die NNT zur Linderung abdominaler Schmerzen betrage nur 3. Ähnliche Effekte wurden auch für SSRI nachgewiesen.

Zur Therapie mit Antidepressiva bei Reizdarm empfiehlt Schäfer zunächst ein niedrig dosiertes Trizyklikum wie Amitriptylin (10–25 mg/d), das bei stärkeren Symptomen auch etwas höher dosiert werden könne (50–100 mg/d). Alternativ eigne sich auch Duloxetin, beginnend mit 30mg, bis zu 90 mg/d. Bei Unverträglichkeit dieser Medikamente sowie ausgeprägten Depressionen und Angststörungen seien SSRI eine Option. Die Therapie sollte mindestens sechs bis zwölf Monate dauern,

Bei CED, so Schäfer, gibt es bislang nur wenige Studien, die einen Einfluss der antidepressiven Therapie auf den Verlauf nahelegen. In einer kleinen Studie erhielten 14 Patienten mit Colitis ulcerosa sowie 15 mit Morbus Crohn aufgrund einer Depression ein Jahr lang Antidepressiva. In dieser Zeit kam es zu weniger Rezidiven, und die Patienten benötigten seltener Endoskopien als im Jahr vor der antidepressiven Therapie. Trotz der geringen Teilnehmerzahlen waren die Ergebnisse hochsignifikant. Allerdings ließ sich mit der antidepressiven Therapie der Bedarf an CED-Medikamenten nicht reduzieren, auch blieb die Zahl der ambulanten Untersuchungen und stationären Aufnahmen konstant.

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 3/2013

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