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Gastroenterologie 10. April 2012

Zu viel – zu wenig

Darmtätigkeit regeln

Funktionelle gastrointestinale Störungen (FGIS) stellen nicht nur die häufigsten Erkrankungen in den ärztlichen Ordinationen dar, sie sind auch einer der häufigsten Gründe für eine Beratung in der Apotheke. Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Verstopfung bedeuten für viele Menschen eine Einschränkung ihrer Lebensqualität. Allerdings sind Verdauungsprobleme auch mit manchen Irrtümern verbunden und stehen häufig mit psychosozialen Aspekten im Zusammenhang.

FGIS werden weltweit bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung gefunden. „Der tatsächliche Leidensdruck kann nur“, so Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser, „in einem Verständnis für die bio-psycho-soziale Situation erfasst werden, denn weder allein der somatische noch allein der psychische Zustand widerspiegelt das Beschwerdebild.“ Diese Erkenntnis hat wesentlich zu einem Paradigmenwechsel beigetragen.

In der Kundenberatung sollte der Apotheker diese psychosoziale Komponenten immer mitbedenken. Je nach Kundenbedarf stehen bei Diarrhoe und Obstipation als funktionellen Störungen unterschiedlichste Selbstmedikationsmittel zur Verfügung, die durch gezielte Fragen entsprechend eingesetzt werden sollten, erklärt Dr. Lieselotte Hartmann. Bei Durchfall ist die Erstmaßnahme die orale Rehydratation mit entsprechenden Lösungen, als Arzneistoffe stehen der Apotheke in der Selbstmedikation weiters Loperamid, Mikroorganismen, Adstringenzien, Adsorbenzien und Cromoglycinsäure zur Verfügung. Als wichtige Information bei Diarrhoe sollte der Patient an den Arzt verwiesen werden, wenn sich der Durchfall nach zwei, spätestens drei Tagen nicht gebessert hat oder nach dem Absetzen des Arzneimittels wieder einsetzt.

Die Eigendiagnose ist vor allem beim Thema Verstopfung zu hinterfragen, so Hartmann, da viele Menschen völlig falsche Vorstellungen davon haben, was eine normale Stuhlfrequenz ist. „Das günstigste Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkung haben derzeit die stimulierenden Laxanzien und der Wirkstoff Macrogol“, zitiert Hartmann Prof. Stephan Müller-Lissner. Mögliche Ergänzungen sind Quell-, Ballaststoffe (helfen bei 20% der Patienten), Probiotika, Spasmolytika, Homöopathika, Alumina D6, Opium D12 und Schüßler Salze.

 

Quelle: Gabriele Moser: Funktionelle gastrointestinale Störungen, Wien Med Wochenschr (2006) 156/15–16: 435–440

Lieselotte Hartmann, Beratungskompetenz Magen und Darm in der Apotheke, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012

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