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Pflanzliche Kombinationen mit Mariendistel fördern die Darmmotilität.
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Gastroenterologie 17. April 2012

Phytotherapie beruhigt den Magen

Auch wenn die funktionelle Dyspepsie keine organisch gravierende Erkrankung ist – die Symptome sorgen für hohen Leidensdruck.

Unspezifische Magenbeschwerden zählen zu den häufigsten Beschwerden, die Kunden in der Apotheke vortragen. Immerhin beträgt die Prävalenz eines Reizmagens (funktionelle Dyspepsie/FD) etwa 20 Prozent. Viele Betroffene klagen außer über Beschwerden im oberen Gastrointestinaltrakt auch über Symptome im unteren (Reizdarm). Die Erkenntnisse über die Krankheitsursachen sind nach wie vor unzureichend. Wichtige Hinweise auf eine funktionelle Dyspepsie sind Beschwerden, die in Zusammenhang mit Mahlzeiten auftreten, wenn Kunden sagen, dass sie sich häufig schon nach dem zweiten Bissen satt und aufgebläht fühlen und wenn sie gleichzeitig angeben, gestresst zu sein.

 

Die Diagnose stellt letztlich der Arzt über den Ausschluss organischer Erkrankungen. Haben Patienten heftige, die Alltagsaktivität einschränkende Beschwerden ist die Information, dass keine organische Krankheit vorliegt, oft wenig befriedigend. Eine intensive Beratung über das Wesen der Erkrankung ist daher außer einer symptomorientierten Therapie maßgeblich für den Behandlungserfolg.

Phytotherapeutika punkten bei vielen Beschwerden

„Finden sich in der Untersuchung keine Besonderheiten, mache ich eine Therapie ex juvantibus für zunächst sechs bis acht Wochen“, so Dr. Jürgen Bethscheider aus Schiffweiler. Wie der Allgemeinarzt betont, kommt es in der Beratung darauf an, Patienten zunächst zur Änderung des Lebensstils zu bewegen. Dazu zählen vermehrte körperliche Aktivität, Reduzierung von Tabak- und Alkoholkonsum, Stressabbau und kleine, leichte Mahlzeiten – eine spezifische Diät gibt es jedoch nicht.

Ziel der Therapie ist darüber hinaus, die subjektiv oft starken, und von Patient zu Patient heterogenen Beschwerden wie Sodbrennen, Meteorismus, Völlegefühl, Übelkeit, Magenkrämpfe, Durchfall oder Verstopfung gezielt zu lindern. Das gelingt oft mit nichtverschreibungspflichtigen Präparaten.

Schmerzlindernd, reflux- und entzündungshemmende Wirkung

Bethscheider setzt dabei vor allem auf die Phytotherapie. Nach seinen Erfahrungen hat sich eine Kombination aus bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmel- und Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Schöllkraut und Pfefferminzblättern bewährt. In mehreren klinischen Studien wurde damit ein schmerzlindernder, motilitätsfördernder, reflux- und entzündungshemmender Effekt nachgewiesen. So waren in einer Vergleichsstudie mit Metoclopramid signifikant mehr Patienten durch das Phytotherapeutikum beschwerdefrei (Z Gastroenterol 2007, 45:1041-1048).

Speziell gegen gasassoziierte Beschwerden wie Magendrücken, Völlegefühl, Blähungen und vorzeitiges Sättigungsgefühl können ebenfalls pflanzliche Zubereitungen helfen, etwas solche mit Enzianwurzel, Kümmelfrüchten, Pfefferminz- und Artischockenblättern. Dabei regen die Bitterstoffe im Enzian die Verdauung an. Die ätherischen Öle in Kümmel und Pfefferminze wirken krampflösend und Artischockenextrakte regen den Gallenfluss an und verbessern so die Fettverdauung. Positive Effekte wurden sowohl für Fertigarzneimittel mit Pfefferminzöl als auch standardisierten Artischockenextrakt (900–1800 mg/Tag) nachgewiesen.

Bei Gastritis – Pfefferminzöl in höheren Dosen

Wichtig bei Kunden, bei denen eine chronisch azide Gastritis bekannt ist: Sie sollten Pfefferminzöldosen über 100 mg in Kapselform einnehmen. Bei der Einnahme magensaftresistenter Kapseln sollten sie außerdem darauf hingewiesen werden, einen Abstand von mindestens einer Stunde zu Antacida einzuhalten. Zur Elimination gastrointestinaler Gase können zudem synthetische Wirkstoffe empfohlen werden. Zur Verbesserung der Verdauungsprozesse kann ergänzend auch zur Einnahme von Pankreatin, einem Gemisch aus Enzymen der Bauchspeicheldrüse, geraten werden. Bei krampfartigen Schmerzen im Verdauungstrakt wirkt wiederum Butylscopolamin oft lindernd.

Bei Refluxsymptomatik ist Omeprazol erste Wahl

Zudem zählen säurehemmende Pharmaka zu den wichtigsten Substanzen in der FD-Therapie, wenn eine Refluxsymptomatik und Ulkus-ähnliche Schmerzen im Vordergrund der Beschwerden stehen. In Studien haben sich sowohl H2-Antagonisten wie auch Protonenpumpenhemmer als wirksam bei FD gezeigt. In beiden Wirkstoffgruppen gibt es mit Famotidin/Ranitidin und Omeprazol/Pantoprazol rezeptfreie Arzneimittel.

Wohltuende Wärme gegen Bauchschmerzen

Bei dyspeptischen Beschwerden werden vorwiegend Arzneimittel eingesetzt, die die gastrointestinale Motorik anregen (Amara/Aromatika) und dadurch Völlegefühl, Meteorismus, Oberbauchbeschwerden und Krämpfe lindern, sowie ätherische Öl-Rezepturen, die spasmolytisch, peristaltikfördernd und antibakteriell wirken.

Häufig in Tees genutzte Pflanzenbestandteile sind: Angelika-, Enzian- und Löwenzahnwurzel, Pomeranzenschalen und Pfefferminzblätter, Schafgarben-, Tausendgülden- und Wermutkraut, Fenchel-, Kümmel und Korianderfrüchte sowie Kamillenblüten. So wirkt eine Mischung aus gleichen Teilen Kümmelfrüchten, Kamillenblüten, Pfefferminzblättern und Baldrianwurzel entblähend und spasmolytisch. Ist auch eine cholagoge, appetitanregende Wirkung gewünscht, kann eine Teemischung aus Angelikawurzel (20,0), Schafgarbenkraut (30,0), Tausendgüldenkraut (10,0) und Wermutkraut (10,0) helfen.

Achtung vor Lichtempfindlichkeit der Haut!

Ein wichtiger Hinweis für Patienten, die Tees mit Angelikawurzel erhalten, ist der Verzicht auf längere Lichtbäder. Die enthaltenen Furocumarine erhöhen die UV-Lichtempfindlichkeit der Haut.

Kamillenblüten haben sich zudem als Rollkur, regelmäßig über zwei Wochen ausgeführt, bei spastischen Bewerden und vermehrter Säurebildung/Reflux bewährt. Hierbei wird frisch gebrühter Tee oder ein Glas mit warmem Wasser und 30 bis 50 Tropfen Extrakt zu einem Viertel nüchtern getrunken, dann in Rückenlage fünf Minuten geruht. Beim Wechsel auf die linke Seitenlage, Bauchlage und rechte Seitenlage wird je ein weiteres Viertel getrunken.

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