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Foto: Andrew Bassett / photos.com
Tumorpatienten sollen „raus aus dem Bermudadreieck aus Depression, Fernseher und Couch“, fordert Prof. D. H. Schönberg, Viszeralchirurg, München.
 
Gastroenterologie 13. Februar 2012

Bei Darmkrebs: Sport statt Bettruhe

Vieles spricht dafür, dass sich durch regelmäßiges Training auch die Prognose von Tumorpatienten verbessert.

Körperliche Aktivität kann nicht nur vor einem Kolonkarzinom schützen. Sie hat auch dann noch einen günstigen Effekt, wenn die Krebsdiagnose bereits gestellt ist. Die Lebensqualität steigt, und vieles spricht dafür, dass sich auch die Prognose verbessert.

 

Darmkrebspatienten sollten ihre Zeit nicht im Bett, sondern auf dem Fahrrad oder im Fitness-Studio verbringen, sagt Prof. Dr. Michael H. Schönberg, Viszeralchirurg am Rotkreuzklinikum München, Deutschland: „Sie sollen nicht daliegen und sich nicht bewegen. Sie müssen raus aus dem Bermudadreieck aus Depression, Fernseher und Couch.“ Denn es verdichteten sich die Daten, dass körperliche Aktivität bei vielen Krebsarten nicht nur primärpräventiv wirkt, sondern auch die Prognose günstig beeinflussen kann. Das gelte neben dem Mammakarzinom besonders für das Kolonkarzinom.

Schönberg verwies beim Internationalen Symposium „Sport und Krebs 2011“ in München auf eine prospektive Studie, in der 832 Patienten mit einem Kolonkarzinom im Stadium UICC III über zehn Jahre beobachtet wurden.

Sie kam zu dem Ergebnis: Wer Sport treibt, senkt seine Mortalität. Erreichten die Patienten mehr als 18 MET (metabloc equivalent task) pro Woche, verbesserte sich ihre Prognose im Mittel um 45 Prozent.

Aktive Frauen konnten die karzinom bedingte Mortalität im Vergleich zu Frauen, die sich wenig bewegten (< 3 MET/Woche), um 60 Prozent reduzieren, die Gesamtmortalität um 57 Prozent. Angesichts der Daten konstatierte Schönfeld: „Die Verbesserung der Prognose ist sehr wahrscheinlich.“

Dabei gilt: Mehr ist mehr. Denn je mehr Sport der Patient treibt, umso größer ist der günstige Einfluss auf die Prognose. Gleichzeitig verbessert sich auch die Lebensqualität.

„teaching moment“

Um die Patienten für regelmäßige körperliche Aktivität zu gewinnen, kann der Schock über die Krebsdiagnose als „teaching moment“ genutzt werden.

Ideal ist aus Sicht von Schönberg ein früher Beginn mit ersten Bewegungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung bereits in der Klinik – mit fließendem Übergang in die Rehabilitationsphase. Falls es die Nebenwirkungen zuließen, könnte auch während einer adjuvanten Chemotherapie mit gezielter Bewegung begonnen werden.

Ist der Patient zu Hause, beginnt die eigentliche Herausforderung. Onkologe und Sportmediziner sollten einen individuellen Trainingsplan erstellen.

Dabei sollte ein Ausdauertraining mit einer Herzfrequenz von 60 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz mit einem Krafttraining mit 40 bis 70 Prozent der Maximalkraft kombiniert werden.

Körperliche Aktivität hat zudem einen günstigen Effekt auf das Körpergewicht, das ebenfalls die Prognose bestimmt. In einer Studie mit 4.288 Patienten (Kolonkarzinom im Stadium II oder III) mit adjuvanter Chemotherapie kam es bei 2.074 Patienten innerhalb von zehn Jahren nach Operation zu einem Rezidiv oder Tod.

Erhöht war das Risiko bei einem BMI über 35 kg/m2, nämlich um 1,27, erläuterte Professor Ellen Kampman aus Wageningen in den Niederlanden. Dabei scheint vor allem die Fettzufuhr die Mortalität zu erhöhen, wie Daten von Patienten aus der Melbourne Collaborative Cohort Study zeigten.

Kontraindikationen

Schönberg verhehlte allerdings nicht, dass es bei Tumorpatienten auch Kontraindikationen gibt. Dazu gehören die Applikation kardio- oder nephrotoxischer Chemotherapeutika am selben Tag, Blutbildveränderungen, Bewusstseinseinschränkungen und Verwirrtheit, Kreislaufbeschwerden, ein akuter Infekt oder auch Schmerzen, die ein körperliches Training unmöglich machen.

Als relative Kontraindikationen bezeichnete er vorübergehende postoperative Einschränkungen bis zur abgeschlossenen Wundheilung. Auch ein erhöhtes Hernienrisiko und eine ossäre Metastasierung, einhergehend mit einem erhöhten Frakturrisiko, zählen dazu.

Dass Stomaträger Kontaktsportarten meiden sollten, versteht sich von selbst. Auf Sport verzichten müssen sie aber nicht. Selbst Schwimmen ist möglich. Da der Flüssigkeitsverlust über ein Ileostoma erhöht ist, muss während und nach dem Sport für ausreichende Flüssigkeitssubstitution gesorgt werden.

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