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© Catalin Petolea / shutterstock
Eine Refluxerkrankung liegt vor, wenn die Symptome Leidensdruck auslösen.
 
Gastroenterologie 18. Oktober 2012

Reflux vom Magen lokal bremsen

Neuer Baustein in der therapeutischen Stufenleiter.

Die Betroffenheit ist weitreichend, die verschriebenen Medikamente ebenso – manchmal jedoch etwas überschießend. Die gastrointestinale Refluxerkrankung, kurz GERD, zählt beinahe schon zur Volkskrankheit, obwohl sie eher Symptom ist. Säureblocker werden häufig routinemäßig in den verschiedensten Lebenslagen verschrieben und eingenommen – mit dem Risiko von Nebenwirkungen. Ein neuartiger Wirkmechanismus soll für leichte Erscheinungsformen der GERD nun eine nebenwirkungsfreie Alternative anbieten. Eine Schutzschicht verhindert den Rückfluss des Mageninhalts.

.„Etwa 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden einmal pro Monat unter Sodbrennen, etwa zehn Prozent einmal in zwei Wochen“, stellte Prof. Dr. Rainer Schöfl von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin und Endokrinologie im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, fest. Eine Refluxerkrankung liegt vor, wenn die Symptome Leidensdruck auslösen. Der Großteil der Betroffenen leidet an gelegentlichen und eher leichten, wenngleich unangenehmen Beschwerden und kommt in die Allgemeinpraxis.

Bei etwa einem Drittel der Betroffenen liegt hingegen eine erosive Refluxkrankheit mit endoskopisch bzw. bioptisch erkennbaren Veränderungen der Speiseröhrenschleimhaut vor, die eine intensivere Therapie und Kontrolle erfordert. Mögliche Langzeitkomplikationen sind gutartige Engstellen, das Barrett-Syndrom mit intestinaler Metaplasie und Speiseröhrenkrebs (etwa 170 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich).

Die Ursachen für Sodbrennen und Refluxkrankheit sind meist Lebensstil bedingt: Zu üppiges und zu hastig eingenommenes Essen, zu viel Alkohol, Rauchen und Dauerstress führen zur Überproduktion der Magensäure, die in die Speiseröhre aufstößt. Erleichterung ließe sich durch eine dauerhafte Änderung des Lebensstils erreichen – was der Mehrheit der Betroffenen schwerfällt. Verhaltenstipps gegen Sodbrennen und Refluxkrankheit wären:

  • Tragen locker sitzender Kleidung
  • Nicht zu rauchen
  • Schlafen mit erhöhtem Oberkörper
  • Nach dem Essen drei Stunden warten mit dem Hinlegen
  •  Mehrere kleine, nicht so schwere Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • Beim Essen aufrecht sitzen
  • Essen in entspannter Umgebung
  • Das Essen gut kauen
  • Zeit nehmen für das Essen
  • Mahlzeit nicht „nebenbei“ essen
  • Schlafen auf der linken Körperseite erleichtert die Magenentleerung
  • Vermeiden von Nüchternphasen

Stufen der Diagnostik und Therapie

Personen, die gefährdet sind, einen abwendbaren gefährlichen Verlauf zu entwickeln, möglichst frühzeitig herauszufinden, ist die Herausforderung für den Hausarzt, erklärte Dr. Christian Euler, Arzt für Allgemeinmedizin, Rust. Sowohl diagnostisch wie therapeutisch gelte es daher einem Stufenplan nach Schweregrad und Stadium zu folgen, nach dem Prinzip: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Denn die langfristige Säureunterdrückung kann nicht nur zur Erhöhung der Säureproduktion führen, sondern es sind auch Wechselwirkungen mit anderen Dauermedikationen zu bedenken.

Der therapeutische Stufenplan beginnt mit der Bedarfsmedikation, für die lokal wirksame Antazida und neuerdings auch das Natriumalginat zur Verfügung stehen, ebenso wie H2-Blocker. Während Antazida die Magensäure neutralisieren und H2-Blocker die Sekretion von Magensäure systemisch hemmen, bildet das Natriumalginat, das kurz nach dem Essen eingenommen wird, eine gelartige Schutzschicht über dem Nahrungsbrei und verhindert so dessen Rückfluss in die Speiseröhre. Damit bleibt die Magensäure selbst unverändert im Magen vorhanden und kann ihre Funktion, weiter erfüllen.

Tritt der Reflux zweimal in der Woche auf, sind die modernen Protonenpumpenhemmer und eine Gastroskopie angebracht. Sind hier keine Besonderheiten zu erkennen, können PPI ein bis drei Monate verabreicht werden. Je nach Entwicklung der Beschwerden kann die Dosis gesteigert oder reduziert werden. „Ziel ist“, so Schöfl, „nach ein bis drei Monaten wieder medikationsfrei zu sein oder nur noch nach Bedarf Medikamente zu nehmen.“ Allerdings werden PPIs heute häufig unreflektiert als Dauermedikation eingesetzt, stellte Euler fest: „Sie werden häufig als langfristige Magenschutztherapie beispielsweise bei Patienten eingesetzt, die nichtsteroidale Antirheumatika bekommen. PPIs sind hochpotente, wertvolle Medikamente, werden jedoch oft auch verordnet, wenn mit weniger stark in den Organismus eingreifenden Präparaten durchaus das Auslangen zu finden wäre.“ Mit dem pflanzlichen Natriumalginat (Gaviscon®) steht ein lokal wirksames Medikament zur Verfügung, das vom Körper nicht aufgenommen wird und unverstoffwechselt wieder ausgeschieden wird. Systemische Wirkungen und Wechselwirkungen werden dadurch ausgeschlossen.

Quelle: Pressekonferenz, GERD: Die brennende Gefahr, 27. September 2012, Wien

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