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„Eine Fehlbesiedlung der Darmflora kann durch die Ansiedlung entsprechender Leitkeimstämme ausgeglichen werden.“

Mag. Anita Frauwallner
Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Probiotische Medizin, Institut Allergosan

 
Gastroenterologie 6. Dezember 2011

Probiotische Medizin

Anwendungsoptionen medizinisch relevanter Probiotika in der Anti-Aging-Praxis.

Seit Donnerstag ist in Wien der Kongress „Menopause – Andropause – Anti-Aging“ voll im Gange. Bereits am ersten Tag fand eine wissenschaftliche Sitzung mit dem Titel „Darmtrakt – Gesundheitstrakt“ statt, bei der unter anderem der Nutzen von Probiotika diskutiert wurde.

 

Der Anti-Aging-Patient sieht sich mit zunehmendem Alter körperlichen und psychischen Problemen gegenüber, die nicht als Krankheiten gesehen werden, jedoch in erheblichem Ausmaß seine Lebensqualität beeinträchtigen. Die Forschung der letzten zehn Jahre konnte als Ursache für diese Einschränkungen einen direkten Zusammenhang mit der sich im Alter verändernden Mikrobiota (i. e. der eigenen Darmflora) feststellen. Der Darm als unterschätztes endokrines Organ hat auf eine Reihe von Alterungsfaktoren einen wesentlichen Einfluss.

  • Abnehmende Stoffwechselaktivität und damit gekoppelt eine verringerte Diversität von Bakterienstrains im Darm können Adipositas begünstigen. Der aktuelle Ansatzpunkt der probiotischen Medizin zur dauerhaften Gewichtskontrolle ist eine Kombination aus Pre- und Probiotika, um die Ratio zwischen Firmicutes und Bacteroidetes zu verschieben.
  • Die im Alter abnehmende Stressresistenz führt zu verminderter Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie erhöhter Anfälligkeit für Depression und rasche Erschöpfung durch verringerte Produktion von Neurotransmittern und Stresshormonen. Silente Entzündungen führen in der Folge zu einer Auflösung der Tight Junctions, wodurch vermehrt Toxine und pathogene Keime parazellulär die Epithelzellen passieren und somit physisch, emotional und mental Einbußen zu verzeichnen sind. Der aktuelle probiotische Zugang ist die Reduktion von Inflammation durch die Ansiedlung spezieller antiinflammatorisch wirksamer Symbionten in Form von Multispezies-Probiotika.
  • Insbesonders die dramatische Verringerung von Lactobacillen im Alter und die damit verbundene verringerte Immunglobulinproduktion führen zur Überwucherung von potenziell pathogenen Keimen wie C. difficile mit deutlich erhöhter Infektanfälligkeit. Sollte zusätzlich noch z. B. postoperativ eine antibiotische Abschirmung nötig sein, kann sich daraus ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom oder eine pseudomembranöse Colitis entwickeln. In Abhängigkeit vom verwendeten Antibiotikum tritt in bis zu 49 Prozent der Fälle auch eine Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (AAD) auf. Spezielle probiotische Stämme, welche eine pH-Wert-Verschiebung induzieren und die Vermehrung pathogener Keime verhindern, haben hier ihre Berechtigung.
  • Darüber hinaus ist eine verminderte Gesamt-Bakterienflora, wie sie mit zunehmendem Alter immer häufiger zu finden ist, die Ursache für eine verringerte Aufnahme von oral zugeführten Anti-Aging-Substanzen, einerseits von Vitaminen und Spurenelementen andererseits aber auch von Hormonersatzstoffen. Die im Labor nachgewiesene Fehlbesiedlung der Darmflora kann durch die über Langzeitanwendung starker probiotischer Strains stattfindende Ansiedlung entsprechender Leitkeimstämme ausgeglichen werden.

Die probiotische Medizin bietet durch speziell molekulargenetisch sequenzierte Bakterienstrains biologische Möglichkeiten zur begleitenden Therapie, aber auch zur sinnvollen und notwendigen Prävention.

 

Weitere Informationen zum Kongress: www.menopausekongress.at

Von A. Frauwallner , Ärzte Woche 49 /2011

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