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Gastroenterologie 28. März 2012

Darmkrebs: auf Knochen achten

Werden Knochenmetastasen rechtzeitig erkannt, kann dies das Leben verlängern.

Mit dem Ansteigen der Überlebenszeit von Patienten mit Darmkrebs angegeben hat zur Folge, dass die Betroffenen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als früher auch noch die Entwicklung von Knochenmetastasen erleben. Bei metastasiertem Darmkrebs reduziert sich die Überlebenszeit um zwei Drittel, sobald Knochenmetastasen auftreten.

 

Etwa sechs bis zehn Prozent der Patienten mit Kolorektalkarzinom entwickeln nach epidemiologischen Daten auch Knochenmetastasen, der Anteil dürfte derzeit aber eher bei zehn Prozent liegen, vermuten Onkologen um Prof. Dr. Daniele Santini aus Rom.

Verlängerte Lebenszeit

Als Grund dafür wird die inzwischen deutlich verlängerte Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs angegeben, sodass viele Patienten noch die Entwicklung von Knochenmetastasen erleben.

In einer retrospektiven Untersuchung hat Santinis Team nun den Verlauf der Erkrankung von 264 Patienten mit Knochenmetastasen infolge von Darmkrebs beobachtet.

Alle Patienten waren an einem Kolorektalkarzinom verstorben. Die Daten entstammten einem Pool von etwa 2.500 Patienten, sodass auch hier auf jeden zehnten Darmkrebspatienten einer mit Knochenmetastasen kommt.

Insgesamt hatten vier von fünf Patienten mit Knochenmetastasen bei der Krebsdiagnose einen fortgeschrittenen Tumor im Stadium T3/4, nur zehn Prozent einen im Stadium T1/2, bei weiteren zehn Prozent war das Stadium bei der Diagnose nicht bekannt. Dies zeige, so die Autoren, dass eine fortgeschrittene Erkrankung bei der Diagnose ein hohes Risiko für Knochenmetastasen birgt.

Wirbelsäule am häufigsten betroffen

Der Hauptort der Metastasen war die Wirbelsäule (bei 65 Prozent betroffen), gefolgt von Hüfte und Becken (34 Prozent) sowie den Extremitätenknochen (26 Prozent).

Im Median waren bei den Patienten elf Monate nach der Diagnose die ersten Knochenmetastasen nachweisbar, zwei Monate später traten auch die ersten Komplikationen wie Frakturen oder Rückenmarkskompressionen auf, oder die Patienten mussten ihre Knochen bestrahlen lassen.

Sieben Monate nach Knochenmetastasen

Zu Frakturen infolge der Metastasen kam es bei zehn Prozent der Patienten mit Skelettkomplikationen.Etwa die Hälfte der Patienten (48 Prozent) erhielt eine Therapie mit Zoledronsäure. Dadurch ließen sich Skelettkomplikationen signifikant verzögern, im Schnitt um etwa einen Monat.

Die mediane Überlebenszeit nach der Diagnose von Knochenmetastasen lag bei sieben Monaten, unabhängig davon, ob Skelettkomplikationen auftraten oder mit Zoledronsäure behandelt wurde. Wurde jedoch nur die Subgruppe von 157 Patienten betrachtet, bei denen Daten zu einer Bisphosphonat-Therapie vorlagen, so betrug die Lebenszeit mit Zoledronsäure im Median zehn Monate, ohne das Medikament nur sechs Monate. Dadurch ergab sich ein Trend zu einer verlängerten Überlebenszeit.

Diese Praxisdaten bestätigen, so die Autoren, dass Knochenmetastasen mit einer sehr schlechten Prognose einhergehen. Leben Patienten mit metastasiertem Darmkrebs heute im Schnitt noch über 20 Monate, so reduziert sich diese Zeit um zwei Drittel, sobald Knochenmetastasen auftreten, und liegt bei noch etwa vier bis fünf Monaten, wenn es zu Skelettkomplikationen kommt.

 

Santini, D. et al.: Annals of Oncology 2012; doi:10.1093/annonc/mdr572

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